Cannabis: Auch der gelegentliche Joint schadet dem Gehirn

Kiffen kann zu neurolgischen Schäden führen
Millionen Kiffer in Deutschland sollten ihren Cannabis-Konsum nochmal überdenken. Eine aktuelle Studie zeigt, dass selbst gelegentliches Kiffen zu neurologischen Schäden führt © Fotolia

Eine aktuelle Studie zeigt, dass bereits der gelegentliche Konsum von Marihuana zu bleibenden Schäden im Gehirn führt. Die gewonnen Erkenntnisse machen deutlich, wie sehr bereits das Rauchen weniger Joints das zentrale Nervensystem umstrukturieren und zu starken psychischen Abhängigkeiten führen kann, warnen Forscher. Praxisvita.de hat für Sie die Ergebnisse der Studie zusammengefasst und sprach mit Sucht-Experten über die unterschätzen Cannabis-Gefahren.

Auch wer nur manchmal kifft, riskiert bleibende, neurologische Schäden. Zu dieser Erkenntnis kam eine Studie der Northwestern University und dem Massachusetts General Hospital/ der Harvard Medical School, die gestern im Journal of Neuroscience veröffentlicht worden war. Anhand medizinischer Beobachtungen freiwilliger Probanden mit regelmäßigen und gelegentlichen Konsumverhalten wurde nach neurologischen Veränderungen gesucht. Die Untersuchungen zeigten, dass bei allen Teilnehmern Veränderungen in den beobachteten Gehirnregionen, die unter anderem für Emotionen und Motivation von Menschen verantwortlich sind, nachweisbar waren – und das unabhängig von den jeweiligen Konsummengen der Probanden. „Die Vorstellung, dass gelegentlicher Marihuana-Konsum ungefährlich ist, scheint aufgrund unserer Ergebnisse fraglich“, stellte der Studienleiter fest.

 

Seelische Schäden

Cannabis-Konsum führt nicht nur zu handfesten Veränderungen in der neurologischen Struktur des menschlichen Gehirns. Ein weiteres Ergebnis unterstreicht noch einmal, was zumindest in Mediziner-Kreisen seit Langem als sicher gilt: Marihuana-Konsum führt in vielen Fällen zu einer seelischen Abhängigkeit. Ebenso gilt der kausale Zusammenhang zwischen Kiffen und dem Auftreten von teils schweren Psychosen als bewiesen.

 

Das Gehirn wird angepasst

Die aktuelle Studie bestätigt damit Erkenntnisse, die bereits in früheren Tests im Versuch mit Ratten gewonnen worden waren. THC (Tetrahydrocannabinol) ist demnach dafür verantwortlich, dass im Gehirn neue, suchtfördernde Nervenverbindungen ausgebildet werden. Das Gehirn wird über die Ausschüttung von Dopamin und der damit verbundenen positiven Empfindung in seiner neurologischen Struktur „angepasst“ und auf den Drogenkonsum konditioniert.

 

Das sagt der Experte

Viele Kiffer sehen sich – im Vergleich zu Alkohol – eine sanfte Droge konsumieren. Rainer Thomasius – Psychiater und Suchtforscher am Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf – ­ warnt davor, dass die Gefahr von Cannabis-Konsum „auf keinen Fall“ unterschätzt werden dürfe. "Aus neurobiologischer Sicht sind Cannabinoide sogar gefährlicher als Alkohol. Beim Koma-Trinken etwa können Vergiftungen auftreten. Früher Cannabis-Konsum kann dagegen das gesamte zentrale Nervensystem umstrukturieren“, bestätigt er die Ergebnisse der US-amerikanischen Studie. Erst Ende Februar berichtete die Fachzeitung Forensic Science International davon, dass erstmals übermäßiger Marihuana-Konsum als Todesursache eines jungen Mannes aus Deutschland festgestellt worden war.

 

Volksdroge Marihunana

In Deutschland konsumieren schätzungsweise vier Millionen Menschen regelmäßig Marihuana. Die Droge ist illegal. Allerdings wird bei beschlagnahmten Mengen unter sieben Gramm das Verfahren meist eingestellt. Dass inzwischen einige Länder die Droge legalisiert haben, hat auch finanzielle Gründe. So schätzen Experten, dass der Marihuanamarkt allein in den USA 50 Milliarden Dollar an Steuern einbringen könnte.

Marihuana wird aber auch zunehmend in der modernen Medizin eingesetzt. Vor allem zur Linderung von Symptomen bei multipler Sklerose, spastischen Lähmungen, Übelkeit oder bei Beschwerden von Krebskranken werden auf Cannabis basierende Produkte therapeutisch eingesetzt.

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