Chlorophyll trinken: Diese Wirkung hat das Trendgetränk

Annika Hansen Medizinredakteurin

Der Beauty-Drink soll die Haut zum Strahlen bringen, so lautet das Versprechen vieler Influencer. Chlorophyll trinken – ist das wirklich notwendig und sinnvoll? Expertin Dr. Yael Adler erklärt, welchen Effekt der Pflanzenfarbstoff auf die Haut hat und was der Haut wirklich guttut.

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Inhalt
  1. Chlorophyll: Was ist das?
  2. In welchen Lebensmitteln ist Chlorophyll enthalten?
  3. Chlorophyll trinken: Wirkung auf die Haut
  4. Chlorophyll zum Trinken: Sinnvoll oder nicht?
  5. 4 Tipps für schöne Haut – ohne Chlorophyll zu trinken

Mittlerweile ist flüssiges Chlorophyll in kleinen Fläschchen überall erhältlich. Auch als Pulver oder in Tablettenform wird das Pflanzenextrakt angeboten. Glaubt man den Videos bei TikTok, Instagram und Co., scheinen Chlorophyll-Getränke ein echtes Wundermittel bei Hautproblemen zu sein.

Doch sind die Produkte wirklich hilfreich, um effektiv Pickel und Akne zu bekämpfen? Sollte man Chlorophyll trinken? Oder handelt es sich eher um ein Lifestyleprodukt, das niemand braucht? Dr. Yael Adler, Dermatologin und Bestseller-Autorin von „Haut nah“, erklärt, ob der Schönheitstrunk empfehlenswert ist und was wirklich bei Akne und Co. hilft.  

 

Chlorophyll: Was ist das?

Den Begriff Chlorophyll kennen die meisten wohl aus dem Biologie-Unterricht. Es handelt sich dabei um einen natürlichen Farbstoff, der Pflanzen und Gemüse wie Zucchini oder Avocados ihr grünes Aussehen verleiht. Das Wort leitet sich aus dem Altgriechischen chlorós phýllon ab und bedeutet „hellgrünes Blatt“.

Chlorophyll steckt in allen Organismen, die Photosynthese betreiben. Photosynthese ist ein biochemischer Prozess, bei dem Grünpflanzen und Algen Licht, Wasser und Kohlstoffdioxid zu Sauerstoff und Glucose umwandeln. In diesem Prozess ist Chlorophyll vor allem dafür zuständig, die Lichtenergie zu absorbieren bzw. aufzunehmen.

Der Farbstoff ist also ein wichtiger Faktor für das Leben auf der Erde: Durch ihn können die Pflanzen wachsen, Kohlenstoffdioxid aus der Luft ziehen und in Sauerstoff umbauen. Überspitzt gesagt, braucht der Mensch Chlorophyll zum Atmen.

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In welchen Lebensmitteln ist Chlorophyll enthalten?

Chlorophyll nimmt der Mensch über die Nahrung auf. In diesen Lebensmitteln steckt der Pflanzenfarbstoff:

  • Obst: grüne Weintrauben, Rhabarber, Kiwis, grüne Äpfel, Birnen
  • Gemüse: Spinat, Salat, Brokkoli grüne Bohnen, Erbsen, grüne Paprika, Gurken, Avocados, Zucchini, Kohlsorten wie Wirsing, Grünkohl
  • Kräuter: Petersilie, Basilikum, Dill, Estragon, Rosmarin, Minze, Thymian
  • Algen

Gut zu wissen: Grünkohl hat den höchsten Gehalt an Chlorophyll. In 100 Gramm Grünkohl sind 230 Milligramm des Pflanzenfarbstoffs enthalten.

 

Chlorophyll trinken: Wirkung auf die Haut

In der Wissenschaft wird davon ausgegangen, dass die Zufuhr von Chlorophyll die Kollagenbildung steigert, wie Dr. Yael Adler erklärt: „Chlorophyll gilt als Anti-Aging-Stoff und man nimmt an, dass es die Kollagensynthese erhöht und Licht- und Sonnenschäden reparieren hilft.“ Kollagenfasern sind Proteine, die unter anderem für ein elastisches und festes Bindegewebe sorgen – nicht nur in der Haut, sondern auch in Blutgefäßen, Bändern, Sehnen und Knorpeln.

Zudem wird Chlorophyll in der Akne-Behandlung angewendet: „Gegen Akne hilft es auf die Haut aufgetragen in Verbindung mit Photodynamischer Therapie“, sagt die Expertin. Bei dieser Therapieform wird die Haut zunächst mit einer speziellen Creme, die Chlorophyll-Derivate enthält, behandelt; anschließend erfolgt eine Licht-Therapie, durch die entzündliche Hautverletzungen (Läsionen) auf der Haut verringert und das Hautbild verbessert werden kann.

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Chlorophyll zum Trinken: Sinnvoll oder nicht?

Chlorophyll sorgt für ein strafferes Hautbild. Doch muss man dafür den Pflanzenfarbstoff als flüssiges Extrakt teuer kaufen und in sein Getränk mischen? An Chlorophyll-Drinks „ist zwar was dran“, sagt Adler. „Allerdings nimmt man das Chlorophyll doch lieber auf natürlichem Weg mit Kräutern, Algen und Gemüse zu sich und profitiert so noch von unzähligen weiteren Nährstoffen und Ballaststoffen.“

Expertentipp von Dr. Yael Adler: „Super ist etwa auch Matchapulvertee – da ist Chlorophyll drin, aber eben gleichzeitig auch noch viele Mineralien, Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe.“

 

4 Tipps für schöne Haut – ohne Chlorophyll zu trinken

Die Dermatologin rät generell, für ein gesundes Hautbild auf eine ausgewogene Ernährung zu setzen. Wer diese vier Tipps befolgt, tut seiner Haut etwas Gutes:

  1. Ernährung und Co. bei Akne: „Wer unter Akne leidet, sollte auf Kuhmilch, Zucker, Weißmehl und Fastfood mit den gehärteten Fetten verzichten, keine Fettcremes nutzen und auch keine Verhütungsmittel, in denen ein Pickel förderndes Gelbkörperhormon enthalten ist.“
     
  2. Viel Proteine und buntes Gemüse: „Optimal ist eine pflanzenbetonte und eiweißreiche Kost.“ Am besten „darauf achten, dass alle bunten Pflanzenfarben vertreten sind. Nicht nur grün, auch rot, gelb, blau, orange, violett.“
     
  3. Nährstoffreiche Ernährung: „Es kann hilfreich sein, alle Spurenelemente und Mineralien sowie Omega-Fettsäuren im Blut zu prüfen. Alle Vitamine, Mineralien und Spurenelemente sollten vorhanden sein: Eisen, Zink, Selen, Omega 3 Fettsäuren, Vitamin D, Biotin usw. So kann Aufbau, Schutz und Reparatur des Gewebes funktionieren.“
     
  4. Darmfreundliche Ernährung: „Auch eine vielfältige und starke Darmflora ist wichtig für schöne Haut: Sie bekommt man durch lösliche Ballaststoffe etwa aus Wurzelgemüsen, bitteren Salaten, einmal erkalteten Kartoffeln, Akazienfasern und probiotischer Nahrung: fermentierte Kost, Salat aus dem Garten, unpasteurisiertes Sauerkraut oder original griechischer Joghurt. Das stärkt das Immunsystem der Haut und versorgt sie mit Vitaminen und Mikronährstoffen und sogar auch lieben Türsteherbakterien.“

Wer diese Tipps beherzigt und sich gesund ernährt, fördert aktiv seine Hautgesundheit – ohne auf teure Lifestyleprodukte zurückgreifen zu müssen. Chlorophyll zu trinken ist also nicht notwendig, um sein Hautbild zu verbessern, weil der Farbstoff in vielen Obst- und Gemüsesorten sowie Kräutern und Algen enthalten ist. 

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Unsere Expertin: Dr. Yael Adler ist Dermatologin und hat eine eigene Praxis in Berlin. Bekannt geworden ist sie unter anderem als Bestseller-Autorin von „Haut nah“, einem Buch über das größte menschliche Organ.

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