Blutvergiftung: Heimtückische Infektion

Fieber kann erstes Symptom einer Blutvergiftung sein
Gefährlich: Oft ähneln die ersten Symptome einer Blutvergiftung denen eines grippalen Infekts © Shutterstock

Sie ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland: Pro Jahr sterben rund 60.000 Menschen an Blutvergiftung. Fast immer wurde die Sepsis viel zu spät erkannt. So können Sie sich schützen.

Nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs ist Blutvergiftung (Sepsis) die dritthäufigste Todesursache in Deutschland: Jeden Tag sterben über 150 Menschen in Deutschland daran. Zu Beginn ist die lebensgefährliche Infektion sehr schwer erkennbar, denn die Symptome ähneln denen einer grippalen Erkältung: Fieber, Schüttelfrost, schnelle Atmung und Unwohlsein. Deshalb wird sie leider auch in der Notaufnahme häufig nicht rechtzeitig erkannt. Das Gefährliche daran: Innerhalb von Stunden breiten sich die Erreger im ganzen Körper aus und können lebenswichtige Organe wie Herz, Lungen und Nieren schwer schädigen.

 

Blutvergiftung: Kleine Verletzungen sind meist harmlos

Schon kleinste Wunden können die Ursache einer Blutvergiftung sein. Natürlich führt nicht jede Verletzung gleich zu einer Blutvergiftung. Im Alltag kommt es aber immer wieder zu kleinen Unfällen mit Schürf- oder Schnittwunden, vor allem bei Kindern. Solche Verletzungen bluten oft, und das ist auch gut so. Denn dabei werden Verunreinigungen ausgeschwemmt, die zu einer Infektion führen können. Selbst wenn sich ein paar Bakterien einnisten, wird unser Immunsystem damit gut fertig: Rötung und Schwellung verschwinden mit beginnender Heilung der Wunde von selbst wieder. Aber wenn sich die Wunde entzündet und nicht heilen will, sollten Sie zum Arzt gehen. Das gilt auch für den Fall, dass die Wunde stark verschmutzt ist oder sehr weh tut.

 

Tod durch Blutvergiftung

Auslöser einer Blutvergiftung kann jede Infektion sein, vom vereiterten Zahn über eine Blasenentzündung bis zu einem entzündeten Mückenstich. Bei einer Infektion bekämpfen Abwehrzellen die Krankheitserreger – bei einer Sepsis kehrt sich dieser Prozess ins Gegenteil, es kommt zu einer Entzündungsreaktion im gesamten Körper, die Infektion gerät außer Kontrolle. Aus den Zellen tritt Flüssigkeit aus, das Gewebe schwillt an. Dadurch wird der Sauerstoffaustausch in der Lunge schlechter, die Folge sind Durchblutungsstörungen und eine immer schlechter werdende Sauerstoffversorgung der Organe. Nieren und Leber versagen, der Blutdruck fällt ab und lässt sich auch nicht mehr stabilisieren. Es kommt zu einem gesamten Organversagen, und der Patient stirbt. Übrigens: Die landläufige Meinung, dass man eine Blutvergiftung an dem schmalen roten Strich erkennt, der von der Wunde zum Herzen wandert, ist falsch: Damit kündigt sich keine Sepsis an, sondern eine bakterielle Entzündung der Lymphgefäße.

 
 

Lungenentzündung ist häufig die Ursache

Der Blutvergiftung geht oft – aber nicht immer – eine hartnäckige Erkältung oder auch eine Lungenentzündung voraus. Werden die Bakterien nicht mit Antibiotika bekämpft, können sich die Erreger im ganzen Körper ausbreiten. Bei einer Sepsis zählt dann jede Minute. Denn mit jeder Stunde, in der sie unbehandelt wüten kann, sinkt die Überlebenschance um fünf Prozent.

 

Früherkennung der Blutvergiftung kann Leben retten

Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit können allerdings auf viele Krankheiten zutreffen. Das macht die Diagnose so schwierig. Ein Labortest liefert einen verlässlichen Hinweis: Bei diesem Test wird der Anstieg des Prohormons Procalcitonin im Blut gemessen. Dieses Prohormon tritt bei einer Sepsis vermehrt auf. Oft gibt es auch viel mehr weiße Blutkörperchen im Blut als normalerweise.

 

Mit Blutvergiftung ins Krankenhaus

Wenn Bakterien Auslöser der Blutvergiftung sind, bekommt der Patient Antibiotika. Ist der Erreger noch nicht bekannt, wird zunächst ein Breitbandantibiotikum gegeben. Bei zu niedrigen Blutdruckwerten muss der Kreislauf durch Infusionen stabilisiert werden. Weitere Medikamente sind nötig, wenn der Stoffwechsel bereits aus dem Gleichgewicht geraten ist und die Organe nicht mehr richtig arbeiten. Zur Beseitigung des Infektionsherdes wie bei Vereiterungen können auch OPs nötig sein.

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