Chronisch erschöpft – ist mein Darm schuld?

Phyllis Kuhn
Frau sitzt erschöpft am Schreibtisch
Chronische Erschöpfung könnte auf eine geschwächte Darmflora zurückzuführen sein. © Alamy

Eine geschwächte Darmflora könnte die Ursache für dauerhafte Müdigkeit, Erschöpfung und Kraftlosigkeit sein. Forscher haben jetzt den Zusammenhang untersucht.

Betroffene eines Chronischen Erschöpfungssyndroms (englisch: Chronic Fatigue Syndrom = CFS) sind ständig müde, können sich zu kaum etwas aufraffen und leiden häufig unter Schlafstörungen. Die Hintergründe der Erkrankung und ihre häufig eher unspezifisch auftretenden Symptome sind noch wenig erforscht. Bisher waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass es sich um eine psychische Störung handelt, weil viele der Symptome eines CFS Depressionen ähneln.

 

Führt geschwächte Darmflora zur Erschöpfung?

Forscher der Cornell Universität haben jetzt möglicherweise einen Gegenbeweis erbracht. Sie analysierten Stuhl- und Blutproben von CFS-Patienten und fanden dabei eindeutige Unterschiede zu den Proben gesunder Testpersonen. Eine große Rolle scheint dabei die Darmflora der Betroffenen zu spielen. Das Team um Ludovic Giloteaux fand heraus, dass CFS-Patienten eine deutlich geringere Vielfalt von Bakterien (Mikrobiom) im Darm besaßen, als Gesunde. Ihre Darmflora wies ähnliche Werte auf wie die Darmflora von Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa-Patienten – beides schwerwiegende Darmerkrankungen. Gerade die Bakterien, die einen entzündungshemmenden Effekt haben, waren bei CFS-Patienten nur sehr eingeschränkt vorhanden. Dies wurde auch in der Analyse der Blutproben deutlich: Die Betroffenen hatten deutlich erhöhte Entzündungsmarker im Blut.

„Die Entdeckung dieser biologischen Anomalie liefert uns einen weiteren Beweis gegen die alberne Behauptung, BFS hätte eine psychische Ursache“, erklärt Studienleiterin Maureen Hanson, Senior-Autorin der Studie.

Tatsächlich waren die Werte so prägnant, dass eine Software, in welche die Auswertungen der Stuhl- und Blutproben eingegeben wurde, mit einer 83-prozentigen Trefferquote CFS-Patienten von Gesunden unterschieden konnte.

 

Aufbau der Darmflora könnte Symptome verbessern

Bei Menschen, die unter einem Chronischen Erschöpfungssyndrom leiden, könnte in der Vergangenheit eine Infektion oder Antibiotika-Einnahme die Darmflora in Mitleidenschaft gezogen haben.

Umgekehrt wäre es allerdings auch möglich, dass das veränderte Mikrobiom im Darm nicht Ursache, sondern Wirkung des CFS ist. In jedem Fall sollten Betroffene ihre Darmflora über Abgabe einer Stuhlprobe analysieren lassen. Ist das Mikrobiom tatsächlich geschwächt, könnten eine Ernährungsumstellung auf probiotische Lebensmittel, homöopathische Aufbaupräparate (z. B. Symbioflor, Apotheke) oder auch eine Stuhltransplantation helfen.

Die Studie wurde im Fachmagazin Microbiome veröffentlicht.

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Hamburg, 29. Juni 2016

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