Brustkrebs – neue Therapien, neue Hoffnung

Über 75 000 Frauen erhalten jährlich die Diagnose Brustkrebs
Über 75 000 Frauen erhalten jährlich die Diagnose Brustkrebs. Ab dem 50. Lebensjahr sollten Sie alle zwei Jahre zur Mammografie gehen, um eine mögliche Krebserkrankung frühestmöglich feststellen zu können © shutterstock

Effektivere Wirkstoffe, modernste Technik – kann Brustkrebs heute wirklich geheilt werden? Experten klären jetzt über die neuen Heilungs-Chancen auf.

Sie wird den Tag wohl nie vergessen. Es war ihr 50. Geburtstag. Eigentlich hatte Bettina Kämmerer nach dem Arzttermin für die Feier am Abend einkaufen und zum Friseur gehen wollen. Noch auf dem Weg zur Praxis hatte sie hin und her überlegt, ob sie sich mit 50 eine freche Kurzhaarfrisur zulegen könne. Zwei Stunden später kamen ihr diese Gedanken nur noch belanglos vor. Denn mit einem Satz hatte die Ärztin ihr Leben für immer verändert: "Da ist etwas zu ertasten in Ihrer Brust."

Rund 75 000 Frauen sind es, die allein in Deutschland jährlich diese Diagnose hören. Aber: Jeder Knoten ist nicht gleich Brustkrebs. Oftmals kann es sich auch um ein sogenanntes Fibroadenom handeln, eine meist gutartige Geschwulst. Sollte es sich doch um Brustkrebs handeln und wird diese rechtzeitig erkannt und behandelt, liegen die Heilungschancen heute bei bis zu 90 Prozent. Dies ist einer immer besseren Früherkennung zu verdanken und neuen, individuellen Therapie-Verfahren. Denn immer deutlicher wird: Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs – es gibt große Unterschiede, z. B. hinsichtlich dessen, wie schnell ein Tumor wächst oder auf Medikamente reagiert. Aber wie und wo kann man nun die beste Behandlung finden?

 

Therapie im Brustzentrum

Bundesweit gibt es rund 250 geprüfte Brustzentren, die alle Patienten annehmen – egal, ob privat oder gesetzlich versichert. Dort arbeiten Ärzte verschiedener Disziplinen von Gynäkologen über Radiologen bis zu Psychologen zusammen, um einen individuellen Therapieplan für jede Patientin zu entwickeln. Auf der Internetseite der Deutschen Krebshilfe (Adresse: Buschstr. 32, 53113 Bonn, Telefon: 0228 / 72990-0) finden Sie eine Liste aller Zentren. Die meisten davon bieten auch die neuesten Therapien an – und mit diesen kann man "Krebs heute viel zielgerichteter und effektiver behandeln als noch vor zehn Jahren und die Nebenwirkungen verringern", so Privatdozent Dr. Michael Braun, Leiter des Brustzentrums am Rotkreuzklinikum München.

 

Verkürzte Nachbehandlung

Bisher wurden Brustkrebspatienten nämlich nach der Operation in der Regel noch mit einer Strahlentherapie behandelt, um eventuell verbliebene Tumorzellen abzutöten. Die Folge: längerer Krankenhausaufenthalt, starke Nebenwirkungen. Mithilfe der "intraoperativen Radiotherapie" (der Tumor wird schon während der OP bestrahlt) kann die Nachbehandlung um bis zu zwei Wochen verkürzt werden. Geeignet ist die Behandlung für Frauen mit Knoten bis zu 3 cm – und damit für 75 Prozent aller Patientinnen. Erfolgsquote: 98,5 Prozent.

 

Gezielte Medikamente

Relativ neu ist der Einsatz von sogenannten "zielgerichteten" Wirkstoffen. Diese blockieren genau jene Vorgänge in den Krebszellen, die die Entwicklung von Tumor-Gewebe fördern. So wird das Wachstum von Krebszellen gezielt gehemmt. Gesunde Zellen bleiben aber – im Unterschied zur traditionellen Chemo-Therapie – erhalten. Das ist weniger belastend für den Organismus. Allerdings kommt diese Behandlung nur für etwa ein Drittel aller Patientinnen infrage: Das Tumor-Gewebe muss dafür eine bestimmte Beschaffenheit aufweisen. Ist das jedoch der Fall, kann diese sogenannte "Antikörper-Therapie" die Überlebenschancen deutlich erhöhen – selbst bei aggressivem Brustkrebs.

 

Den "Wächter" aufspüren

Auch bei der Entfernung des Tumors gibt es heute schonende Methoden. Zum Glück können rund 70 Prozent aller Patientinnen so operiert werden, dass die Brust erhalten bleibt. Früher wurden aber trotzdem meist auch die Lymphknoten in der Achselhöhle herausgenommen, da diese oft zusätzlich von Krebszellen befallen sind. Die unangenehmen Folgen: Schwellungen, Schmerzen und eingeschränkte Armbeweglichkeit. Inzwischen weiß man: Es reicht aus, den "Wächter"-Lymphknoten aufzuspüren – die erste Station, in der Tumorzellen streuen. Dieser wird entfernt und sofort untersucht. Ist er krebsfrei, werden keine weiteren Lymphknoten entnommen – sodass die Nachwirkungen des Eingriffs deutlich milder ausfallen.

 

Früherkennung

Trotz all der verbesserten Therapie-Methoden gilt aber immer noch: Je früher der Krebs überhaupt erkannt wird, desto besser. "Wer jährlich zur Untersuchung beim Gynäkologen und ab dem 50. Lebensjahr alle zwei Jahre zur Mammografie geht, hat gute Chancen, dass der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt wird. Die Heilungsaussichten sind dann um ein Vielfaches höher", sagt Experte Dr. Braun. Und das zeigt auch die Geschichte von Bettina Kämmerer: Sie entschied sich für eine brusterhaltende OP mit anschließender Bestrahlung. Dabei unterstützte sie ihren Körper durch Mistelpräparate – eine alternative Therapiemethode, die begleitend eingesetzt wird und Nebenwirkungen mildert. So litt sie während der Chemo-Therapie kaum unter Übelkeit. Mittlerweile ist der Schock der Diagnose sechs Jahre her. Heute gilt die 56-Jährige als geheilt.

 

Was ist der beste Weg, um Brustkrebs vorzubeugen?

Es gibt ein sehr einfaches, aber effektives Mittel: Bewegung. Immer mehr Studien belegen: Sport kann Krebs vorbeugen. Mittlerweile gehen einige Experten sogar davon aus, dass er auch die Überlebensrate bei Brustkrebs in noch größerem Maße als bisher angenommen positiv beeinflussen kann. Dabei hat übrigens schon regelmäßige Bewegung im Alltag einen großen Effekt. Die Faustregel: Dreimal pro Woche sollten wir für 30 Minuten leicht schwitzen. Auf welche Weise wir in Schwung kommen, ist nicht so entscheidend. Bügeln, Treppensteigen, Aquagymnastik – alles ist gut, solange es den Körper etwas fordert.

 

Gibt es Faktoren, die Krebs begünstigen können?

Starkes Übergewicht ist grundsätzlich ein Risikofaktor für die Gesundheit. Vor allem bei Frauen nach der Menopause. Die Ernährung spielt eine große Rolle. Zwar gibt es keine speziellen Nahrungsmittel, die uns vor Krebs schützen oder die umgekehrt zwangsläufig zu einer Erkrankung führen. Was wir aber wissen: Wer regelmäßig zu viel Fleisch isst und zu viel Alkohol trinkt, kann eine Krebserkrankung begünstigen. Ab und an ein Glas Wein ist allerdings kein Problem. Bei rotem Fleisch lautet die Empfehlung für Frauen: nicht mehr als 300 Gramm pro Woche.

 

So sorgen Sie vor:

 

Selbstuntersuchung

Experten empfehlen Frauen, ihre Brust monatlich selbst abzutasten, um Veränderungen frühzeitig zu bemerken. Eine genaue Anleitung dazu bekommen Sie bei Ihrer Frauenärztin oder bei Organisationen wie Mamma-Care, die auch Kurse anbieten. Infos unter: www.mammacare.de

 

Brustkrebsfrüherkennung

Ab dem 30. Lebensjahr zahlen die Kassen eine jährliche Untersuchung beim Gynäkologen auf Brustkrebs. Er tastet dabei die Brust und die Lymphknoten der Achselhöhle ab.

 

Mammografie -Screening

Frauen zwischen dem 50. und 69. Lebensjahr sollten alle zwei Jahre zur Mammografie gehen. Mit Hilfe von Röntgenstrahlen werden Aufnahmen der Brust gemacht, auf denen selbst kleinere Tumoren erkennbar sind. Dadurch kann Brustkrebs auch in frühen Stadien entdeckt werden. Krankenkassen zahlen die Untersuchung.

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