Burnout-Phasen: Die 12 Stufen des Erschöpfungszustands

Gaby Scheib

Ein Burnout entwickelt sich langsam – Betroffene durchlaufen dabei verschiedene Burnout-Phasen. Eines der bekanntesten und anschaulichsten Modelle ist der 12-Phasen-Burnout-Zyklus des amerikanischen Psychoanalytikers Herbert Freudenberger und seiner Kollegin Gail North.

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Burnout: Das Gefühl des Ausgebranntseins

Ein Burnout kommt nicht von heute auf morgen: Wer über Wochen, Monate oder Jahre hinweg unter Dauerstress steht und sich überlastet fühlt, dem drohen Ausgebranntsein und emotionale Erschöpfung. In verschiedenen Burnout-Phasen kann sich eine Vielzahl von seelischen und körperlichen Symptomen entwickeln, die sich zu einem Syndrom – einem Krankheitsbild – verbinden. 

In der Forschung gibt es verschiedene Burnout-Phasen-Modelle. Ein Konsens besteht über einzelne Kernsymptome, insbesondere emotionale Erschöpfung, abnehmende Zufriedenheit mit der eigenen Leistung und ein gestörtes Verhältnis zum beruflichen und sozialen Umfeld.

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Die Burnout-Phasen nach Freudenberger und North – ein Prozess in 12 Stufen

Der Psychoanalytiker Herbert Freudenberger gilt als Begründer des Begriffs Burnout, dessen Symptome er schon 1974 in einer Publikation beschrieben hat. Zusammen mit seiner Kollegin Gail North hat er 1992 ein anschauliches 12-Phasen-Burnout-Modell entwickelt. 

Demnach durchlaufen Betroffene beim Burnout typischerweise einen Zyklus aus 12 Stufen. Die einzelnen Phasen des Burnouts müssen nicht immer exakt in der beschriebenen Reihenfolge auftreten. Sie treten jedoch häufig auf und sind typische Anzeichen für einen Burnout.

 

1. Burnout-Phase: Innerer Zwang, sich zu beweisen

Ziele, insbesondere berufliche, sollen unbedingt erreicht werden, dazu wird alle Energie aufgewandt. Der Druck, den sich Betroffene selbst machen, ist hoch, Grenzen werden überschritten und die eigenen Bedürfnisse nicht beachtet.

 

2. Burnout-Phase: Hohe Leistungsbereitschaft

Perfektionismus und ein übertrieben hoher Selbstanspruch spornen zu noch besserer Leistung an. Die Betroffenen möchten alles alleine machen, nach Hilfe fragen sie nicht. Alle Energie wird in die Erfüllung der selbst gesteckten Ziele gesetzt.

 

3. Burnout-Phase: Vernachlässigung eigener Bedürfnisse 

Der Körper verlangt nach Ruhe oder Schlaf, jedoch werden die eigenen Bedürfnisse ausgeblendet. Kaffee, Alkohol und Nikotin werden vermehrt konsumiert.

 

4. Burnout-Phase: Verdrängung erster Warnsignale 

Es unterlaufen zunehmend Fehler: Aufgaben werden nicht erledigt oder Termine vergessen. Parallel werden alle Warnsignale des Körpers ignoriert.

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5. Burnout-Phase: Spürbare Belastung 

Kontakte zu Kollegen oder Freunden sind zunehmend eine Belastung. Wichtiges kann von Unwichtigem nicht mehr getrennt werden.

 

6. Burnout-Phase: Verleugnung von Problemen 

Zeit mit Freunden oder für Freizeitaktivitäten gibt es kaum noch. Überlastung und Überarbeitung werden ignoriert und verleugnet.

 

7. Burnout-Phase: Beginn der Rückzugsphase

Positive Gefühle sind in dieser Phase nicht mehr möglich, Betroffene fühlen sich hoffnungslos. Der Konsum von Alkohol und Medikamenten nimmt zu, soziale Kontakte werden vermieden, da sie bedrohlich wirken.

 

8. Burnout-Phase: Deutliche Verhaltensveränderungen

Das Denken wird immer unflexibler und das Verhalten eingeschränkter. Kritik ist nicht erlaubt, Betroffene fühlen sich schnell angegriffen und reagieren ungewöhnlich gereizt. Sie ziehen sich zudem immer weiter zurück.

 

9. Burnout-Phase: Selbstentfremdung und innere Leere

Das Gefühl für die eigene Persönlichkeit geht immer mehr verloren. Der Betroffene fühlt eine innere Leere und wirkt wie ferngesteuert.

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10. Burnout-Phase: Emotionale Probleme

Der Betroffene fühlt sich abwechselnd innerlich abgestorben und schmerzhaft emotional. Erschöpfung und Mutlosigkeit prägen immer mehr den Alltag. In dieser Phase treten häufig Angst- und Panikattacken auf. 

 

11. Burnout-Phase: Depression

Niedergeschlagenheit und Verzweiflung werden zum Dauerzustand, Betroffene werden vor seelischer und körperlicher Erschöpfung krank. Die Sehnsucht nach dauerndem Schlaf ist groß, Selbstmordgedanken häufen sich.

 

12. Burnout-Phase: Burnout: Totaler Erschöpfungszustand 

Der Erschöpfungszustand kann nun lebensbedrohlich werden. Magen-Darm-Leiden sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen nehmen zu, ebenso die Suizidgefahr. Die Betroffenen können ihren Alltag nicht mehr bewältigen, an Arbeit ist nicht zu denken. 

Um den Verlauf der Burnout-Phasen zu stoppen und das völlige Ausgebranntsein zu vermeiden, ist es wichtig, die Gefahr rechtzeitig zu erkennen und sich im Ernstfall professionelle Hilfe zu holen.

 

Quellen:

Was ist Burnout? in: Deutsche Gesellschaft für Prävention & Gesundheitsförderung 
Burnout rechtzeitig erkennen – auf diese Warnsignale sollte man achten in: Deutscher Bundesverband für Burnout-Prophylaxe und Prävention e.V.
Das Burn-out-Syndrom in: rki.de

 

 

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