Booster-Impfung mit Biontech: Spahn & Experten zu Sabotage-Vorwurf

Ines Fedder Medizinredakteurin

Die Booster-Kampagne in Deutschland erhält gerade jetzt einen gehörigen Dämpfer. Die Ärzteschaft spricht sogar von Sabotage. Nun äußern sich Gesundheitsminister Jens Spahn und zwei weitere Experten zu den Vorwürfen – und kündigen eine neue Impfstoff-Zulassung an.

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Die Bundeskanzlerin hat es angekündigt, doch es hapert bei der Umsetzung. Die Impfkampagne für die Booster-Impfung kommt bereits nach wenigen Tagen ins Stocken. Schuld daran ist nach Meinung vieler Ärzte die Fehlplanung des Bundes und des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn (CDU).

Dieser verkündete erst am Wochenende, dass die Auslieferung des Biontech-Impfstoffs in den kommenden Tagen gedeckelt werde. Die Gründe dafür seien ein vorübergehender Engpass sowie der drohende Verfall der noch zahlreich vorhandenen Impfstoff-Dosen von Moderna.

Die Ärzteschaft reagierte auf diese Mitteilung ganz besonders scharf, schließlich haben sie schon fest mit den Impfstoffdosen von Biontech gerechnet. Denn dieser ist nicht nur der beliebteste Impfstoff, sondern darf auch für unter Dreißig-jährigen verabreicht werden. 

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Weniger Biontech-Lieferungen: Ärztekammer spricht von Sabotage

„Die Arztpraxen haben ihre Patienten teils auf Wochen vorbestellt und entsprechend Impfstoff von Biontech bestellt, der eine erfreuliche Akzeptanz hat. Jetzt soll die gesamte Impflogistik schlagartig umgestellt werden. Das geht nicht“, erklärt die Präsidentin der Ärztekammer Niedersachsen gegenüber den Medien die und spricht in diesem Zusammenhang sogar von „Sabotage“.

In einer Pressekonferenz äußerten sich nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, Prof. Dr. Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie an der Charité, sowie Prof. Dr. Klaus Cichutek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), zu der laufenden Drittimpfungs-Booster-Kampagne mit dem Versuch, etwaige Zweifel am Moderna-Impfstoff zu entkräften und weiter zum Impfen zu animieren.

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Jens Spahn: Nachfrage nach Biontech-Impfstoff stark gestiegen

„Die Deutschen werden momentan am häufigsten mit dem Impfstoff von Biontech immunisiert. Die Nachfrage ist in den vergangenen Tagen jedoch stark gestiegen“, beginnt Jens Spahn die Pressekonferenz. Die starke Nachfrage, die es in den Wochen zuvor ausdrücklich nicht gegeben habe, überschreite aktuell die Kapazität. Jedoch ohne, dass es in Deutschland einen Impfstoff-Mangel gäbe, so Spahn.

„Wir halten nichts zurück, wir liefern alles aus“, so der Minister, der sich in den letzten Tagen immer wieder Vorwürfe anhören musste, er würde zugunsten des bald ablaufenden Moderna-Impfstoffs Biontech-Lieferungen bewusst verzögern.

Es sei ein Irrtum, dass jetzt auf Moderna gesetzt werde, um ein Verfall des Impfstoffs zu vermeiden. „Das ist zwar ein wichtiger Faktor, aber kein entscheidender“, so Spahn. 

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Insgesamt stünden bis Jahresende 24. Mio. Dosen des Biontech-Impfstoffs zur Verfügung. Von Moderna habe man jedoch aktuell 16 Mio. Booster-Dosen, die sofort in den Lagern verfügbar seien.

Allein diese Woche gehen laut Spahn sechs Mio. Impfstoffdosen von Biontech in die Versorgung, in der Folgewoche wolle man dieses Angebot noch erhöhen. Dazu sei man gerade im Gespräch mit den Unternehmen.

Fest stehe, dass bis Ende des Jahres bei Erst-, Zweit- und Drittimpfungen bis zu 50 Mio. Impfstoffdosen zur Verfügung stehen werden. „Das ist genug“, sagt Spahn.

 

Debatte um Booster-Impfung mit Biontech: Diskussion unangemessen!

Prof. Dr. Klaus Cichutek zeigte Unverständnis hinsichtlich der Diskussion der verfügbaren Impfstoffe. Die zugelassenen Impfstoffe, die man hier in Deutschland habe, seien alle hochwirksam – egal, ob Biontech oder Moderna. Beide Impfstoffe ergäben eine „hohe Antikörper-Titer-Erhöhung nach der Booster-Impfung“.

Sowohl Moderna als auch Biontech können „homolog und heterolog für die Booster-Impfung verwendet werden“, so der Experte. Bedeutet im Klartext: Egal ob drei Biontech-Dosen oder eine Kreuzimpfung mit Moderna – die Wirkung sei immer „hochwirksam“ und auch bei den Nebenwirkungen sind keine signifikanten Unterschiede zu verzeichnen.

Auch Prof. Dr. Leif Erik Sander von der Charité in Berlin unterstützt diese Meinung. Es gebe einen „herausragenden Nutzen“ der dritten Impfung. Die Kreuzimpfung habe sogar „immunologische Vorteile“. „Mit Hinblick auf die Wirksamkeit ist die Wahl des mRNA-Booster-Impfstoffs eigentlich egal. Sie funktionieren beide gleich gut“, sagt Sander. 

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Bei Moderna gibt es jedoch Einschränkungen: Der Imfpstoff wird nur für Personen über 30 Jahren empfohlen – zudem wird bei Moderna bei der Booster-Impfung nur noch die halbe Dosierung gespritzt. Sofern man nicht jünger als 30 ist, könne man das nehmen, was gerade da ist, entgegnet der Experte der Lieferengpass-Debatte um den zweiten mRNA-Impfstoff Biontech.

Und das wird vermutlich Ende Dezember vermehrt der Moderna-Impfstoff sein.

 

Spahn: Kinderimpfstoff von Biontech kommt Ende Dezember

Denn wie Gesundheitsminister Jens Spahn auf Nachfrage ebenfalls verkündete: "Am 20.12. bekommt die ganze europäische Union den Kinder-Impfstoff. Die Zulassung dafür wird voraussichtlich Ende der Woche erfolgen.“

Dann werden 2,4 Mio. Biontech-Dosen für die Kinder-Impfungen gegen Corona bereitstehen.

Aber auch die Kinder-Impfungen reichen nicht, um aus der vierten Welle zu kommen. Und auch keine Impfpflicht, so Spahn.

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Impf-Pflicht-Debatte: Kein Weg aus der vierten Welle

„Meine grundsätzliche Haltung hat sich nicht geändert“, erklärt Spahn bezüglich einer möglichen Impfpflicht. „Was jetzt ansteht, ist diese Welle zu brechen. Und keine verpflichtende Impfung schützt aktuell vor der vierten Welle.“

Spahn warnt vor dem kommenden Monaten: „Wahrscheinlich wird am Ende dieses Winters so ziemlich jeder in Deutschland geimpft, genesen oder gestorben sein. Wer nicht geimpft ist, wird sich ohne Schutz infizieren. Immunität wird immer erreicht, die Frage ist, ob durch Impfung oder Infektion.“

Und damit nicht die letzte der drei Optionen eintritt, sollte sich jede:r besser impfen lassen – mit dem Impfstoff, der gerade verfügbar ist.

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