Christian Drosten: „Das reicht absolut nicht aus!“

Ines Fedder Medizinredakteurin

Der Virologe Christian Drosten hat erneut eine düstere Prognose für den kommenden Herbst abgegeben. Er rechne fest mit weiteren, heftigen Einschränkungen. 

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Inhalt
  1. Christian Drosten: Weitere Kontaktbeschränkungen bereits ab Oktober
  2. Lockdown für Ungeimpfte im Herbst?
  3. Corona-Tests reichen nicht

Christian Drosten, Virologe der Berliner Charité, hat sich gegenüber den Medien zur möglichen Entwicklung der Corona-Pandemie im Herbst geäußert. Seine Prognose: äußerst düster. Vor allen Dingen die Impfquote sei ein entscheidender Faktor, wenn es um die Entwicklung der Fallzahlen Richtung Herbst geht. Und die ist aktuell laut dem Chef-Virologen viel zu niedrig.

Wir müssen unbedingt an der Impfquote arbeiten“, mahnt Drosten im Deutschlandfunk und erstickt zugleich die Hoffnung, der kommende Herbst werde nicht ganz so schlimm, im Keim. „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen, das reicht absolut nicht aus“, so Drosten. Notwendig seien 85 Prozent der unter 60-Jährigen, bei den über 60-Jährigen sogar 90 Prozent. Das bestätigen auch aktuelle Hochrechnungen des Robert Koch-Instituts. Aktuell sind insgesamt 61 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft

Christian Drosten bei einer Pressekonferenz
Service Christian Drosten: Immun-Update durch Impfdurchbrüche

 

Christian Drosten: Weitere Kontaktbeschränkungen bereits ab Oktober

Bereits für den kommenden Oktober rechnet Christian Drosten mit weiteren Kontaktbeschränkungen. Die Pandemie sei noch lange nicht im Griff, die Auswirkungen der Pandemie werde man noch jahrelang zu spüren bekommen, so der Experte. Erste Kommunen und Landkreise machen es vor. Kontakt-Einschränkungen auch für Geimpfte gibt es zum Beispiel bereits in Rosenheim in Bayern. 

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Lockdown für Ungeimpfte im Herbst?

Und auch Baden-Württemberg geht als erstes Bundesland voran und rechnet fest mit einer Art „Lockdown für Ungeimpfte“, sollte die Intensiv-Bettenbelegung die 250 überschreiten. „Wenn 200 bis 250 Intensivbetten belegt sind, erwägen wir erste Kontaktbeschränkungen für ungeimpfte Erwachsene zu erlassen“, erläutert Uwe Lahl vom Gesundheitsministerium Baden-Württemberg.

 

Corona-Tests reichen nicht

Neben den jetzt zahlreich vorhandenen Impfkapazitäten galten bisher regelmäßige Testungen auf das Coronavirus als probates Mittel zur Überwachung und Eindämmung des Infektionsgeschehens. Diese seien laut Drosten jedoch nicht mehr ausreichend mit Blick auf den kommenden Herbst. Corona-Tests allein seien keine Alternative. Sie seien lediglich Behelfsmittel gewesen, solange es noch keinen Impfstoff gegeben habe, erläutert der Experte im Interview mit Deutschlandfunk. „Jetzt nimmt die Bevölkerung die Impfung nicht an, das ist ein großes Problem“, mahnt der Virologe. 

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Ab Oktober werden zudem die bisher kostenlosen Schnelltests nicht mehr zur Verfügung stehen. Wer sich dann testen lassen möchte, muss unter Umständen tief in die Tasche greifen. Ob sich dann jedoch aufgrund des Drucks die Impfquote erhöhen lässt, bleibt abzuwarten.

Falls nicht, könnte die düstere Prognose von Christian Drosten möglicherweise schneller eintreffen als vielen lieb ist – und weitere Kontaktbeschränkungen bereits im Oktober folgen.

Quellen:

„Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen“, in: Deutschlandfunk.de
Drosten: „Mit dieser Impfquote können wir nicht in den Herbst gehen“, in: faz.net

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