Chiari-Malformation – wenn das Gehirn verrutscht

Grafik eines Gehirns
Die Chiari-Malformation ist eine Entwicklungsstörung, bei der Teile des Gehirns in den Rückenmarkkanal verrutschen © Fotolia

Ein kleiner Junge aus England litt an Kopfschmerzen und ständiger Müdigkeit. Der Grund: ein Teil seines Gehirns war in den Rückenmarkkanal gerutscht. Praxisvita erklärt die sogenannte Chiari-Malformation.

Als Kai Diawne aus South Yorkshire vier Jahre alt war, wurde bei ihm eine sogenannte Chiari-Malformation diagnostiziert. Das bedeutet: Teile seines Kleinhirns waren in seinen Rückenmarkkanal gerutscht.

 

Was ist eine Chiari-Malformation?

Rückenmark und Gehirn sind über das sogenannte Große Hinterhauptloch miteinander verbunden. Es ist die größte Öffnung an der Schädelbasis und wird vom Hinterhauptbein gebildet.

Es gibt vier Arten einer Chiari-Malformation, bei der verschiedene Teile des Kleinhirns betroffen sind. Sie bringen verschieden starke Beeinträchtigungen mit sich. Eine Chiari-Malformation Typ 1, wie sie bei Kai vorlag, ist generell nicht lebensbedrohlich – viele Menschen bemerken überhaupt nichts davon. Hat der Patient keine Beschwerden, unternehmen Ärzte auch nichts dagegen.

 

Wie wird bei einer Chiari-Malformation behandelt?

So war es auch bei dem kleinen Kai  – er hatte zunächst keinerlei Symptome. Doch mit neun Jahren begann er, an Kopfschmerzen und zunehmender Müdigkeit zu leiden. Erneute Untersuchungen zeigten den Grund: Durch die „Verschiebung“ des Gehirns hatte sich Druck auf das Gehirn aufgebaut und die sogenannte Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit, über die das Gehirn mit Nährstoffen versorgt wird, konnte nicht mehr ungehindert fließen.

Darum entschlossen sich die Ärzte des Jungen zu einer Operation. Ziel des Eingriffs: den Druck auf das Gehirn zu vermindern. Dafür entfernten die Chirurgen einen Knochen in seinem Schädel. Trotz mehrerer Komplikationen hat Kai den Eingriff gut überstanden und kann jetzt gemeinsam mit seiner Familie zu Hause Weihnachten feiern.

 

Weitere Symptome einer Chiari-Malformation

Die Chiari-Malformation kommt bei einem von rund 25.000 Menschen vor. Die Beschwerden treten teilweise erst im Erwachsenenalter auf – dann dauert es häufig lange, bis sie richtig zugeordnet werden. Außer Kopfschmerzen und Müdigkeit können die Symptome bei einer Chiari-Malformation Schwindel, Taubheitsgefühle, Kribbeln in Armen und Beinen, Tinnitus, eine verschwommene Sicht, Schlafstörungen und depressive Verstimmungen umfassen.

Hamburg, 8. Dezember 2015

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