Burnout oder Depression? Das sind die Unterschiede!

Zwischen Burnout und Depression gibt es viele Ähnlichkeiten, dennoch unterscheiden sich beide Krankheitsbilder voneinander: Nicht nur in den Symptomen, auch in den Ursachen gibt es Unterschiede. An diesen Merkmalen können Sie Burnout und Depression erkennen.

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Habe ich Burnout oder Depression? Das mögen sich viele fragen, wenn sie sich erschöpft und ausgelaugt fühlen, morgens nur schwer aus dem Bett kommen und Niedergeschlagenheit zum Dauergefühl wird. Die Symptome von Burnout und Depression ähneln sich zwar, doch für die Behandlung ist es wichtig zu wissen, welche Krankheit genau vorliegt, um die Ursache an der Wurzel zu packen – und zurück zu einem ausgeglichenen Leben zu finden.

Burnout und Depression: Nur Depression ist „eigenständige“ Krankheit

Der wohl größte Unterschied zwischen einem Burnout und einer Depression war bisher immer, dass eine Depression klare Kriterien hat, anhand derer Ärzt:innen die entsprechende Diagnose stellen können. Burnout dagegen war nicht in der sogenannten „Internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten“ (ICD) als eigenständiger Punkt aufgeführt, sondern nur unter dem Diagnoseschlüssel Z73 (Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung) zu finden – bis Januar 2022.

Anfang Januar 2022 trat der neue ICD-11-Katalog der Weltgesundheitsorganisation (WHO) in Kraft, in dem Burnout erstmals als Syndrom definiert und unter dem Diagnoseschlüssel QD85 gelistet ist. Dennoch ist Burnout damit immer noch nicht als eigenständige Krankheit anerkannt, wie die WHO mitteilt, sondern wird vielmehr als „berufsbedingtes Phänomen“ gesehen.

Burnout oder Depression? Ursache ist für Diagnose ausschlaggebend

Die WHO benennt als Ursache für Burnout chronischen Stress, der durch die Arbeit entstanden ist. Demnach ist Burnout ein Syndrom, welches sich vornehmlich auf die Arbeitswelt bezieht. Betroffen sind vor allem Menschen, die mehrere Jobs gleichzeitig haben und der Familie gerecht werden wollen – eine Situation, die zu chronischem Stress, Überforderung und Erschöpfung führen kann. Dabei durchlaufen Betroffene mehrere Burnout-Phasen – die Krankheit entwickelt sich nur langsam.

Hält dieser Zustand länger an, kann sich aus einem Burnout eine Depression entwickeln. Deshalb wird das Syndrom häufig auch als Vorstufe oder Sonderform einer Depression angesehen. Die Übergänge sind allerdings fließend.

Die Ursachen einer Depression liegen nicht allein in der Arbeitssituation, sondern können auf mehrere Faktoren zurückgeführt werden wie genetische Veranlagung, Ungleichgewicht bestimmter Botenstoffe im Gehirn oder auch auf einschneidende Ereignisse. Dazu zählen zum Beispiel der Tod eines nahen Angehörigen, Arbeitslosigkeit und finanzielle Not. Die Depressionsauslöser sind jedoch sehr individuell und sollten in einer Psychotherapie erörtert werden.

Vulnerabilität spielt bei Burnout und Depression eine Rolle

Doch nicht jeder Mensch, der permanenten Arbeitsstress hat oder etwas Negatives erlebt, entwickelt ein Burnout oder eine Depression. Wie anfällig Menschen für psychische Erkrankungen sind, zeigt das Vulnerabilitäts-Stress-Modell (auch Diathese-Stress-Modell genannt) aus der klinischen Psychologie. Bildlich können Sie sich ein Glas mit Wasser vorstellen: Bei dem einen läuft es schneller über, bei dem anderen braucht es lange, bis das Wasser überschwappt – und es dann zu einer psychischen Erkrankung kommt.

Wer eine hohe Vulnerabilität (lat. für „Verletzlichkeit“) hat, kommt bei dauerhaftem Stress eher an sein Limit und wird krank. Bei einer niedrigen Verletzlichkeit braucht es demzufolge länger, bis Betroffene nicht mehr können, weil sie zum Beispiel mehr Bewältigungsstrategien (Ressourcen) in sich tragen, sich selbst im Gleichgewicht halten zu können. Doch: „treffen“ kann es jede:n, wenn Stress zum Dauerzustand wird.

Depression oder Burnout? Die Krankheiten werden unterschiedlich wahrgenommen

„Ich habe ein Burnout“ – wenn Arbeitnehmer:innen diesen Satz gegenüber ihren Kolleg:innen oder Freund:innen sagen, ist das Verständnis meist groß. Schließlich assoziieren viele mit Burnout, dass der Betroffene sich zuvor sehr angestrengt und viel geleistet hat. Eine Arbeitsmoral, die in einer leistungsorientierten Gesellschaft immer noch in vielen Köpfen verankert ist. „Ich habe eine Depression“ klingt dagegen in vielen Ohren wie Schwäche, dabei können Betroffene nichts für ihre psychische Erkrankung – und leiden oftmals im Stillen. Doch die Heilungschancen sind groß, wenn sich Menschen mit Depression oder Burnout professionelle Hilfe suchen.

Burn-out oder Depression: So unterscheiden sich die Symptome

Die WHO nennt drei Dimensionen, anhand derer ein Burnout gekennzeichnet ist:

  • Energiemangel und Gefühl von Erschöpfung

  • allmähliche mentale Distanz zur Arbeit, einhergehend mit Zynismus und Negativismus

  • Gefühl von mangelnder Leistung auf der Arbeit

Die Stimmung bei Menschen mit Burnout kann niedergeschlagen, aber auch gereizt sein. Sie verspüren den Wunsch, etwas anders zu machen, die (Arbeits-)Situation zu verbessern – doch scheitern bisweilen daran und sind dann frustriert, was die Burnout-Symptome verstärken kann. Anders ist es bei einer Depression: Betroffene sind antriebslos und sehen oftmals keine Möglichkeit, ihre Situation aktiv zu verändern. Bei ihnen dominieren ein vermindertes Selbstwertgefühl und ein geringes Selbstvertrauen. Diese Gefühlslage kann in Suizidgedanken münden.

Die Hauptsymptome einer Depression sind laut WHO:

  • gedrückte, depressive Stimmung

  • Interessenverlust und Freudlosigkeit

  • Antriebsminderung, schnelle Ermüdbarkeit

  • Einschränkung der Aktivitäten, sozialer Rückzug

Bei Burnout können Panikattacken auftreten – genauso wie bei einer Depression

Viele Burnout- und Depressionserkrankte leiden unter Panikattacken. Das Herz schlägt plötzlich schneller, man fängt an zu schwitzen, Schwindel und Atemnot gesellen sich dazu – bis plötzlich nur noch ein Gefühl im Vordergrund steht: die Todesangst. Diese Symptome einer Panikattacke sind in der Regel die Folge von erhöhtem (innerem oder äußerem) Stress, der sowohl bei Burnout als auch bei einer Depression vorhanden ist.

Wer bereits an Burnout leidet und Panikattacken hat, hat vermutlich bereits eine Angststörung entwickelt. Gleiches gilt für eine Depression, die ebenfalls von einer Angststörung begleitet werden kann – oder der Auslöser dafür ist.

Depression und Burnout loswerden: So unterscheidet sich die Behandlung

Einfach mal ein Wochenende durchschlafen und schon ist man gesund – wer diesen Rat Burnout- oder Depressionserkrankten erteilt, hat diese Erkrankungen vermutlich noch nie selbst durchgemacht. Für Menschen, die bereits erste Burnout-Symptome zeigen, kann ein Urlaub in der Tat die nötige Energie zurückbringen. Bei depressiv Erkrankten kann eine Auszeit die Symptome jedoch verschlimmern.

Dennoch ist Burnout in der Regel behandlungsbedürftig, da sich durch einen Urlaub die Ursache für die Erschöpfung nicht aus dem Weg räumen lässt: die Arbeit. Befindet sich die Erkrankung noch am Anfang, kann bereits eine Kurzzeittherapie helfen. Sollten die Beschwerden schon länger andauern, kann eine längerfristige Psychotherapie dabei helfen, wieder eine gesunde Work-Life-Balance zu finden. Dabei wird individuell geschaut, welche Stressoren am Arbeitsplatz vorhanden sind und wie der Betroffene damit besser umgehen kann – bzw. sein Leben so gestaltet, dass der Dauerstress abnimmt und die Grenzen der Belastbarkeit schneller erkannt werden. Auch die eigenen Erwartungen und Ansprüche an sich selbst können hinterfragt werden. Zudem lernen Betroffene, wie sie einen gesunden Lebensstil etablieren und durch Entspannungstechniken zur Ruhe kommen können. Sollte sich eine depressive Symptomatik zeigen, kann eine medikamentöse Therapie unterstützend helfen.

Ebenso wie beim Burnout steht auch bei einer Depression die Behandlung mit Psychotherapie und Medikamenten im Vordergrund. Auch diese Therapie ist individuell auf die Patient:innen zugeschnitten und fällt daher von Mensch zu Mensch unterschiedlich aus. Im Fokus steht oftmals, einen besseren Umgang mit negativen Gedanken zu finden oder negativ prägende Erfahrungen besser verarbeiten zu können.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob Ihre Beschwerden auf Burnout oder Depression hindeuten, sollten Sie sich keine Selbstdiagnose stellen, sondern unverzüglich einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen – denn nur diese:r kann feststellen, worauf Ihr Leiden zurückzuführen ist und die nötige Behandlung einleiten.

Burnout und Depression: Wo finde ich Hilfe?

Wenn Sie sich ständig erschöpft und ausgebrannt fühlen, sollten Sie einen Termin bei Ihrem Hausarzt bzw. Ihrer Hausärztin vereinbaren und darüber sprechen. Ein unbehandeltes Burnout-Syndrom birgt die Gefahr für psychische Folgeerkrankungen, wie zum Beispiel Angsterkrankungen, Depression oder auch Drogensucht. Deuten die Beschwerden auf eine Depression hin, sollte eine entsprechende Behandlung frühstmöglich in die Wege geleitet werden.

Bei akuten Sorgen oder Ängsten können Sie sich jederzeit anonym an die Telefonseelsorge unter den Telefonnummern 0800/111 0 111 oder 116 123 wenden. Über Behandlungsmöglichkeiten informiert zum Beispiel die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) unter der Telefonnummer 0800 0 11 77 22. Auch Psychologische Beratungsstellen stehen Betroffenen zur Seite.

Wenn Sie nicht selbst betroffen sind, aber Burnout- oder Depressions-Symptome bei anderen bemerken, nehmen Sie diese Symptome ernst und helfen ihm/ihr ggf. dabei, professionelle Hilfe zu suchen. Besteht akute Krisensituation, verständigen Sie sofort den Rettungsdienst unter 112 oder fahren Sie in eine psychiatrische Notaufnahme.

Quellen:

QD85 Burnout, in: icd.who.int

Depression, in: neurologen-und-psychiater-im-netz.org

Burnout-Syndrom, in: neurologen-und-psychiater-im-netz.org

Nur erschöpft oder wirklich krank? Zur Begriffsverwirrung von Depression und Burnout, in: deutsche-depressionshilfe.de

Burnout oder Depression? Experte erklärt Unterschied, in: gesundheitsstadt-berlin.de