Blutwurz: Alle Fakten zu einem unterschätzten Kraut

Redaktion PraxisVITA

Auf den ersten Blick ist Blutwurz nur ein Kraut mit hübschen, gelben Blüten. Am beliebtesten ist jedoch die Wurzel – und das aus gutem Grund.

Die Blutwurzelblüte
Die Blüten des Blutwurzkrauts sind besonders ansehnlich Foto:  istock/fotolinchen
Inhalt
  1. Blutwurz-Tinktur als Naturheilmittel
  2. Anwendung bei Durchfall, Zahnfleischentzündung oder Hautproblemen
  3. Woher kommt der ungewöhnliche Name?
  4. Blutwurz: Häufige Verwechslung
  5. Blutwurz-Tinktur selber herstellen
  6. Blutwurz als Tee zubereiten
  7. Auch Blutwurz-Schnaps gibt es
  8. Dosierungshinweise für das Heilkraut

Der Blutwurz hat viele verheißungsvolle Namen. Denn auch wenn man von Tormentill, Potentilla erecta, Birkwurz, Blutbrech, Blutkraut, Buchwehwurzen, Christuskrone, Natterwurz, Dermendill, Dilledapp, Düwelsabbiß, Roter Günsel, Mooreckel, Rotwurz, Ruhrwurz, Siebenfinger oder dem Aufrechten Fingerkraut spricht, meint man die Würz- und Heilpflanze Blutwurz. Viele kennen die Pflanze nur als Bestandteil des gleichnamigen Schnapses – dabei ist es viel mehr als ein Digestif.

 

Blutwurz-Tinktur als Naturheilmittel

Das Kraut wird seit Jahrhunderten als Heilpflanze verwendet. Im Mittelalter hatte es sogar den Ruf, die Pest heilen zu können. Noch heute ist Blutwurz als wirksames Heilmittel anerkannt: Das Bundesinstitut für Risikobewertung bewertet es in Bezug auf Nebenwirkung und Überdosierung als unbedenklich. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte bestätigt die Heilwirkung von Blutwurz. Verschiedene Studien haben sich mit der Pflanze beschäftigt und die entzündungshemmende Wirkung gilt als nachgewiesen. Medizinisch relevant ist ausschließlich die Wurzel der Blutwurz. Man kann sie als Tee, Tinktur oder in Pulverform anwenden. 

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Anwendung bei Durchfall, Zahnfleischentzündung oder Hautproblemen

Die Tinktur wirkt bei Zahnfleischentzündungen oder anderen Entzündungen im Mund- und Rachenraum. Die in der Wurzel enthaltenen Tannine wirken adstringierend, also zusammenziehend, austrocknend und entzündungshemmend. Daher kann Blutwurz auch bei Hämorrhoiden oder Verbrennungen helfen. Die enthaltenen Gerbstoffe können bei Einnahme zudem akute Durchfälle, Übelkeit oder auch Menstruationsbeschwerden lindern.

Blutwurz wird teilweise auch dafür benutzt, um bei kleineren Verletzungen die Blutung zu stoppen. Eine blutstillende Wirkung konnte allerdings bis heute wissenschaftlich nicht bewiesen werden.

 

Woher kommt der ungewöhnliche Name?

Der Name Blutwurz kommt vermutlich daher, dass sich die Wurzel, nachdem man sie angeschnitten hat, an der Schnittstelle von Weiß zu Rot färbt. Viele andere Namen des Krauts bedienen sich des gleichen Themas. Auch Blutkraut, Roter Günsel und Rotwurz spielt auf die mögliche Verfärbung an. 

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Den roten Farbstoff der Wurzel, das sogenannte Tormentillrot, verwendeten Färber früher sogar, um Stoffe einzufärben.

 

Blutwurz: Häufige Verwechslung

Die Pflanze wird aufgrund ihres Aussehens häufig mit dem Frühlings-Fingerkraut sowie mit anderen Fingerkräutern verwechselt. Ein Unterschied ist dabei aber bei genauem Hinsehen ganz deutlich: Ausschließlich die Blutwurz hat vier Blütenblätter. Auch mit gelb blühenden Hahnenfußarten droht Verwechslungsgefahr. Doch auch hier ist die vierzählige Blüte das Unterscheidungsmerkmal, außerdem besitzt Blutwurz als Rosengewächs stets Nebenblätter, Hahnenfußgewächse im Gegensatz dazu nie.

 

Blutwurz-Tinktur selber herstellen

Blutwurz ist eine Pflanze aus der Familie der Rosengewächse und wächst in ganz Europa. Der späte Herbst und frühe Frühling, also kurz vor oder kurz nach der Blüte, ist die beste Zeit, die gerbsäurehaltige Wurzel zu sammeln. Wenn man nun selbst eine Blutwurz-Tinktur herstellen möchte, füllt man die gesäuberte und fein geschnittene Wurzel in ein verschließbares Gefäß und bedeckt sie mit hochprozentigem Alkohol. Dafür eignet sich beispielsweise Wodka oder Korn. Die Wurzelteile müssen alle vollständig von der Flüssigkeit bedeckt sein. Das Gefäß sollte gründlich und am besten luftdicht verschlossen werden. Die Tinktur sollte nun zwei bis vier Wochen ziehen.

Die fertige Blutwurz-Tinktur kann dann zum Beispiel Entzündungen im Mund- und Rachenbereich lindern. Bei Durchfall kann man die Tinktur auch stark verdünnt einnehmen. Die stopfenden und kräftigenden Wirkstoffe des Gerbstoffes können helfen, die Durchfall-Symptome abzuschwächen. 

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Blutwurz als Tee zubereiten

Auch als bekömmlicher Tee kann das Heilkraut Blutwurz zubereitet werden. Viele Hersteller bieten die Pflanze getrocknet und pulverisiert als fertigen Tee an. Doch auch frisch kann sie mit heißem Wasser aufgegossen und tassenweise getrunken werden.

Zubereitung von Blutwurztee:

  • die Wurzel schälen und kleinschneiden
  • einen guten Teelöffel mit etwa 150 Milliliter heißem Wasser aufgießen
  • das Ganze nun etwa zehn Minuten ziehen lassen
  • als Verzehrmenge werden drei bis vier Tassen am Tag zwischen den Malzeiten empfohlen

Der Tee aus Blutwurz eignet sich auch zum Gurgeln, um eine Entzündung im Rachenraum zu lindern.

 

Auch Blutwurz-Schnaps gibt es

Der verdauungsfördernde Blutwurz-Schnaps ist vor allem im Schwarzwald auf fast jeder Wirtshaus-Speisekarte zu finden. Für die Herstellung wird traditionell ein aus Topinambur gebrannter Schnaps genommen und mit Blutwurz in einer Flasche angesetzt. Alternativ kann man auch auf Kornschnaps zurückgreifen. Nach drei bis vier Wochen kann er dann abgeseiht werden. Nun hat sich der Schnaps rötlich gefärbt und erhält durch die im Kraut enthaltenen Gerbstoffe eine besondere, etwas herbe Geschmacksnote.

Durch die Zugabe von 180 Gramm Zucker, ein wenig Zimt oder anderen Gewürzen wie Sternanis und Kardamom wird der Blutwurz-Schnaps zu einem schmackhaften Likör mit wohltuenden Eigenschaften. Grundsätzlich ist allerdings natürlich zu sagen, dass Alkohol stets nur in Maßen getrunken werden sollte und viele gerade die hochprozentige Form nicht gut vertragen.

 

Dosierungshinweise für das Heilkraut

Die angemessene Dosis von Blutwurz hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa dem Alter, der Gesundheit und anderen Bedingungen, die der jeweilige Anwender mit sich bringt. Zurzeit gibt es nicht genügend wissenschaftliche Informationen, um eine angemessene Dosis der Pflanzenextrakte zu bestimmen. Nur weil es sich bei einem Erzeugnis um ein Naturprodukt handelt, ist es nicht notwendigerweise ungefährlich. Die Dosierung ist stets besonders wichtig. Befolgen Sie daher unbedingt die Anweisungen auf der Produktbeilage oder dem Etikett und wenden Sie sich im Zweifel vor der Anwendung an Ihren Apotheker, Arzt oder andere medizinische Fachkräfte.

Quellen:

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