Brustkrebs: Wann wird's für mich wirklich gefährlich?

Brustkrebs rechtzeitig erkennen und behandeln
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Rechtzeitig erkannt und angemessen behandelt, sind die Heilungschancen gut © shutterstock

Moderne Therapien, neue Hoffnung - was Ärzte ihren Patientinnen bei Brustkrebs raten.

Sie begleitet uns zu jeder Untersuchung beim Frauenarzt: Die Angst vor der Diagnose Brustkrebs. Leider ist sie nicht unbegründet. Denn jährlich erkranken in Deutschland über 70 000 Frauen daran. Besonders gefährdet sind über 50-Jährige. Doch auch wenn eine Frau die Hiobsbotschaft erhält, ist nach dem ersten Schockmoment in den meisten Fällen Optimismus angebracht. Denn mit der modernen Medizin und neuen Therapien ist die Chance, wieder geheilt zu werden, größer denn je!

 

Ein Knoten in der Brust bedeutet nicht immer Brustkrebs

Niemand kennt seinen Körper so gut wie die Frau selbst. Wer eine Verhärtung in der Brust ertastet, sollte umgehend einen Termin beim Gynäkologen vereinbaren. Doch keine Panik: Häufig handelt es sich zum Glück um gutartige Lipome, die nicht gefährlich sind.

Damit Veränderungen bereits in einem sehr frühen Stadium erkannt werden, sollte jede Frau einmal jährlich zur Tastuntersuchung. Da nach den Wechseljahren die Brustkrebsgefahr drastisch steigt, wird ab 50 alle zwei Jahre zusätzlich eine kostenlose Mammografie-Untersuchung angeraten. Das Ziel: so früh wie möglich mit der Therapie zu beginnen. Dann kann häufig eine Behandlungsmethode mit möglichst geringen Nebenwirkungen gewählt werden.

Früher galt nach der Diagnose für Patientinnen noch: Operation, Bestrahlung, Chemotherapie. Bei letzterer werden sogenannte Zytostatika verabreicht. Jedoch wird hier neben Krebszellen auch gesundes Gewebe zerstört.

 

Brustkrebs: Alternativen zur Chemotherapie

Deshalb wird die Chemotherapie heute längst nicht mehr bei jeder Patientin empfohlen. Nur wenn die Tumorzellen viele sogenannte Her2-Rezeptoren aufweisen, die zu einem schnellen Tumorwachstum führen, verabreicht der Onkologe die starken Präparate.

Doch bedeutend häufiger erkranken Frauen am sogenannten hormonsensitiven Krebs. Das Wachstum dieser Tumorzellen ist stark vom weiblichen Geschlechtshormon Östrogen abhängig. Deshalb ist hier eine antihormonelle Therapie in den meisten Fällen erfolgreich. Früh entdeckt können 70 Prozent der von dieser Tumorart Betroffenen auf eine Chemotherapie verzichten.

Bis die Akut-Phase überstanden ist, braucht die Patientin viel Unterstützung von Familie und Freunden. Es gibt eine 90-prozentige Chance, den Tumor loszuwerden. Kehrt er innerhalb von fünf Jahren nicht zurück, gilt man meist als geheilt. Spezielle Tests können Klarheit darüber verschaffen, wie groß das Rückfallrisiko ist. Außerdem ist es wichtig, dass nach der erfolgreichen Behandlung die regelmäßigen Nachuntersuchungen wahrgenommen werden.

Frauenärztin und Patientin
Frauen mit der Diagnose Brustkrebs sollten sich in Ruhe beraten lassen. Brustkrebs ist keine Notfall-Diagnose. Es muss nicht sofort operiert werden© alamy
 

Interview mit Frau Dr. Rhiem vom Brustkrebszentrum der Uniklinik Köln

Was raten Sie Frauen mit der Diagnose „Brustkrebs“ zuerst?

Sich in Ruhe beraten zu lassen. Brustkrebs ist keine Notfall-Diagnose. Es muss nicht sofort operiert werden. Wichtiger ist zuvor die genaue Untersuchung des Tumorgewebes, um die richtige Therapieform festzulegen. Das ist gerade bei Frauen über 50 entscheidend. Wir können ihnen sogar die Chemotherapie ersparen, wenn wir den Tumor genau kennen. Die Heilungschancen sind heute viel besser, das Rückfallrisiko geringer.

Woran liegt das?

Wir haben heute eine viel bessere Früherkennungssituation und wissen mehr über den Krebs. Jetzt können schon gegen bestimmte Aspekte der Tumorzelle Medikamente eingesetzt werden. Bestes Beispiel ist die antihormonelle Therapie. Braucht der Tumor zum Wachsen Geschlechtshormone, können wir sie ihm entziehen. Durch diese Methode konnte die Rückfallquote deutlich gesenkt werden.

Sind die Nebenwirkungen genauso schlimm wie früher?

Bei der Verträglichkeit der Chemotherapie hat sich viel getan. Wir haben inzwischen sehr gute Medikamente, die insbesondere Übelkeit verhindern. Auch beim Haarausfall sind wir einen großen Schritt weiter: Die Glatzenbildung kann bei einigen Frauen mittlerweile ganz verhindert werden.

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