Blutungen in der Schwangerschaft: Was bedeuten sie?

Verena Elson Medizinredakteurin

Blutungen in der Schwangerschaft jagen Schwangeren meist einen gewaltigen Schreck ein. In den meisten Fällen kann aber der Arzt vor den größten Ängsten beruhigen. Gerade in den ersten zwei Schwangerschaftsdritteln kommen Zwischenblutungen häufig vor.

Eine Frau liegt im Bett und schaut besorgt
Blutungen in der Schwangerschaft können den betroffenen Frauen große Angst einjagen – gerade in der Frühschwangerschaft sind sie aber in den meisten Fällen harmlos Foto:  iStock/OcusFocus
 

Blutungen in der Schwangerschaft: die wichtigsten Infos im Überblick

Welche Ursachen kann eine Blutung in der Schwangerschaft haben? Häufig stecken harmlose Ursachen wie Hormonschwankungen oder kleine Verletzungen dahinter. Eine Blutung in der Schwangerschaft kann aber auch auf eine Fehlgeburt oder andere Komplikationen zurückzuführen sein.
Wann zum Arzt? Bei einmaliger, leichter Blutung in den nächsten Tagen; bei immer wiederkehrenden leichten Blutungen am nächsten Tag; bei schmerzhaften oder starken sowie von Fieber begleiteten Blutungen sofort.

 

Zwischen- und Schmierblutungen in der Schwangerschaft: Die häufigsten Ursachen

Die meisten Zwischenblutungen in der Schwangerschaft treten im ersten und zweiten Drittel auf; sie sind oft harmlos für Mutter und Kind.

Unterschiedliche Ursachen können zu solchen Zwischen- oder Schmierblutungen führen:

  • Hormonelle Schwankungen: In der Frühschwangerschaft arbeitet der Körper noch daran, sich auf die Schwangerschaft einzustellen. Dabei treten häufig Hormonschwankungen auf, die besonders um den Zeitraum der früheren Regelblutung zu Schmierblutungen führen können. Schwangere sollten diese Blutungen vom Arzt abklären lassen. Gegebenenfalls verschreibt dieser ihnen das sogenannte Progesteron, ein Gelbkörperhormon. Dieses wirkt sich ausgleichend auf den Hormonhaushalt aus.
  • Kleine Verletzungen an Muttermund, Gebärmutterhals oder Scheide (Kontaktblutung): Diese Mikroverletzungen werden beispielsweise durch eine gynäkologische Untersuchung oder Geschlechtsverkehr ausgelöst. In der Schwangerschaft entstehen dadurch schneller Blutungen, weil das Gewebe in dieser Zeit stärker durchblutet ist. In der Regel hören solche Zwischenblutungen von alleine wieder auf – dennoch sollten Schwangere die Ursache abklären lassen.
  • Einnistungsblutung: Zum Zeitpunkt der sogenannten Einnistungsblutung wissen viele Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Sie findet etwa drei bis vier Wochen nach der letzten Regelblutung statt und signalisiert die Einnistung der befruchteten Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut. Bei der Einnistung können kleine Blutgefäße verletzt werden – so entsteht die leichte Blutung, die ein bis zwei Tage andauern kann.

Zusätzlich können Vaginalinfektionen oder Zervixpolypen zu Blutungen in der Frühschwangerschaft führen. Beides ist ungefährlich für das Kind, Infektionen sollten jedoch behandelt werden, um einer frühzeitigen Wehentätigkeit vorzubeugen.

 

Frühschwangerschaft: Welche Komplikationen können zu Blutungen führen?

Ist die Blutung auf eine der obenstehenden Ursachen zurückzuführen, handelt es sich in der Regel um eine leichte und schmerzlose Blutung. Dauert die Zwischenblutung nicht länger als zwei bis drei Minuten an und ist schmerzlos, reicht es, in den nächsten Tagen einen Arzt aufzusuchen. Tritt die Blutung immer wieder auf, sollte der Arzt spätestens am nächsten Tag aufgesucht werden. Treten starke Blutungen auf, gehen Blutpfropfen ab oder kommen starke Krämpfe oder Fieber dazu, sollte die Schwangere sofort einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen. Denn neben den häufig harmlosen Auslösern von Zwischenblutungen können in der Frühschwangerschaft auch Komplikationen hinter den Zwischenblutungen stecken.

  • Fehlgeburt: Statistisch gesehen endet mindestens jede dritte Schwangerschaft in einer Fehlgeburt – aber: Ein Großteil davon findet statt, bevor die betroffene Frau überhaupt weiß, dass sie schwanger ist. Der Schwangerschaftsabgang wird dann meist als stärkere und eventuell schmerzhafte Regelblutung empfunden. Doch auch in den folgenden Wochen kann es noch zu einer Fehlgeburt kommen. Nach der zwölften Schwangerschaftswoche nimmt die Wahrscheinlichkeit deutlich ab.
  • Blasenmole: Diese sehr seltene Komplikation (sie tritt im Schnitt bei einer von 3.000 Schwangerschaften auf) wird durch eine Fehlbefruchtung der Eizelle verursacht – diese enthält dann keine Erbsubstanz. Von einer Blasenmole spricht man, wenn die sogenannten Zotten (Gewebsausstülpungen) des Mutterkuchens zu kleinen Bläschen degenerieren. In der Folge kann (bei 2-3 Prozent der Blasenmolen) eine bösartige Wucherung entstehen, das sogenannte Chorionkarzinom. Diese Krebsart ist sehr gut heilbar. Typische Anzeichen einer Blasenmole sind ein sehr schnell wachsender Bauch, starke Übelkeit und schaumige Blutungen.
  • Eileiterschwangerschaft: Bei der sogenannten extra-uterinen Schwangerschaft nistet sich die befruchtete Eizelle außerhalb der Gebärmutterschleimhaut ein, meist in einem der beiden Eileiter. Die Eileiterschwangerschaft ist potenziell lebensbedrohlich, weil es durch das Heranreifen der Eizelle schließlich zu einem Riss des Eileiters mit starken inneren Blutungen kommen kann. Typische Beschwerden bei einer Eileiterschwangerschaft sind neben Schmierblutungen starke einseitige Unterleibsschmerzen etwa 8-14 Tage nach Ausbleiben der Regelblutung. Wenn es bereits zu Blutungen in den Bauchraum gekommen ist, können Schockanzeichen wie kalter Schweiß, sinkender Blutdruck und schneller Puls dazukommen.
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Blutungen durch Komplikationen ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel

Auch im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel können „harmlose“ Blutungen auftreten, etwa eine Kontaktblutung.

Zu Ende der Schwangerschaft kann eine Schmierblutung oder ein blutiger Schleimpfropf den Geburtsbeginn ankündigen (Zeichnungsblutung). Doch da Zwischenblutungen in der Spätschwangerschaft (letztes Schwangerschaftsdrittel) seltener sind, sollten sie jetzt besonders ernstgenommen werden, denn es können schwerwiegende Komplikationen dahinterstecken.

  • Ein dem Gebärmutterausgang vorgelagerter Mutterkuchen (Plazenta praevia): Diese Komplikation tritt etwa bei einer von 200 Schwangerschaften auf. Dabei verdeckt die Plazenta, die sich normalerweise weit entfernt vom Gebärmutterausgang in der Gebärmutter befindet, diesen teilweise oder komplett. Der „Ausgang“ ist für das Baby damit versperrt. Im letzten Schwangerschaftsdrittel kann es zu starken Blutungen kommen, die für Mutter und Kind potenziell lebensbedrohlich werden können. In vielen Fällen ist eine natürliche Geburt bei einer Plazenta praevia nicht möglich. Bei einigen Frauen, bei denen eine Plazenta praevia diagnostiziert wurde, bildet diese sich bis zum Entbindungstermin allerdings wieder zurück. Typisch sind schmerzlose, hellrote Blutungen.
  • Vorzeitige Plazentalösung: Bei der vorzeitigen Plazentalösung (z.B. nach einem Unfall oder heftigen Schlag auf den Bauch) löst sich der Mutterkuchen teilweise oder vollständig von der Gebärmutterwand, bevor das Kind geboren ist. Die Plazenta löst sich normalerweise einige Minuten nach der Geburt aus der Gebärmutterwand und wird als „Nachgeburt“ ausgestoßen. Löst sie sich schon vor der Geburt von der Gebärmutter, wird das Kind nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt – dann besteht akute Lebensgefahr. Bei der Mutter geht es um einen lebensbedrohlichen Blutverlust. Die Therapie ist in der Regel ein sofortiger Kaiserschnitt. Typische Symptome sind plötzliche, starke Schmerzen und ein brettharter Bauch. Bei drei von vier Frauen kommt es zu vaginalen Blutungen. Bei entsprechenden Anzeichen sollte sofort ein Notarzt gerufen werden; bis zu dessen Eintreffen sollte die Schwangere sich hinlegen.
 

Was tun bei Blutungen in der Schwangerschaft?

Je nach Ursache der Blutung entscheidet der Arzt, welche Behandlung sinnvoll ist. Gerade in der Frühschwangerschaft handelt es sich meist um für Mutter und Kind ungefährliche Blutungen – dennoch ist es dann sinnvoll, sich zu schonen und Stress zu meiden. In der Regel werden betroffene Frauen für einige Tage krankgeschrieben, gegebenenfalls verschreibt der Arzt Progesteron, um den Körper bei der „Umstellung“ des Hormonhaushalts zu unterstützen. 

Quellen:
Dr. Schäffler, Arne (Hrsg.), 2008: Gesundheit heute: Krankheit – Diagnose – Therapie. München: Knaur.
Ärzteblatt: Notfälle in der Geburtshilfe – peripartale Blutungen.

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