Bluthochdruck – Wann sollten Medikamente herabgesetzt werden?

Medikamentendosierung bei Senioren
Werden Patienten erst einmal therapiert, verringern nur wenige Ärzte im Verlauf die Medikamentendosis © Fotolia

Medikamente können den Blutdruck senken und so vor Folgeerkrankungen schützen. Eine neue Studie weist jedoch daraufhin, dass es besonders für ältere Menschen sinnvoll sein kann, die Dosierung zurückzufahren. Unser Experte Prof. Dr. Schunkert bezieht Stellung und beantwortet die wichtigsten Fragen im Interview.

Halten Sie es für sinnvoll, die Medikamentendosis bei Patienten mit Bluthochdruck im Alter herabzusetzen?

Nein, Patienten mit Bluthochdruck sollten auch im Alter, z.B. über 80 Jahre, behandelt werden, wenn der Blutdruck ohne Medikamente zu hoch ist. Besonders ältere Patienten reduzieren so das Risiko für den Schlaganfall oder eine Herzschwäche. Dies ist in vielen Studien gut belegt worden.

Gibt es in Deutschland unterschiedliche Grenzwerte für den systolischen und den diastolischen Blutdruck für verschiedene Altersgruppen?

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Prof. Schunkert: „Bei älteren Menschen lässt häufig die Nierenleistung oder der Stoffwechsel nach, sodass Blutdruckmedikamente weniger ausgeschieden werden und so stärker wirken. Dann kann die gewohnte Behandlung mit der Zeit über das Ziel hinausschießen.“© privat

Dies ist in der Tat so. Bei älteren Menschen, z.B. über 80 Jahre, gilt die generelle Empfehlung für eine medikamentöse Behandlung erst bei Werten über 160mmHg für den oberen, systolischen Wert. Ausnahmen können bestehen, wenn die Person im Alter recht hinfällig oder stark sturzgefährdet ist. Dann ist individuell zu entscheiden, ob der Bluthochdruck überhaupt behandelt werden sollte. Andererseits gilt, ist jemand vital, biologisch oder auch den Jahren nach jünger, sollte beim älteren wie auch jüngeren Menschen bereits bei Werten über 140mmHg der Blutdruck gesenkt werden.

Inwiefern fallen die Nebenwirkungen der Blutdruckmedikamente im Alter stärker aus? Ist z.B. die Gefahr von Schwindel und dadurch Stürzen im Alter höher?

Bei älteren Menschen lässt häufig die Nierenleistung oder der Stoffwechsel nach, sodass Blutdruckmedikamente weniger ausgeschieden werden und so stärker wirken. Dann kann die gewohnte Behandlung mit der Zeit über das Ziel hinausschießen und der Blutdruck ist auf einmal zu niedrig. Ein zu niedriger Blutdruck kann aber genau wie ein zu hoher Probleme bereiten – besonders bei älteren Menschen. Schwindel oder eine erhöhte Sturzneigung können die Folge sein. Dann gilt es den Blutdruck auch mal im Stehen zu messen und gegebenenfalls die Dosierung sorgsam an die Erfordernisse anzupassen, also die Medikamente zu reduzieren.

Im Interview: Prof. Dr. med. Heribert Schunkert

Prof. Dr. Heribert Schünkert ist Kardiologe und Direktor der Klinik für Erwachsenenkardiologie am Deutschen Herzzentrum München und hat mehr als 400 Publikationen in internationalen Journalen veröffentlicht.

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