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Brauner Urin - was bedeutet die Harnverfärbung?

Michelle Kröger

Wer beim Wasserlassen eine bräunliche Verfärbung des Urins feststellt, macht sich unter Umständen Gedanken um seine Gesundheit. Doch es muss sich bei braunem Urin nicht gleich um ein Symptom einer besorgniserregenden Erkrankung handeln. Wir haben bei Dr. med. Christoph Pies zum Thema nachgefragt.

brauner Urin
Eine veränderte Urin-Farbe kann mehrere Ursachen haben Foto:  praxisvita
Inhalt
  1. Was ist Urin? 
  2. Wie sieht gesunder, normaler Urin aus? 
  3. Brauner Urin – immer ein Grund zur Sorge?
  4. Ursachen für braunen Urin
  5. Brauner Urin – mögliche Erkrankungen
 

Was ist Urin? 

“Urin ist ein Filterprodukt unseres Blutes. Wasser und winzige Partikel werden in den Nieren filtriert. Andere werden aktiv ausgeschieden, wieder andere sogar aus dem Urin zurückresorbiert. Urin besteht bis zu 95 Prozent aus Wasser, der Rest aus Harnsäure, Kreatinin, Salzen, Vitaminen und Harnstoff”, sagt Dr. med. Christoph Pies. Ein grober Richtwert für eine normale Urinproduktion? Etwa 1,5 Liter täglich, das sei jedoch abhängig von unterschiedlichen Einflussfaktoren wie zum Beispiel der Trinkmenge, dem Wetter, der sportlichen Aktivität oder von Begleiterkrankungen.

 

Wie sieht gesunder, normaler Urin aus? 

“Urin kann eine breite Farbpalette annehmen, von farblos bis dunkelbraun oder sogar schwarz”, sagt Pies. Die normale, hellgelbe Urinfarbe stamme vom Urobilinogen, einem Abkömmling des Gallenfarbstoffes Bilirubin, was wiederum ein Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin ist. “Am Morgen ist die Farbe des Urins meist dunkelgelb. Das liegt daran, dass der Harnstoff morgens besonders konzentriert ist. Farblos ist der Urin bei erhöhter Flüssigkeitsaufnahme durch eine starke Verdünnung.”

 

Brauner Urin – immer ein Grund zur Sorge?

Braun verfärbter Urin kann verschiedenen Ursprungs sein. Braun ist jedoch nicht gleich braun: Eine braune Verfärbung des Urins kann sich unterschiedlich äußern, beispielsweise gelb-braun oder rot-braun.

Trüber Urin
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Dabei muss es sich nicht immer gleich um eine ernsthafte Erkrankung handeln. Eine Veränderung der Urinfarbe kann auch mit jüngst verzehrten Lebensmitteln oder mit einem Flüssigkeitsmangel zusammenhängen. “Der wichtigste Einflussfaktor ist die Trinkmenge und damit die Konzentration des Urins”, sagt Dr. med. Christoph Pies. Bei einer sehr geringen Flüssigkeitsaufnahme oder einem hohen Flüssigkeitsverlust nehme die Farbstoffkonzentration zu. “Deshalb ist der Urin morgens auch dunkler als tagsüber, wenn wir regelmäßig trinken”, sagt Pies. Außerdem können besondere Medikamente zu einer Verfärbung des Urins führen (z.B. Antibiotika). 

Harmlose Ursachen für braunen Urin sind: 

  • Verzehr von bestimmten Lebensmittel, die den Urin einfärben können
  • Einnahme bestimmter Medikamente
  • Flüssigkeitsmangel
 

Ursachen für braunen Urin

Laut dem Urologen Dr. Pies kann eine braune Verfärbung des Urins ähnliche Ursachen wie bei einer Rotfärbung haben: “Ist der Urin kräftig rot, kann das ein Hinweis auf Blut im Urin sein. Mögliche Anzeichen für eine Infektion, Nierenerkrankung oder Blasenpolypen. Altes Gerinnungssediment löst sich dann im Urin und macht ihn braun.” Doch auch eine Austrocknung und Fieber könnten hinter der bräunlichen Verfärbung des Urins stecken. 

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“Eine ernste Ursache für eine Braunfärbung des Urins ist ein Leberversagen mit erhöhten Plasmawerten für zirkulierendes Bilirubin”, so der Experte. Im Rahmen verschiedener Funktionsstörungen der Leber können die Abbauprodukte des Bilirubins nicht (wie eigentlich üblich) über den Darm ausgeschieden. Der Urin verfärbt sich, denn es kommt zu einer vermehrten Ausscheidung von Urobilinogen bzw. Sterkobilin. Gleichzeitig bemerken Betroffene meist eine Entfärbung des Stuhlgangs, denn die Stoffwechselprodukte umgehen die Leber und werden über die Nieren durch den Urin hinausgeschleust.  

 

Brauner Urin – mögliche Erkrankungen

Doch nicht nur eventuelle Infekte oder Leberfunktionsstörungen sind beim Auftreten von braunem Urin denkbar. Diese Erkrankungen kommen außerdem als Auslöser für die Verfärbung infrage:

  • Infekte mit Blut im Stuhl 
  • Erhöhte Konzentration an Bilirubin, Urobilinogen bzw. Sterkobilin (z.B. aufgrund von Leberfunktionsstörungen)
  • Leberversagen
  • Leberzirrhose
  • Gelbsucht
  • Tumore (Leber, Galle oder Bauchspeicheldrüse)
  • Vergiftungserscheinungen

Bitte beachten: Ziehen Sie keine voreiligen Schlüsse und lassen Sie sich beim Arzt untersuchen. 

Bräunlicher Urin – was tun?

Zunächst sollten Sie darüber nachdenken, was Sie in den letzten Stunden gegessen oder eingenommen haben. Der braune Urin könnte auch durch bestimmte Lebensmittel oder Medikamente entstanden sein. Das Weglassen dieser Produkte kann Linderung verschaffen. Sprechen Sie das Absetzen eventuell eingenommener Medikamente jedoch mit Ihrem Arzt ab. Achten Sie auch darauf, ausreichend viel zu trinken. Wenn ein Flüssigkeitsmangel vorliegt, kommt es zu einer stärkeren Konzentration des Urins und er erscheint dunkler als gewohnt.

Sollten Sie sich den braun verfärbten Urin nicht erklären können, konsultieren Sie einen Arzt. Selbiges gilt, wenn sich zusätzlich weitere Symptome wie etwa Oberbauchschmerzen oder eine Gelbfärbung der Haut äußern. Der Arzt wird sich näher mit Ihren Symptomen befassen und die Ursache herausfinden.

Unser Experte

Dr. med. Christoph Pies ist Urologe, Buchautor (z.B. „Was passiert beim Urologen? Das Enthüllungsbuch für Sie und Ihn“) und ein Experte auf diesem Gebiet. 

 

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