Cannabinoide gegen Schmerzen – Echtfall Gürtelrose

Redaktion PraxisVITA
Cannabinoide gegen Schmerzen bei Gürtelrose
Viele Patienten leiden seit Jahren unter chronischen Schmerzen und sind verzweifelt, bevor sie eine Cannabinoid-Therapie beginnen Foto:  iStock/ TommL

Für zwei Indikationen gibt es in Deutschland eine Zulassung für Fertig-Arzneimittel auf Cannabinoid-Basis. Ein Spray mit dem Arzneistoff Nabiximols (Mischung aus THC und CBD) für MS-bedingte Spastiken und das vollsynthetische THC-Derivat Nabilon bei chemotherapeutisch bedingter Übelkeit und Erbrechen. Bei allen anderen Erkrankungen und Symptomen können Rezeptur- und Fertig-Arzneimittel Off-Label verschrieben werden. Hier zeigen erste Studien neben der guten Langzeitverträglichkeit von Cannabinoiden etwa einen schmerzlindernden Effekt von THC. 

Experten sind sich einig, dass noch weitere klinische Studien folgen müssen. Fakt ist, dass Ärzte in der täglichen Praxis Cannabinoide vielfältig sehr erfolgreich einsetzen. 
Dr. Marc Seibolt berichtet von einem Echtfall: 

„In meiner Praxis stellte sich im März 2017 eine damals 94-jährige Patientin vor. Sie litt unter einer sogenannten Post-Zoster-Neuralgie. Dabei handelt es sich um heftige Schmerzen, die durch geschädigte Nerven nach einer Gürtelrose auftreten können. Die Patientin hatte diese Schmerzen bereits zwei Jahren lang. Dagegen nahm sie mehrere Opioide. Das Problem: Diese riefen verschiedene, teils schwere Nebenwirkungen hervor. Dadurch nahm sie auch einiges an Gewicht ab, denn ihr Appetit blieb aus. Bevor sie in meine Praxis kam, hatte sie bereits – illegal – Hasch geraucht, erzählte sie mir. Das brachte zwar gute Linderung, doch sie wollte nicht auf illegale Ware angewiesen sein und sie wollte auch nicht rauchen. Sie fragte mich, ob es andere Möglichkeiten gebe.

 

Cannabinoid-Therapie als Ausweg aus dem Schmerz

Gürtelrose
Typisches Symptom einer Gürtelrose ist Hautausschlag mit Bläschenbildung. In einigen Fällen kann nach der Erkrankung eine schmerzhafte Post-Zoster-Neuralgie auftreten Foto: iStock/clsgraphics

Da zu diesem Zeitpunkt bereits das neue Gesetz in Kraft war, konnte ich bei der Krankenkasse einen Antrag auf Kostenübernahme einer Cannabinoid-Therapie stellen. Dieser wurde sofort genehmigt. Seither nimmt die 95-Jährige täglich 6 – 7 mg Dronabinol als ölhaltige Lösung ein. Sie konnte innerhalb kurzer Zeit die anderen Medikamente absetzen. Sie hat keine Schmerzen mehr und genießt das Leben – im Sommer arbeitet sie sogar wieder in ihrem eigenen Garten. Zusätzlich hat sie massiv an Gewicht zugenommen, von 43 kg auf 51 kg. Jetzt hat sie wieder mehr Kraft, von der sie zehren kann.“

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