Cannabis in der Medizin – was wirkt da eigentlich?

Dr. Justus Meyer Redaktionsleiter PraxisVITA


THC, CBN, CBD – so werden die medizinisch wirksamen Inhaltsstoffe der Cannabis-Pflanze üblicherweise bezeichnet. Aber wo kommen sie eigentlich her? Und wie entsteht daraus ein Medikament?

Herstellung cannabinoide Arzneimittel
Cannabinoide Arzneimittel kommen insbesondere in der Schmerz- und Palliativmedizin zum Einsatz. Doch wie wird aus der Pflanze ein Medikament? Foto:  iStock/OlegMalyshev
Inhalt
  1. Knollenförmige Trichome
  2. Kopfförmige (sessile) Trichome
  3. Kopfförmig-bestielte Trichome
  4. Wie wird aus der Pflanze ein Medikament?

Die drei Abkürzungen stehen für Tetrahydrocannabinol (THC, auch Dronabinol genannt), Cannabinol (CBN) und Cannabidiol (CBD). Dabei handelt es sich um Substanzen, die körpereigenen Cannabinoiden ähnlich sind und deren Wirkung in der Medizin mittlerweile gut belegt ist. Sie finden vor allem in der Schmerz- und Palliativmedizin Anwendung, können aber auch in der Krebsbehandlung und bei verschiedenen neurologischen Störungen (zum Beispiel Tourette-Syndrom) helfen.

Die höchsten Konzentrationen von THC, CBN und CBD bildet die Cannabis-Pflanze in der weiblichen Blüte. Auf den Blütenblättern bilden sich sogenannte Trichome, haarähnliche Strukturen, die in drei Formen auftreten. 

 

Knollenförmige Trichome

Sie sind nur zwischen 10 und 15μm groß und können auf der Oberfläche der gesamten Pflanze erscheinen. Mit bloßem Auge kaum zu erkennen.

 

Kopfförmige (sessile) Trichome

Sie sind etwas größer als knollenförmige und haben ein pilzartiges Aussehen. 

 

Kopfförmig-bestielte Trichome

In ihnen stecken die größten Wirkstoffmengen. Die kopfförmigen Trichome mit Stiel sind etwa 50 bis 100μm groß und mit bloßem Auge gut erkennbar. Sie sind in der Regel weißlich klar (Anzeichen eines höheren THC-Gehalts) bis bräunlich trüb (mehr CBD).

Trichom
Aus den winzingen Trichomen der Hanfpflanze werden Arzneimittel hergestellt  Foto: iStock/Gleti

Wenn Pflanzen reifen und beginnen, Blüten zu entwickeln, starten auch Trichome ihre Aktivität. Sogenannte Vakuolen und Plastiden werden von den Stielen der Trichome in die Köpfe transportiert, wo sie in den Stoffwechsel integriert werden. So formen sie Moleküle, die als die Vorläufer von Cannabinoiden dienen. Forscher spekulieren, dass Cannabinoide in den Trichomen der Pflanze helfen, sich vor Räubern zu schützen, indem sie sowohl ein starkes Aroma erzeugen als auch durch die berauschenden Effekte, die Räuber möglicherweise davon abhalten, die Pflanze zu essen.

Trichome sind extrem flüchtig und können leicht durch Licht, Hitze, physischen Kontakt oder Bewegung und Sauerstoff geschädigt werden. Sie können nach einer gewissen Zeit auch absterben.
Darum ist es für die medizinische Nutzung von Cannabis so wichtig, die Trichome zum richtigen Zeitpunkt von den Blüten zu lösen und weiterzuverarbeiten – idealerweise zu Tropfen, die eine optimale Darreichungsform sind. 
Nur so kann die Wirkstoffkonzentration überhaupt geprüft werden. Und: Nur so kann eine immer gleiche Wirkstoffmenge in einer Cannabis-Arznei garantiert werden. 

 

Wie wird aus der Pflanze ein Medikament?

Hersteller von Arzneien wenden in der Regel eine sogenannte lösungsmittelbasierte Extraktion an. Hierbei wird ein Lösungsmittel verwendet, um die Trichome von der Cannabispflanze zu trennen. Übliche lösungsmittelbasierte Extraktionsmethoden sind: Alkoholextraktion, Gasextraktion (mit Butangas) und die CO₂-Extraktion. Letzere ist die fortschrittlichste Methode. Dabei wird Kohlenstoffdioxid (CO₂) in eine sogenannte superkritische Flüssigkeit (superkritisch = zeigt auch Eigenschaften eines Gases) umgewandelt. Diese Flüssigkeit wird dann dazu benutzt, die arzneistoffe von den Pflanzenteilen zu trennen. 
Das gewonnene Rohmaterial kann anschließend optimal zu Tropfen weiterverarbeitet werden.  
 

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