Chrstian Drosten: Darum werden wir abgehängt!

Virologe Christian Drosten warnt davor, sich auf den derzeit sinkenden Infektionszahlen auszuruhen. Mit Blick auf die Impfquoten anderer Länder zieht der Corona-Experte eine bittere Bilanz.

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Christian Drosten, Virologe und Institutsdirektor an der Charité in Berlin, warnt in der aktuellen Ausgabe des NDR-Podcasts "Das Coronavirus-Update" davor, dass Impflücken dazu führen können, dass sich im Herbst und Winter wieder deutlich mehr Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus infizieren. Allein eine hohe Impfquote könnte dieses Risiko abfedern. 

Drosten: Herbst- und Winterwelle steht bevor

Aktuell entspannt sich die Infektionslage in Deutschland. Die Zahl der Neuinfektionen sinkt und damit auch die bundesweite 7-Tage-Inzidenz. Zeitgleich ist die Lage in den Krankenhäusern und auf den Intensivstationen unter Kontrolle: Die Hospitalisierungsrate bewegt sich auf einem niedrigen Niveau von 1,54 neuen Fällen pro 100.000 Einwohner:innen und Woche und der Anteil der Corona-Erkrankten an der Gesamtzahl der Patient:innen in Intensivbetten ist von 6,9 Prozent in der Vorwoche auf jetzt 6,4 Prozent (Stand 28. September) gesunken.

Trotzdem warnt Christian Drosten davor, die Corona-Pandemie in Deutschland als beendet zu betrachten. Im Gegenteil ist er der Meinung, bei den aktuell niedrigen Zahlen handele es sich um ein vorübergehendes Phänomen. So ließe sich in Ostdeutschland erkennen, dass die Neuinfektionen unabhängig vom dortigen Ferienende wieder zunehmen. "Ich denke, da deutet sich jetzt die Herbst- und Winterwelle an, die wir im Oktober wohl wieder sehen werden", so der Virologe. 

Impflücken schließen

Um ein Aufflammen des Infektionsgeschehens zu verhindern, müssten sich in Deutschland mehr Menschen – vor allem zeitnah – impfen lassen. Sonst könnte sich das Virus in sogenannten Impflücken weiter in der Gesellschaft ausbreiten. "Man muss diejenigen, die nicht geimpft sind, überzeugen, sich impfen zu lassen", betonte Drosten. 

Laut aktueller Zahlen des Robert Koch-Instituts sind in Deutschland inzwischen 64,1 Prozent der Bevölkerung vollständig immunisiert. Viel zu wenig, um eine Herdenimmunität zu erreichen. Der Impffortschritt stagniert jedoch seit Monaten. So sind am 27. September lediglich 116.836 Impfungen verabreicht worden. Der bisherige Impfrekord liegt bei 1.353.453 Impfungen an einem Tag. Er war am 12. Mai 2021 erreicht worden. 

Deutschland vs. Dänemark: Impfquote abhängig vom Bildungsgrad?

Vor allem wenn es um die Corona-Einschränkungen geht, schauen viele gerne auf andere Länder. In Dänemark beispielsweise wurden am 10. September sämtliche Beschränkungen aufgehoben. Zu diesem Zeitpunkt ähnelte die Inzidenz in Dänemark mit um die 65 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner:innen und Woche der in Deutschland. Der ausschlaggebende Unterschied aber ist: Das Land weist eine solide Impfquote von 75 Prozent auf – gut zehn Prozentpunkte mehr als in Deutschland also. 

Christian Drosten verweist im NDR-Podcast darauf, dass in skandinavischen Ländern grundsätzlich ein sehr hoher Informations- und Bildungsgrad herrsche. "Viele Menschen verstehen dort einfach, wofür die Impfung gut ist", so der Wissenschaftler. 

Drosten: "Die Zahlen sehen übel aus"

Gerade der Vergleich mit Dänemark lässt Deutschland schlecht dastehen. Drosten rechnete vor, wie weit abgeschlagen die Bundesbürger:innen aufgrund der niedrigen Impfquote sind: 
"Die Zahlen sehen übel aus. Wenn wir allein auf das Niveau von Dänemark kommen wollten, also eine Impfquote von 75 Prozent vollständig Geimpfter, dann wären das bei uns mehr als neun Millionen Menschen, die man noch impfen müsste. Das würde im Moment 90 Tage dauern, nur um es zu verimpfen."

Das Überzeugen von Impfzögerern betrachtet Christian Drosten als politische, nicht als wissenschaftliche Aufgabe: "Die Wissenschaft hat geliefert, die Impfung ist da."

Quellen:
Das Coronavirus-Update von NDR Info, in: ndr.de
Aktuelle Situationsberichte, Wochenberichte und COVID-19-Trends im Überblick, in: rki.de