Colitis ulcerosa: Alternative Therapien wie Akupunktur können Linderung schaffen

Anne Körbel Medizinredakteurin
Für die Schulmedizin gilt Colitis ulcerosa als nicht heilbar – die chinesische Medizin sieht das anders
Für die Schulmedizin gilt Colitis ulcerosa als nicht heilbar – die chinesische Medizin sieht das anders © iStock/anamejia18

Eine unkontrollierte Entzündung der Schleimhaut des Dickdarms, die in Schüben verläuft lässt Betroffene verzweifeln: Eine Colitis ulcerosa kann nicht geheilt, aber behandelt werden. Ziel der Therapie ist die Eindämmung der Entzündung, um die Krankheit in ein „inaktives“ Stadium zu bringen („Remissions-Erhaltung“). 

Krankheiten & Symptome  

Colitis ulcerosa

Die Schulmedizin bildet den Hauptteil der Behandlung, jedoch kann sie mit gezielter Ernährung und alternativer Medizin unterstützt werden. Alternative Medizin wird eingesetzt, um das Wohlbefinden zu steigern und Nebenwirkungen von Medikamenten zu reduzieren. Die alleinige Anwendung einer alternativen Therapie ist bei einem Schub nicht zu empfehlen. Außerdem sollte sie mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

Heilpflanzen

Curcumin aus der Gelbwurz (zweimal ein Gramm am Tag) kann als Ergänzung zur Schulmedizin (in der Remissions-Erhaltung) genommen werden
Leinsamen als Schleim in Verbindung mit Wasser bindet bei Durchfall das Wasser und schützt die Schleimhaut mit einer Schutzschicht (einsetzbar beim Remissions-Erhalt zweimal zehn Gramm am Tag)
• Kombinationen aus Kamille, Myrre und medizinischer Kohle haben eine antientzündliche und antibakterielle Wirkung (ein Zusatz von Kaffeekohle soll die Bakterientoxine bilden)

Leinsamen in Verbindung mit Wasser schützt die Schleimhaut mit einer Schutzschicht
Leinsamen in Verbindung mit Wasser schützt die Schleimhaut mit einer Schutzschicht © iStock/Elenathewise
Homöopathie

Einige homöopathische Mittel können bei Colitis ulcerosa begleitend zum Einsatz kommen:
• Aloe Vera
• Arsenicum album (weißer Arsenik)
• Graphites (natürliches Mineral Graphit in einer Erscheinungsform des chemischen Elements Kohlenstoff in Rohform)
• Lycopodium (gehört zur Familie der Bärlappgewächse)
• Mercurius solubilis (Quecksilber)
• Natrium muriaticum (Kochsalz)
• Sulfur (Ausgangssubstanz des Mittels ist Schwefel)

 

Ernährung und Ernährungsumstellung

Eine künstliche Ernährung über die Vene gibt es nur in schweren Fällen. In der akuten Phase eines Schubes sollte auf eine ballaststoffarme Diät geachtet werden: Vollkornprodukte, Zitrusfrüchte, unverdünnte Obstsäfte und rohes Gemüse und Obst sind vom Speiseplan gestrichen. Betroffenen wird empfohlen in der schubfreien Phase mit einer qualifizierten Ernährungsberatung eine Ernährungsumstellung auf leichte Vollkost vorzunehmen.

 

Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

Empfohlen wird bei einer Colitis ulcerosa meistens das Pflanzenpräparat Jing Pi Ling. Die Tabletten sind nur bei leichtem bis mittelgradigem Schub wirksam und sollten nur im Rahmen einer TCM-Behandlung genommen werden, weil es in Europa bisher zu wenig Erfahrung damit gibt.

Die chinesische Medizin wird auch mittlerweile bei uns gerne praktiziert
Die chinesische Medizin wird auch mittlerweile bei uns gerne praktiziert © iStock/chinaview
 

Akupunktur (Erfahrungsbericht s.o.)

Bei einem leichtem bis mittelgradigem Schub einer Colitis ulcerosa kann Akupunktur eine sinnvolle Ergänzung zu schulmedizinischen Behandlung darstellen. Bei einer Colitis ulcerosa wird auch öfters eine Akupunktur mit Moxibustion (gezielte Hitzeeinwirkungen auf Akupunkturpunkte) angewendet. Bei der Akupunktur geht es nicht um eine direkte Heilung der Krankheit, sondern um eine Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Daher wird die Behandlung bei einer Reihe von akuten und chronischen Krankheiten eingesetzt – auch um Schmerzen zu lindern. Der genaue Wirkungsmechanismus der Akupunktur ist bisher noch nicht wissenschaftlich aufgeklärt worden, allerdings wurde herausgefunden, dass bei Behandlungen mit den Akupunkturnadeln das Gehirn stimuliert wird, welches schmerzlindernde und stimmungsaufhellende Stoffe ausschüttet, wie Serotonin und Endorphine. 
Bei einer Akupunktur werden von einem fachgerechten Arzt oder Heilpraktiker sterile Einmalnadeln verwendet. Die meisten Akupunkteure setzen sehr feine Nadeln ein, die beim Einstechen in die Haut keine Schmerzen bereiten.

Eine Akupunktur kann eine sinnvolle Ergänzung zu schulmedizinischen Behandlung sein © iStock/anamejia18

Am Fallbeispiel Ariane zeigt sich, dass Akupunktur bei einer Colitis ulcerosa wahre Linderung bringen kann:

Schon immer war die Verdauung Arianes Schwachstelle. Plötzlich geht es ihr so schlecht wie nie: Sie hat blutige Durchfälle, Fieber, schlimme Krämpfe. „Wie Blinddarmentzündung und Magen-Darm-Grippe gleichzeitig", beschreibt es die 47-Jährige. Beim Arzt erfährt sie, was es wirklich ist: ein Schub der chronischen Darmerkrankung Colitis ulcerosa. Aus unbekannter Ursache entzündet sich dabei die Dickdarmschleimhaut. Obwohl am Ende ihrer Kraft, gönnt sich die Apothekerin keine Pause. Bis sie wegen eines Darm-Abszesses – eine typische Begleiterscheinung der Colitis ulcerosa – operiert werden soll. Die OP endet dramatisch. Die Ärzte entdecken, dass Arianes Darm durch die Entzündung teilweise zerstört ist. Ein künstlicher Ausgang wird gelegt, sie fällt ins Koma.

 

Colitis ulcerosa: Koma nach OP

Nachdem sie sich leidlich erholt hat, steht fest: Die Entzündung schreitet fort. Ariane soll Medikamente zur Immun-Unterdrückung bekommen. „Darin sah ich keinen Sinn. Die Mittel lindern zwar die Symptome, ich wollte aber die Ursachen angehen." Für die Schulmedizin gilt Colitis ulcerosa als unheilbar. Die chinesische Medizin sieht das anders. Ariane wendet sich daher an die auf China-Medizin spezialisierte Klinik am Steigerwald (www.tcmklinik.de). „Wir suchen nach den körperlichen und seelischen Wurzeln der Krankheit", sagt Chefarzt Dr. Christian Schmincke. „Nach unserer Auffassung entstehen entzündliche Darmerkrankungen durch Fehlsteuerungen des Immunsystems. Falsche Ernährung oder Bagatellinfekte lösen Schübe aus. Auch Stress spielt eine entscheidende Rolle." Ariane wird klar, dass sie sich im Jahr des Ausbruchs der Krankheit zu viel zugemutet hatte. Aufgrund von Puls- und Zungendiagnostik und vieler Fragen über Schlaf, Infekte oder Ausscheidungen erhält sie eigens für sie erstellte Pflanzen-Arzneien. Dazu macht sie Qigong, bekommt Akupunktur und Tipps zur Ernährungsumstellung. Sie isst seither überwiegend vegetarisch und meidet Milchprodukte. Die entzündeten Stellen heilen ab. Zu Hause sind ihre Ärzte erstaunt, wie gut es ihr geht und raten, den künstlichen Darmausgang rückzuverlegen. Ariane ist glücklich: „Ich bin wieder im normalen Leben angekommen und gebe nun mehr acht auf mich."

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