„ControlCOVID“-Strategie für Lockerungen der Corona-Maßnahmen: Der Vier-Stufen-Plan des RKI

Mona Eichler Health-Redakteurin

Das RKI hat einen Vier-Stufen-Plan ausgearbeitet, nach dem sich zukünftige Lockerungen der Corona-Maßnahmen richten könnten. Was sieht „ControlCOVID“ vor? Ein Überblick.

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Inhalt
  1. „ControlCOVID“-Strategie: In vier Stufen zum Lockdown-Ende
  2. Infektionsgeschehen: Leit- und Hilfsindikatoren
  3. Der Vier-Stufen-Plan des RKI

Das Robert Koch-Institut bringt sich in die Debatte über mögliche Lockerungen der Corona-Maßnahmen ein. In einem Vier-Stufen-Plan – der „ControlCOVID“-Strategie – wird festgelegt, unter welchen Bedingungen ein schrittweiser Ausstieg aus dem Lockdown möglich ist. Als Richtwert genüge dabei nicht allein die 7-Tage-Inzidenz, betonte die Behörde in ihrem zwölfseitigen Papier.  

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„ControlCOVID“-Strategie: In vier Stufen zum Lockdown-Ende

Das RKI bezeichnet seine „ControlCOVID“-Strategie als „Hilfestellung“, also als Leitfaden zur Entwicklung eigener, lokal angepasster Stufenkonzepte. Die Politik müsse nachvollziehbare und transparente Öffnungsstrategien sowie Stufenpläne vorlegen, weil die Akzeptanz der Corona-Maßnahmen in der Bevölkerung kontinuierlich sinke. Da aber vor allem seit Aufkommen der Corona-Mutante B.1.1.7 immer noch eine große Bedrohung vom Coronavirus ausgehe, müssten Lockerungen stets unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit stattfinden. Das RKI betont:

Das übergeordnete Ziel der ControlCOVID-Strategie ist es, die Zahl der schweren Erkrankungen, Langzeitfolgen und Todesfälle durch COVID-19 zu minimieren und eine Überlastung des Gesundheitssystems nachhaltig zu vermeiden.

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Infektionsgeschehen: Leit- und Hilfsindikatoren

Um das Infektionsgeschehen im Land einschätzen zu können, gibt es unterschiedliche Richtwerte. Aktuell steht besonders die 7-Tage-Inzidenz im Fokus, die aussagt, wie viele Neuinfektionen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner gerechnet in einer Region gemeldet werden. In seiner „ControlCOVID“-Strategie betont das RKI allerdings, dass die Inzidenz als alleiniger Indikator nicht ausreicht. Stattdessen orientiert sich die Einschätzung der epidemischen Lage auf lokaler Ebene an vier Leitindikatoren: 

  • Anteil intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle an der Gesamtzahl der betreibbaren ITS-Bettenkapazität
  • Die wöchentliche Inzidenz hospitalisierter Fälle unter den über 60-Jährigen (pro 100.000)
  • Anteil der Kontaktpersonen, die nachverfolgt werden können
  • 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner*Innen 

Als Hilfsindikatoren solle laut RKI auf folgende Werte geachtet werden: 

  • R-Wert
  • Anteil neuer Varianten 
  • Anteil der Fälle ohne ermittelbare Infektionsquelle 
  • Anzahl, Größe und Setting der Ausbruchsgeschehen

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Der Vier-Stufen-Plan des RKI

Basisstufe

Die Basisstufe bewegt sich bei einer Inzidenz von unter 10, einer Intensivbettenauslastung von unter 3% und einer Kontaktpersonennachverfolgung von über 90%. In dieser Stufe könnten sich laut RKI beispielsweise 100 Menschen drinnen und 1.000 Menschen draußen treffen, der Einzelhandel wäre komplett geöffnet, ebenso Bars und Restaurants. Für Altenheime gebe es eine Testpflicht, aber keine Besuchseinschränkungen. 

Intensitätsstufe 1

Diese Stufe bewegt sich bei einer Inzidenz von 10 bis 35, einer Intensivbettenauslastung von mehr 3% und weniger als 5%, sowie einer Kontaktpersonennachverfolgung zwischen 80% und 90%. Möglich sind hier Treffen von 50 Menschen drinnen und 500 Menschen draußen, der Einzelhandel wäre wie in der Basisstufe geöffnet, ebenso Bars und Restaurants. Für Altenheime gebe es eine Testpflicht, aber keine Besuchseinschränkungen. 

Intensitätsstufe 2

Diese Stufe beinhaltet die ersten Schließungen. Sie bewegt sich bei einer Inzidenz von 35 bis 50, einer Intensivbettenauslastung von mehr 5% und weniger als 12% und einer Kontaktpersonennachverfolgung zwischen 60% und 80%. Treffen in Innenräumen wären dann nur mit weniger als 10 Menschen erlaubt, Bars sollten Schließungen erwägen, Restaurants nur noch Essen zum Abholen anbieten. Mobiles Arbeiten wird empfohlen. Für Altenheime gebe es eine Testpflicht und Besuchseinschränkungen (max. 2 Personen). 

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Intensitätsstufe 3

Die höchste Stufe bewegt sich bei einer Inzidenz von über 50, einer Intensivbettenauslastung von mehr als 12%, sowie einer Kontaktpersonennachverfolgung unter 60%. In dieser Stufe sind Kontakte nur noch innerhalb der Familie, Einzelbesuche in Altenheimen, Distanzunterricht in Schulen sowie die Schließung von Einzelhandel und Gastronomiebetrieben vorgesehen. 

Das RKI sieht es als gegeben, dass die Corona-Maßnahmen erst dann wegfallen können, wenn sich innerhalb der Bevölkerung eine „Immunität durch die Impfungen einstellt“ hat. Bis es soweit ist, kann der Vier-Stufen-Plan des RKI „ControlCOVID“ dabei helfen, die angesetzten Einschränkungen im Lockdown gezielter umzusetzen. 

Quelle:
ControlCOVID: Strategie und Handreichung zur Entwicklung von Stufenkonzepten bis Frühjahr 2021, in: rki.de

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