Bringen Smartphones Herzschrittmacher aus dem Takt?

Eine ältere Frau telefoniert vor einem Computer
Mediziner raten Patienten mit einem Herzschrittmacher, das Smartphone beim Telefonieren an das Ohr auf der dem Schrittmacher abgewandten Seite zu halten © Fotolia

Wird das Smartphone zu nah am Herzschrittmacher getragen, kann dieser in seiner Funktion beeinträchtigt werden – das zeigt eine aktuelle Studie deutscher Wissenschaftler.

Schon seit Langem wird Trägern von Herzschrittmachern empfohlen, ihr Smartphone 15-20 Zentimeter vom Schrittmacher entfernt zu tragen. Der Grund: Durch die elektromagnetischen Signale des Smartphones kann die Funktion des Herzschrittmachers beeinträchtigt werden. Doch diese Empfehlung beruht auf Datenerhebungen von vor über zehn Jahren. Inzwischen haben sich sowohl Herzschrittmacher als auch Mobilfunknetze und Smartphones weiterentwickelt.

Besteht die Gefahr durch das Smartphone auch mit modernen Modellen und Mobilfunknetzen noch? Dieser Frage gingen Forscher um Dr. Carsten Lennerz am Deutschen Herzzentrum in München (DHM) in ihrer aktuellen Studie nach.

In über 3.400 Tests mit 308 Herzschrittmacher-Trägern überprüften die Wissenschaftler die Interaktion zwischen Smartphone und Herzschrittmacher. Dazu setzten sie drei verschiedene Smartphone-Modelle (Samsung Galaxy 3, Nokia Lumia und HTC One XL) direkt auf die Haut oberhalb des Schrittmachers. Die Smartphones wurden mit einem speziellen Gerät verbunden, das Verbindungsaufbau, Klingeln, Halten und Abbruch der Verbindung simulierte. Die Forscher testeten speziell diese Vorgänge, weil in diesen Momenten die Gefahr am größten ist, dass der Herzschrittmacher „falsche Signale“ des Smartphones empfängt.

 

Zwei verschiedene Geräte im Test

Getestet wurden zwei verschiedene Herzimplantate. Die sogenannten CRT-Geräte (Kardiale Resynchronisationstherapie) werden bei Patienten mit einer starken Herzschwäche eingesetzt, deren Herzkammern nicht mehr gut zusammenarbeiten und deren Herzmuskel nur noch unkoordiniert pumpt. Das CRT-Gerät wird im Bereich des Schlüsselbeins unter der Haut eingesetzt und mit dünnen Drähten mit dem Herzen verbunden. So kann es die Schläge des Herzens messen und Impulse senden, die die Herzkammern wieder besser zusammenarbeiten lassen.

Sogenannte ICD-Geräte (Implantierbarer Kardioverter-Defibrillator) sind kleine Elektroschockgeräte, die ebenfalls unter die Haut implantiert werden. Bei Patienten mit schweren Herzrhythmusstörungen überwachen sie die Herztätigkeit. Kommt es zu lebensbedrohlichem Herzrasen oder Kammerflimmern, gibt das Gerät Impulse oder Elektroschocks ab und der Herzrhythmus normalisiert sich wieder.

 

Geringes Störungsrisiko

Das Ergebnis der Testreihe: Bei einem Patienten (0,3 Prozent) traten Störungen auf. Sein ICD-Gerät interpretierte elektromagnetische Signale des Nokia Lumia und des HTC One XL als irreguläre Herzschläge und sendete als Reaktion kleine, schmerzhafte Impulse aus.

 

So schützen Sie sich

Das Fazit der Wissenschaftler: Auch, wenn die Zahl der aufgetretenen Störungen in der Studie gering war, besteht das Risiko weiterhin. Die Forscher raten darum dazu, den Sicherheitsabstand zwischen Herzschrittmacher zu Smartphone von 10-15 Zentimetern weiter einzuhalten. Außerdem empfehle sich, das Smartphone nicht in der Brusttasche aufzubewahren und beim Telefonieren an das Ohr auf der Seite zu halten, die dem Schrittmacher abgewandt ist – meist ist das die rechte Seite.

Hamburg, 24. Juni 2015

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