Brauche ich wirklich eine Patienten-Verfügung?

Eine Patientenverfügung ist wichtig vor einem Koma
Eine Patientenverfügung ist wichtig, damit Sie auch dann so behandelt werden, wie Sie es sich wünschen, wenn Sie beispielsweise in ein Koma fallen © Fotolia

Vorentscheidung für den Notfall: Was passiert, wenn ich ins Koma falle? Was passiert, wenn ich nach einer Operation nicht wieder aufwache? Praxisvita klärt die wichtigsten Fragen zur Patientenverfügung.

Es ist allzu menschlich: Mit den Themen Krankheit und Sterben setzen wir uns nur ungern auseinander. Vermutlich hat deshalb nur jeder Zehnte eine sogenannte Patienten-Verfügung. Dieses Dokument vertritt unseren Willen im schweren Krankheitsfall – wenn wir zum Beispiel im Koma liegen und nicht mehr entscheiden können. Wir legen darin fest, welche Behandlungen wir wünschen oder ablehnen. Praxisvita beantwortet dazu die wichtigsten Fragen:

 

Genügt es nicht, meine Angehörigen zu informieren?

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass nahe Verwandte im Notfall medizinische Entscheidungen treffen dürfen. Wenn wir uns nicht selbst äußern können, ist der Arzt automatisch verpflichtet, alles zu tun, um unser Leben so lang es geht zu erhalten. Doch viele wünschen keine langen Therapien ohne Aussicht auf Genesung. Eine Patienten-Verfügung ist dann die einzige Möglichkeit, Behandlungen auf eigenen Wunsch zu beenden.

 

Welche Angaben gehören in das Dokument?

Eine Patienten-Verfügung muss eigenhändig unterzeichnet sein. Eine Beglaubigung durch einen Notar ist nicht erforderlich. Der Inhalt: Beschreiben Sie möglichst konkret, in welchen Lebens-Situationen die Verfügung gelten soll und welche Behandlungen Sie dann wünschen (zum Beispiel: Für den Fall, dass ich meinen Willen nicht mehr klar äußern kann, verfüge ich ...). Beginnen Sie mit den allgemeinen Daten (Name, Geburtsdatum und -ort), dann beschreiben Sie die ärztlichen Maßnahmen (unter anderem lebenserhaltend, Schmerz- und Symptom-Behandlung, künstliche Ernährung, Organ-Spende und so weiter), die Sie wünschen. Die Verfügung endet mit Unterschrift und Datum. Auch eine Erklärung, dass man sich den Folgen seiner Festlegungen bewusst ist, darf nicht fehlen. Eine Broschüre mit Muster-Texten erhalten Sie beim Justiz-Ministerium unter Tel.: 030/1 82 72 27 21.

Bewahren Sie die Papiere so auf, dass die Ärzte bzw. Ihre Angehörigen diese schnell finden. Tipp: Legen Sie eine Hinweis-Karte in Ihre Geldbörse, auf der Sie notieren, wo sich die Verfügung befindet.

 

Wo kann man sich ausführlich informieren?

Am besten sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über medizinische Maßnahmen, die im Notfall anstehen. Überlegen Sie sich genau, was Sie für sich wünschen oder ablehnen. Oft ist es hilfreich, darüber mit engen Vertrauten zu reden.

 

Worauf müssen Organ-Spender achten?

Liegt ein Spende-Ausweis vor, müssen Ärzte die Organe schützen. Es kann daher sein, dass lebenserhaltende Maßnahmen trotz gegenteiliger Verfügung durchgeführt werden.

 

Was ist eine Vorsorge-Vollmacht?

Die Patienten-Verfügung richtet sich ausschließlich an Ärzte. Eine Vorsorge-Vollmacht ermächtigt hingegen eine Vertrauensperson Ihrer Wahl, im Notfall zum Beispiel Vermögensfragen zu regeln, aber auch medizinische Angelegenheiten zu klären. Das bezieht sich vor allem auf jene Themen, die durch Ihre Patienten-Verfügung nicht abgedeckt werden.

Achtung: Regelt man die Vollmacht nicht schriftlich, kann ein sogenannter Vormundschafts-Richter einen fremden Betreuer verpflichten. Wer lieber jemandem aus seiner Familie diese Aufgabe übertragen möchte, kann das Dokument dafür bei einem Notar aufsetzen lassen. Wenn Sie wollen, dass die Vollmacht im Ernstfall besonders schnell aufgefunden wird, können Sie diese zusätzlich im Zentralen Vorsorge-Register der Bundesnotarkammer registrieren lassen (Tel.: 01805/35 50 50).

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