"Botox stoppte meinen starken Harndrang"

Neue Therapien können starken Harndrang stoppen
Heute lebt Annika B. wieder unbeschwert. Am liebsten liest sie ihrer Enkelin vor – ganz ohne den starken Harndrang © Fotolia

Acht Millionen Frauen hierzulande leiden an starkem Harndrang. Viele verschweigen das Problem. Eine Betroffene erzählt bei Praxisvita, wie ihr eine neue Therapie geholfen hat.

 

Starker Harndrang bei Frauen mindert die Lebensqualität

„Es ist wunderbar!“, strahlt Annika B., während sie ihr Enkeltöchterchen auf dem Arm hält. „Endlich kann ich wieder unbeschwert mit meinen Enkeln spielen.“ Das war nicht immer so. Nach einer Gebärmutter-Operation, bei der versehentlich Blase und Darm verletzt worden waren, litt die 49-Jährige unter starkem Harndrang.

„Vor sechs Jahren fing es an“, erinnert sich die dreifache Großmutter noch heute. „Nachdem bei einer Operation unter anderem auch meine Blase verletzt worden war, litt ich unter sogenannter Harninkontinenz. Der starke Harndrang war so schlimm, dass ich kein normales Leben mehr führen konnte. Ich verließ kaum noch das Haus, wollte mich nicht mehr mit Freunden treffen. Wenn ich doch einmal für kurze Zeit unterwegs war, war meine Hauptsorge, so schnell wie möglich eine Toilette zu finden.“

 

Starke Nebenwirkungen durch Harndrang übliche Medikamente

Ärzte verschrieben ihr die bei Harndrang üblichen Medikamente mit den Wirkstoffen Oxybutinin und Trospiumchlorid. Sie halfen aber nicht. Stattdessen litt Annika B. unter starken Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit und Darmverstopfung.

Drei Jahre lang suchte die Mutter von zwei Töchtern bei verschiedenen Ärzten Hilfe. Doch erst die Fachleute im Marienhospital Herne, das zur Ruhruniversität Bochum gehört, konnten ihr mit einer neuen Therapie helfen. Professor Dr. Arndt van Ophoven , der leitende Arzt der Neuro-Urologie, erklärt: „Immer mehr Patienten profitieren von der Behandlung mit Botulinum Toxin A.“ Dabei handelt es sich um eines der stärksten natürlich vorkommenden Gifte, viele kennen es unter dem Namen Botox. Es wird aus einem bestimmten Bakterium gewonnen. Der Wirkstoff unterbricht die Impulse zwischen Nerven und Muskeln – führt also dazu, dass entsprechende Muskelpartien gelähmt werden. Mediziner machen sich das zunutze, indem sie winzigste Mengen des Giftes einsetzen, um Krämpfe, Bewegungsstörungen oder eben unkontrollierbare Blasenfunktionen zu beeinflussen.

 

Botox gegen den starken Harndrang

Professor van Ophoven: „Zwanzig bis dreißig winzige Portionen Botulinum Toxin A werden unter Vollnarkose mit Hilfe eines dünnen Rohres in die Wand der Harnblase gespritzt. Die Blasenmuskulatur wird dadurch gelähmt und der starke Harndrang gestoppt.“ Die Wirkung dieser Behandlung hält etwa sechs bis acht Monate an. Danach muss sie wiederholt werden.

„Der Klinikaufenthalt dauert jedes Mal drei Tage und drei Nächte“, erzählt Annika B. „Aber das nehme ich gerne in Kauf. Ich bin so froh, dass ich endlich wieder schön ausgehen kann.“

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