CED: Neue Medikamente geben Hoffnung

Neue Medikamente gegen Morbus Crohn
Ein neuer Wirkstoff gegen Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa wird womöglich bald in Deutschland zugelassen – rund 350.000 deutsche Patienten können dann aufatmen © Fotolia

Bislang waren Patienten mit Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa auf Medikamente mit starken Nebenwirkungen angewiesen. Ein neues Medikament gibt den Betroffenen jetzt Hoffnung auf Besserung.

Oft beginnt es wie ein harmloser Magen-Darm-Infekt. Doch Bauchschmerzen, Durchfall und Übelkeit kehren in Schüben immer wieder. Rund 350.000 Menschen leiden hierzulande an einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung. Bisher ist keine Heilung möglich, herkömmliche Therapien bekämpfen nur die Symptome. Nun gibt es aber Hoffnung: In Kürze soll ein neues Medikament auf den Markt kommen, das gezielt dem Entzündungsprozess vorbeugt.

 

Die Diagnose wird oft spät gestellt

Zwei der häufigsten chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) sind Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Beide treten häufig schon im Jugendalter auf. Manchmal haben die Betroffenen aber einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, bis die Krankheit diagnostiziert wird.

 

Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa? Die richtige Diagnose

Besteht ein Verdacht auf Morbus Crohn oder Colitis Ulcerosa, überweist der Hausarzt zu einem sogenannten Gastroenterologen. Dieser untersucht zunächst eine Stuhlprobe. Ein Ultraschallbild des Unterbauchs und ein Bluttest geben weitere Hinweise. Um letzte Sicherheit zu gewinnen, wird dann eine Darmspiegelung – schmerzfrei unter leichter Betäubung – durchgeführt. Der Arzt entnimmt zudem eine Gewebeprobe, damit eine Krebserkrankung als Ursache für die Beschwerden ausgeschlossen werden kann.

 

CED: Angegriffene Darmschleimhaut

Eine Darmspiegelung gibt meist schnell Aufschluss, ob eine CED besteht. Bei gesunden Menschen ist die Darmschleimhaut intakt. Sie produziert ständig eine Art körpereigene Antibiotika. Diese halten Bakterien im Darm davon ab, in die Schleimhaut einzudringen. Bei CED-Patienten hingegen wird die natürliche Schutzbarriere vom eigenen Immunsystem angegriffen und zerstört. So gelangen Bakterien in die Darmwand und lösen dort Entzündungen aus. Akute Entzündungszeichen und vernarbte Stellen sind für den Arzt gut sichtbar. Colitis Ulcerosa beschränkt sich auf den Dickdarm, während Morbus Crohn im gesamten Magen-Darm-Trakt auftreten kann.

 

Morbus Crohn: Risiko für die Organe

Die Erkrankungen sind sowohl körperlich als auch seelisch eine große Belastung. Betroffene müssen bis zu 30 Mal pro Tag auf die Toilette. Das kann gefährlich werden, da es andere Organschäden und eine Mangelversorgung mit Vitaminen sowie Mineralstoffen nach sich ziehen kann. Im schlimmsten Fall muss Gewebe operativ entfernt werden, damit sich die Entzündung nicht weiter im Darm ausbreitet.

 

Kortison kann Nebenwirkungen haben

Zur langfristigen Bekämpfung der Symptome werden Immunsuppressiva verschrieben – Präparate, die die körpereigene Abwehr außer Kraft setzen. Damit stoppen sie die Zerstörung der Darmschleimhaut, machen den Körper jedoch anfällig für andere Erkrankungen. In akuten Phasen kommen Kortikosteroide, kortisonhaltige Mittel, hinzu. Diese können starke Nebenwirkungen wie Diabetes auslösen.

 

Neues Medikament gegen CED

Ziel der Forscher ist es deshalb, an der Ursache anzusetzen: Sogenannte Biologika greifen direkt ins Immunsystem ein. Die bislang erhältlichen Medikamente zeigten aber nur bei 15 Prozent der Betroffenen Erfolg. Vielversprechender sind die Forschungsergebnisse zu einem neuen Wirkstoff, dessen Zulassung für den deutschen Markt beantragt wurde – „Vedolizumab", ein Antikörper. Sollte er hier zugelassen werden – was sehr wahrscheinlich ist – wäre er das erste biologische Mittel, das ausschließlich im Darmtrakt wirkt.

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