Bluttest zeigt alle Viren, die Sie je hatten

Eine Laborarbeiterin blickt ins Mikroskop
US-Forscher haben einen Bluttest entwickelt, der alle Viren aufspüren kann, mit denen ein Mensch sich in seinem Leben infiziert hat © Fotolia

US-amerikanische Mediziner haben einen revolutionären neuen Bluttest entwickelt: Ein Tropfen Blut genügt, um alle Viren nachzuweisen, die den Körper im Laufe seines Lebens befallen haben. Praxisvita erklärt, wie der neue Test funktioniert.

VirScan heißt der neue Bluttest, der das Blut nach Anzeichen von 206 bekannten Viren absucht, die den Menschen befallen können. US-Forscher machten sich bei seiner Entwicklung die Abwehrmechanismen des Immunsystems zunutze.

 

Antikörper zeigen Infektionen an

Jedes Mal, wenn ein Virus in den Körper eindringt, reagiert das Immunsystem mit einem perfekt organisierten Abwehrmanöver: Zunächst werden sogenannte Antikörper – spezielle Eiweiße – gebildet, die sich an das Virus heften und die Immunzellen auf den feindlichen Eindringling aufmerksam machen. Diese eilen dann zum „Tatort“ und beginnen, das Virus zu zerstören.

Mithilfe solcher Antikörper ist es möglich, anhand eines Bluttests festzustellen, ob ein Patient bereits Kontakt mit einer bestimmten Erkrankung gehabt hat. Sind Antikörper gegen ein Virus im Blut nachweisbar, hat sich das Immunsystem schon einmal damit auseinandergesetzt – entweder, weil der Patient einmal an dem Virus erkrankt ist, oder, weil er dagegen geimpft wurde. Denn bei einer Impfung wird das Immunsystem dazu animiert, spezifische Antikörper zu bilden.

 

Neuer Bluttest erkennt verschiedene Virustypen

Bisher gab es solche Bluttests immer nur für einzelne Viren. Das Besondere an VirScan: Der Test ist so konzipiert, dass er Antikörper aller bekannten Viren im Blut aufspüren kann. So ist er in der Lage, alle Viren anzuzeigen, die einen Menschen in seinem Leben befallen haben.

Die Forscher testeten den neu entwickelten Bluttest an 569 Probanden aus den USA, Thailand, Südafrika und Peru. Im Schnitt zeigte der Test Antikörper gegen zehn verschiedene Virentypen an. Bei Kindern war die Zahl geringer, da sie in ihrem Leben weniger Viren ausgesetzt waren.

Schwierigkeiten bestanden beim Aufspüren von Antikörpern gegen sehr kleine Viren sowie gegen Grippe- und Polioviren – in diesen Bereichen brachte der Test noch keine verlässlichen Ergebnisse.

Die Studienleiter sehen in der neuen Methode ein großes Potenzial für künftige großflächige Studien zur Verbreitung von Erkrankungen.

Hamburg, 8. Juni 2015

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