Boreout-Syndrom: Ursachen, Symptome und was hilft

Daphne Sekertzi

Boreout ist eine wenig bekannte Gefahr für die Gesundheit. Schätzungen zufolge ist jeder siebte Arbeitnehmer davon betroffen. Doch wie kann es passieren, dass man durch Langeweile im Job krank wird? Und wer ist besonders gefährdet, das Boreout-Syndrom zu entwickeln?

Inhalt
  1. Was ist das Boreout-Syndrom?
  2. Boreout – Symptome und Warnsignale
  3. Ursachen des Boreouts: Wann macht Unterforderung krank?
  4. Was kann ich tun, wenn ich einen Boreout habe?
 

Was ist das Boreout-Syndrom?

Inzwischen ist die Burnout-Erkrankung in das Bewusstsein der Menschen angekommen, anders verhält es sich mit dem gegenteiligen Phänomen – dem Boreout. Offiziell gilt er noch nicht als Erkrankung, aber Krankenkassen schätzen den jährlichen wirtschaftlichen Verlust durch die Folgen des Boreouts bereits jetzt auf rund 250 Milliarden Euro. 

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Übersetzt bedeutet der englische Begriff in Anlehnung an das Ausgebrannt-Sein beim Burnout in etwa „ausgelangweilt sein“. Was sich harmlos anhört, kann ernsthafte Folgen für die Gesundheit der Betroffenen haben. Denn der Boreout charakterisiert sich nicht alleine dadurch, dass man sich im Job gelangweilt fühlt, weil man „nicht viel zu tun“ hat.

Das Boreout-Syndrom beschreibt vielmehr eine dauerhafte, chronische Unterforderung. Sie erwächst aus einem Missverhältnis zwischen den berufsbezogenen Fähigkeiten und dem Inhalt und Umfang der Aufgaben. Die Betroffenen können ihre Fähigkeiten nicht einsetzen und kommen sich aufgrund der als anspruchslos empfundenen Aufgaben austauschbar vor.

Im Außen macht sich der Boreout nicht direkt bemerkbar. Aus Angst vor einer Kündigung werden die geringe Auslastung und die Unterforderung nicht offen preisgegeben. Oft wirkt es auf Außenstehende sogar so, als sei das Gegenteil der Fall: Betroffene geben sich beschäftigt, ziehen Aufgaben in die Länge oder machen Überstunden – alles mit dem Ziel, einer Kündigung zu entgehen. In der Folge leidet das Selbstwertgefühl, schnell treten in dieser Situation eine Reihe von psychosomatischen Beschwerden auf.

 

Boreout – Symptome und Warnsignale

Die Betroffenen können die Beschwerden meist nicht direkt mit der Arbeitssituation in Verbindung bringen. Zudem ähneln die Boreout-Symptome den Beschwerden, die für einen Burnout typisch sind – ungünstige Voraussetzungen also, um dem Boreout auf die Schliche zu kommen. Erkennen können Betroffene ihn trotzdem: Wenn man sich dauerhaft unausgelastet und unterfordert im Job fühlt und mehrere der folgenden Symptome an sich wahrnimmt, deutet das stark auf einen Boreout hin:

  1. Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit bis hin zur Depression
  2. geringe Kommunikation und Distanz, vor allem zu Arbeitskollegen
  3. starke Erschöpfung und verminderte Leistungsfähigkeit
  4. Konzentrationsschwierigkeiten und Fehleranfälligkeit
  5. Gereiztheit und starkes Stressempfinden
  6. Schlafstörungen
  7. Psychosomatische Beschwerden, wie Kopf- und Rückenschmerzen oder Magen-Darm-Problemen, Schwindel und Tinnitus
  8. Infektanfälligkeit

Die durch den Boreout hervorgerufenen Beschwerden können eine Abwärtsspirale auslösen: Fühlt man sich unterfordert, sinkt das Interesse an der Tätigkeit, was sich negativ auf die Motivation auswirkt. Kommen Erschöpfung und Konzentrationsschwierigkeiten hinzu, leidet die Leitungsfähigkeit darunter. Dadurch bekommen die Betroffenen weniger anspruchsvolle Aufgaben zugeteilt, was die Situation noch weiter verschärft.

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Ursachen des Boreouts: Wann macht Unterforderung krank?

Was die Situation der Betroffenen noch schwieriger macht: Während die Ursache für den Burnout – nämlich Überarbeitung – gesellschaftlich akzeptiert ist, kann ein Boreout leicht missverstanden und fälschlicherweise mit Faulheit in Verbindung gebracht werden. Doch haben gerade Menschen, die leistungsorientiert und hochmotiviert sind, ein höheres Risiko, einen Boreout zu entwickeln. Dazu gehören besonders Berufseinsteiger, deren Erwartungen im ersten Job nach dem Studium enttäuscht werden. Ein weiterer Risikofaktor ist es, wenn man sich hauptsächlich über den beruflichen Erfolg definiert und sich von der Arbeit eine identitätsstiftende Wirkung erhofft.

Hohe Erwartungen an den Beruf sind erstmal nicht problematisch. Wenn allerdings die folgenden Faktoren dazukommen, steigt das Risiko für einen Boreout stark an:

  • zu wenige oder den eigenen Fähigkeiten nicht entsprechende Aufgaben
  • ein monotoner, nicht abwechslungsreicher Arbeitsalltag
  • ausbleibende Erfolgsmöglichkeiten
  • geringes Feedback vom Vorgesetzten
  • fehlende Anerkennung und Wertschätzung
 

Was kann ich tun, wenn ich einen Boreout habe?

Die effektivste Maßnahme gegen ein Boreout ist eine berufliche Veränderung. Das muss aber nicht immer ein Jobwechsel bedeuten. Betroffene können gemeinsam mit dem Vorgesetzten nach Lösungen suchen: Wie kann der Aufgabenbereich erweitert werden? Welche Fähigkeiten hat der Betroffene, die er gewinnbringend für das Unternehmen einsetzen kann? Ist ein Wechsel in eine andere Abteilung möglich? Erst wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, sollte man die Stelle wechseln.

Zudem kann es helfen – besonders wenn ein Jobwechsel nicht direkt realisierbar ist – sinnstiftende Hobbys und ehrenamtliche Tätigkeiten auszuüben. Auch sollte in jedem Fall eine Therapie erfolgen, besonders dann, wenn die Betroffenen durch das Boreout-Syndrom eine Depression entwickeln.

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