Blutvergiftung nach Routine-OP: “Ich schwebte zwischen Leben und Tod“

Mit Blutvergiftung im Krankenhaus
Ganz plötzlich hängt das Leben am seidenen Faden: Im Krankenhaus können Blutvergiftungen auch nach Routine-Operationen entstehen © Shutterstock

Eine Routine-OP nahm eine dramatische Wendung. Die Berlinerin Susanne schwebte lange zwischen Leben und Tod. Der Grund: eine Blutvergiftung.

Auf den ersten Blick ist Susanne eine gesunde, mitten im Leben stehende Frau. Die 56-Jährige liebt Waldspaziergänge mit ihrem Hund. „Dabei hatten die Ärzte mich schon fast aufgegeben", erzählt sie ernst.

 

Gallenstein-OP wurde lebensgefährlich

Das Drama begann mit einem Routineeingriff. Wenige Tage zuvor hatte man bei Susanne Gallensteine festgestellt. Die behinderten den Abfluss der Gallenflüssigkeit und verursachten kolikartige Schmerzen. In der Klinik sollten die Gallenwege mit Röntgen-Kontrastmittel sichtbar gemacht und die Steine nach Möglichkeit endoskopisch entfernt werden.

 

Komplikation mit schweren Folgen

Eine seltene, aber gefürchtete Komplikation dieser Technik ist das Auslösen einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung. Und genau das geschah bei ihr. Schlimmer noch: Die Infektion geriet außer Kontrolle, sodass sich die Keime auf dem Blutweg ausbreiteten und alle Organe befielen.

 

Diagnose Blutvergiftung

„Man spricht in so einem Fall von einer Sepsis, im Volksmund Blutvergiftung genannt", erklärt Sepsis-Forscher Professor Frank Brunkhorst von der Uniklinik Jena. „Der Kreislauf bricht zusammen, und der Blutdruck sinkt so stark, dass die Organe wegen Sauerstoffmangels zu versagen drohen. Ohne sofortige intensivmedizinische Behandlung endet eine Sepsis immer tödlich." Susanne bekam umgehend Infusionen mit hoch dosierten Antibiotika. Man entfernte die infizierten, abgestorbenen Teile der Bauchspeicheldrüse und versetzte sie für sechs Wochen ins künstliche Koma, um ihre Organe zu entlasten.

 

Erwachen nach der Blutvergiftung

Als sie erwachte, bemerkte sie zuerst den Beatmungsschlauch im Mund. „Ich ahnte ja nicht, wie schlimm es um mich stand", erinnert sie sich. „Dass ich eine Blutvergiftung hatte, Lunge, Leber und Darm stark angegriffen waren und mein Körper nicht genug rote Blutkörperchen produzierte – von diesem Ausmaß des Schreckens sagten mir die Mediziner gar nichts. Wahrscheinlich war das sogar besser. Erst nach meiner Entlassung verriet mir mein Mann, dass ihm die Ärzte kaum Hoffnung gemacht hatten."

 

Schritt für Schritt ins neue Leben

Seitdem versucht Susanne, zur Normalität zurückzukehren. Ein langer Weg. Ein halbes Jahr verbrachte sie in der Klinik. Danach fühlte sie sich trotz anschließender Reha über Monate körperlich stark beeinträchtigt. „Laufen, Schreiben, ganz alltägliche Dinge tun – all das musste ich mir Schritt für Schritt erst wieder zurückerobern", erzählt sie.

 

Spätfolgen der Blutvergiftung

Noch heute kämpft sie mit den Spätfolgen der Sepsis. Sie muss zu jeder Mahlzeit Verdauungsenzyme einnehmen, leidet an Missempfindungen in den Füßen und ist schneller erschöpft als früher. Arbeitete sie vor ihrer Erkrankung bis zu zwölf Stunden am Stück, gesteht sie sich nun häufiger Pausen zu. Eine Psychotherapie hilft ihr, die belastenden Erinnerungen zu verarbeiten. „Ganz die Alte werde ich wohl nie mehr", glaubt Susanne, die sich in der Sepsis-Hilfe engagiert. „Aber ich habe überlebt und nehme jeden Tag als Geschenk."

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