Bonding: So entsteht eine liebevolle Eltern-Kind-Bindung

Mona Eichler Health-Redakteurin

Als Bonding bezeichnet man die Bindung, die in den Monaten vor und nach Geburt zwischen Neugeborenen und deren Eltern entsteht. Ein unsichtbares und doch lebenswichtiges Band.

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Das Elternwerden bringt magische Momente mit sich Foto:  iStock Tempura
Inhalt
  1. Was ist Bonding und wann findet es statt?
  2. Bonding nach Kaiserschnitt, Wochenbettdepression & Co.
  3. Stillen: Unverzichtbar für die Bindung?
  4. Was fördert das Bonding?
  5. Auch Vater-Kind-Bindung ist wichtig

So essenziell die Eltern-Kind-Bindung ist, so groß sind die Unsicherheiten, die bei Müttern und Vätern mit diesem Thema einhergehen. Stimmt es beispielsweise, dass Bonding allein in den Stunden nach der Geburt stattfindet? Oder dass eine Mutter-Kind-Bindung grundsätzlich stärker ist als eine Vater-Kind-Bindung?

 

Was ist Bonding und wann findet es statt?

Einfach ausgedrückt ist Bonding das Kennenlernen zwischen Eltern und ihrem Baby: Mama, Papa und Kind gehen die ersten Lebensschritte gemeinsam und knüpfen ein zartes Band, das über die Zeit immer stärker wird.

Diese Eltern-Kind-Bindung entwickelt sich nicht erst nach der Geburt. Schon während der Schwangerschaft kommen sich Eltern und Baby näher. Beispielsweise, wenn sich das Kleine im Bauch bewegt und die Erwachsenen es durch die Bauchdecke spüren. Oder wenn Mama und Papa mit dem Nachwuchs im Bauch sprechen: Ab der 23. Schwangerschaftswoche ist das Gehör eines Babys ausgebildet, sodass es Geräusche bewusst wahrnehmen kann.

Einer der schönsten Bonding-Momente sind die Minuten nach der natürlichen Geburt, wenn das Neugeborene auf Mamas (oder auch Papas) Brust gelegt wird. Dieser erste Hautkontakt wird von vielen Eltern als magischer Moment beschrieben: Hierbei wird, wie schon während der Geburt, vermehrt das Hormon Oxytocin ausgeschüttet, das unter anderem die Bindung zwischen Mutter und Kind stärkt und die Milchproduktion fürs Stillen anregt.

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In den Monaten nach der Geburt findet Bonding durch das alltägliche Miteinander statt und umfasst alles, was zwischen Eltern und ihrem Baby passiert. Ganz egal, ob es ums Windeln wechseln, Kuscheln, Stillen oder miteinander sprechen geht.

Das Kind lernt dabei, dass es sich auf seine Eltern – auf seine Bezugspersonen – verlassen kann. Es erfährt Schutz, Fürsorge, Wärme und Liebe und wird mit Nahrung und Aufmerksamkeit versorgt. So kann das Baby ein Urvertrauen entwickeln, das ihm auch im Erwachsenenalter noch Sicherheit gibt.  

 

Bonding nach Kaiserschnitt, Wochenbettdepression & Co.

Stichwort Bonding und Kaiserschnitt: Viele Eltern, die ihr Kind nicht auf natürliche Weise willkommen heißen, machen sich Gedanken darum, ob die Mutter-Kind-Bindung beziehungsweise die Eltern-Kind-Bindung darunter leiden könnte. Immerhin gibt es nach einem Kaiserschnitt nicht diesen magischen Moment, wenn das Baby auf Mamas Brust liegen darf.

Das Gleiche gilt für Mütter, die beispielsweise an einer Wochenbettdepression leiden oder aus anderen Gründen ihr Kind nicht direkt annehmen können. Ist in solchen Situationen die Chance auf eine gesunde Mutter-Kind-Bindung vertan?

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Zum Glück nicht, denn Bonding ist viel mehr als dieser eine Moment direkt nach der Geburt. Entscheidend sind die Monate nach der Entbindung und wie sehr diese Zeit mit Liebe und Geborgenheit erfüllt ist.

Muss sich die Mutter nach der Geburt noch erholen, können auch andere Bezugspersonen wichtige Bonding-Momente mit dem Baby herbeiführen – ob es sich dabei nun um Vater, Geschwister, Oma, Opa, Patentante, Patenonkel etc. handelt, ist nicht entscheidend.

 

Stillen: Unverzichtbar für die Bindung?

Ähnlich groß wie beim Thema Bonding und Kaiserschnitt ist die Unsicherheit, wenn es ums Stillen geht. Vor allem werdenden Müttern wird immer wieder vorgebetet, dass Stillen unverzichtbar sei, um eine intensive Bindung zu seinem Baby aufbauen zu können.

Dabei stimmt das nur bedingt. Mit Bezug auf das Bindungsthema ist nämlich nicht das Stillen an sich entscheidend, sondern die Nähe, die dabei entsteht: Der Körper- und Blickkontakt ist das, was gut für die Bindung ist. Zu dieser Nähe kann es allerdings auch kommen, wenn ein Baby mit dem Fläschchen gefüttert wird.

 

Was fördert das Bonding?

In der Regel müssen Eltern Bonding nicht erst lernen: Eine Bindung zum eigenen Kind herzustellen, findet intuitiv statt. Wer es allerdings bewusst angehen möchte, kann auf Verschiedenes achten:

  • Körperkontakt: Das Kuschelhormon Oxytocin entsteht vermehrt bei Hautkontakt und vertieft Bindungen zwischen Menschen
  • Füttern: Beim Stillen wie beim Fläschchen geben kann über Körper- und Blickkontakt besonders viel Bonding stattfinden.
  • Zuwendung: Kinder wollen Aufmerksamkeit. Durch Zuwendung entsteht ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit, das sogenannte Urvertrauen.
  • Sprechen: Auch wenn sie nicht verstehen, was gesagt wird, nehmen Kinder Stimmen und Stimmungen wahr und spüren intuitiv, wenn diese liebevoll sind.
  • Freiheit: Vertrauen ist Teil einer gesunden Eltern-Kind-Beziehung. Darf ein Baby auch mal die Welt um sich herum entdecken, stärkt das sein Urvertrauen.

 

Auch Vater-Kind-Bindung ist wichtig

In den ersten Tagen und Wochen nach der Geburt herrscht bei den meisten Elternpaaren ein Ungleichgewicht: Mütter spüren in der Regel schneller ein tieferes Band zu ihren Kindern als Väter das tun.

Das ist vollkommen normal. Zum einen ist das Kleine im Bauch der Mutter herangewachsen und innerhalb der Schwangerschaft hat schon ein starkes Bonding stattgefunden. Zum anderen ist meistens die Mutter in den ersten Monaten für das Stillen/Füttern des Neugeborenen zuständig und hat so zahlreiche Bonding-Momente. Das heißt allerdings nicht, dass nicht auch der Vater (oder eine andere Bezugsperson) eine extrem wichtige Rolle im Leben des Kindes spielt.

Um eine Bindung aufzubauen, sollten Eltern darauf achten, sich gerade in den ersten Lebensmonaten möglichst viele Aufgaben zu teilen: Kuscheln, Babymassage, Füttern, Windeln wechseln, spazierengehen – all das sollten beide Elternteile tun, um eine enge Bindung zum Kind aufbauen zu können.

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