Blutvergiftung erkennen: Auf diese Anzeichen sollten Sie achten

Redaktion PraxisVITA

In der Hausmedizin heißt es: Ein roter Strich auf der Haut ist Zeichen einer Blutvergiftung. Doch das ist zum Teil ein Irrglaube. Dr. Johannes Wimmer erklärt, wie Sie eine Blutvergiftung erkennen können.

 

Blutvergiftung ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland

Etwa 180.000 Patienten erkranken pro Jahr an einer Blutvergiftung, auch Sepsis genannt. Eine Schnittwunde, ein Insektenstich oder eine Lungenentzündung können beispielsweise eine Blutvergiftung auslösen. Die häufigsten Erreger sind Staphylokokken, die unsere Haut und Schleimhäute besiedeln. Dringen diese Bakterien jedoch ins Gewebe ein, weil etwa eine Wunde nicht desinfiziert wurde, lösen sie eine Entzündung aus. Gelingt es unserer Abwehr nicht, diese zu vernichten, gelangen die Bakterien in den Blutkreislauf. Hier breiten sie sich aus und greifen ungehindert lebenswichtige Organe an. Beim Kampf des Immunsystems gegen die Erreger werden Gefäße geschädigt. Die Folgen: Der Blutdruck sackt ab und das Gerinnungssystem spielt verrückt. Wird jetzt nicht sofort gehandelt, kommt es zu einem Kreislaufzusammenbruch und Organversagen (septischer Schock). Doch woran lässt sich eine Blutvergiftung erkennen?

Blutvergiftung erkennen
Um zuverlässig eine Blutvergiftung erkennen zu können, muss das Blut untersucht werden© iStock/MilosJokic
 

Blutvergiftung erkennen: Das sind die Symptome

Die meisten Betroffenen denken bei einer Blutvergiftung zunächst an eine einfache Erkältung. Doch wer eine Schnittverletzung, Insektenstich oder einer anderen Wunde hat und plötzlich unter Fieber, Schüttelfrost, Untertemperatur oder Atemnot leidet, sollte seinen Hausarzt aufsuchen. Dieser sollte die Blutvergiftung erkennen können und Sie ins Krankenhaus einweisen. Dort wird das Blut auf Procalcitonin getestet. Dabei handelt es sich um eine Hormon-Vorstufe, die normalerweise in kaum messbaren Mengen in der Schilddrüse produziert wird. Bahnt sich eine Sepsis an, erhöht sich der Procalcitonin-Spiegel im Blut bis auf das 10 000-fache. Außerdem werden Blutkulturen abgenommen, um den genauen Erreger zu ermitteln.

Bis der genaue Erreger bestimmt ist, dauert es 24 bis 36 Stunden. Deshalb wird die Blutvergiftung sofort mit einem Breitbandantibiotikum bekämpft. Dieses Mittel erfasst die meisten Erreger. Danach kann dann eine gezielte Therapie beginnen.

 

Der „rote Strich“ als Anzeichen für eine Blutvergiftung?

An dem bekannten „roten Strich“, der von einer Wunde zum Herzen führt, kann man übrigens keine Blutvergiftung erkennen – er zeigt eine Lymphbahnen-Entzündung an. Wird diese nicht behandelt, kann sich daraus aber eine Blutvergiftung entwickeln.

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