Gefährlicher Trend? Blutgruppendiät: Sinnvoll oder nicht?

Redaktion PraxisVITA
Blutgruppendiät
Bei einer Blutgruppendiät werden bestimmte Lebensmittel je nach Blutgruppe vom Speiseplan gestrichen © psphotograph/iStock

Abnehmen und Krankheiten verhindern: Die Blutgruppendiät verspricht Wohlbefinden und ein gesünderes Leben. Doch wie sinnvoll ist das Prinzip überhaupt?

Laut den Erkenntnissen des berühmten US-amerikanischen Naturheilkundlers Peter D’Adamo bestimmt die jeweilige Blutgruppe, welche Lebensmittel wir vertragen und welche uns krank machen. Die von ihm entwickelte Blutgruppendiät soll Organschäden verhindern, die Leistungsfähigkeit und das seelische Wohlbefinden steigern. Abnehmen steht dabei nicht an erster Stelle. Wir erklären Ihnen, was hinter dieser Ernährungsform steckt.

 

Wie funktioniert die Blutgruppendiät?

Als Peter D’Adamo in den 90er-Jahren sein Buch „4 Blutgruppen – Vier Strategien für ein gesundes Leben“ veröffentlichte, sorgte der Naturheilkundler für großes Aufsehen. Das gewagte Diätkonzept wurde in etliche Sprachen übersetzt. Auf der ganzen Welt interessierten sich plötzlich Millionen von Menschen für ihre Blutgruppe.

Seine Theorie: Jede Blutgruppe ist einzigartig, da sie evolutionär betrachtet in unterschiedlichen Perioden der menschlichen Entwicklungsgeschichte entstanden sind. So ist die Blutgruppe Null laut D’Adamo die älteste Blutgruppe der Menschheit, die sich entwickelt hat, als Menschen noch Jäger und Sammler waren. Dementsprechend sollte die Ernährung bei der Blutgruppendiät auch auf die Essgewohnheiten dieser Vorfahren abgestimmt werden. Die Blutgruppe A soll erst mit jener Population entstanden sein, die durch Ackerbau und Viehzucht sesshaft wurde. Blutgruppe B hat sich dagegen unter den Nomadenvölkern entwickelt. Ganz zum Schluss vermischten sich dann die beiden Blutgruppen zum AB-Typ. 

Blutgruppendiät
Laut der Blutgruppendiät bestimmt die Blutgruppe, welche Lebensmittel wir vertragen © nzphotonz/iStock

Ob Sie Fleisch, Milch oder Getreide vertragen, Allesesser oder Mischköstler sind, hängt demnach entscheidend von den Vorfahren Ihrer Blutgruppe ab. Denn D’Adamo zufolge reagiert jede Blutgruppe anders auf bestimmte Eiweiße in den Lebensmitteln. Die falschen Proteine könnten die Blutzellen verkleben und Krankheiten begünstigen. Aus diesem Grund hat Peter D’Adamo in seinem Werk für jede Blutgruppe spezielle Richtlinien erarbeitet – die blutgruppengerechte Ernährung.

 

Blutgruppendiät: Was bei welcher Blutgruppe essen?

 

Blutgruppe 0:

Die Träger der Ur-Blutgruppe haben laut D’Adamo ein widerstandsfähiges Immunsystem und eine robuste Verdauung. Sie vertragen wie Jäger und Sammler vor allem Fleisch sehr gut. Auch Obst und Gemüse ist für diese Blutgruppe gesund. Auf Milchprodukte, Hülsenfrüchte und Getreide sollten sie jedoch verzichten – vor allem auf Weizen.

 

Blutgruppe A:

Menschen mit der Blutgruppe A sind laut D’Adamo grundsätzlich eher Vegetarier, haben ein gutes Immunsystem, aber eine empfindliche Verdauung. Reichlich Obst und Gemüse gehören hier auf den Speiseplan. Hülsenfrüchte gelten ebenfalls als bekömmlich. Gelegentlich etwas Fisch wird auch vertragen. Milch und Weizen sind auch bei der Blutgruppe A tabu.

 

Blutgruppe B:

Träger der Blutgruppe B verfügen sowohl über ein starkes Immunsystem als auch über eine robuste Verdauung. Sie vertragen als Allesesser die meisten Lebensmittel gut: Fleisch, Eier, Milch, Obst, Gemüse und Getreide. Ausnahme: Krustentiere, Geflügel, Weizen und Roggen sind zu meiden. 

 

Blutgruppe AB:

Die jüngste Blutgruppe besitzt ein starkes Immunsystem, aber eine empfindliche Verdauung. Der AB-Typ sollte daher seine Ernährung vegetarisch ausrichten. In kleinen Mengen sind Fisch, Fleisch und Milchprodukte jedoch bekömmlich. Diese Blutgruppe ist die einzige, die Weizen gut verträgt.

Blutgruppendiät
Experten kritisieren, dass die meisten Menschen bei der Diät zu wenig Ballaststoffe aufnehmen © Rocky89/iStock
 

Expertenmeinungen zur Blutgruppendiät

Kaum eine Ernährungsform wird so stark kritisiert wie die Blutgruppendiät. Während die Anhänger über bessere Blutwerte, Gewichtskontrolle und eine gesteigerte Vitalität berichten, sind Ernährungsexperten nicht nur skeptisch, sondern raten von dieser Diät sogar ganz ab.

Zum einen entbehrt die Theorie einer blutgruppengerechten Ernährung jeglicher wissenschaftlichen Grundlage, so die Experten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Eine systematische Übersichtsarbeit, die im „American Journal of Clinical Nutrition“ veröffentlicht wurde, kam zur gleichen Einschätzung. 

Zum anderen kann die Blutgruppendiät je nach Umständen sogar zu gesundheitlichen Problemen führen. Während den Trägern der Blutgruppe AB noch eine tendenziell ausgewogene, ballaststoffreiche Kost empfohlen wird, enthält die Lebensmittelauswahl der Blutgruppe 0 viel zu viel Fleisch und viel zu wenig Ballaststoffe.

 

Blutgruppendiät: Fazit

Die Theorie, dass Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe nur ausgewählte Lebensmittel vertragen, ist wissenschaftlich nicht haltbar. Auch kommt die Forschung im Hinblick auf die Entwicklungsgeschichte der menschlichen Blutgruppen zu anderen Schlüssen.

Ob Sie bestimmte Lebensmittel nicht vertragen, sollten Sie also nicht pauschal von Ihrer Blutgruppe abhängig machen, sondern von konkreten Beschwerden. Zudem ist die Blutgruppendiät kaum praxistauglich. Die Umsetzung kann auf Dauer sogar zu Mangelerkrankungen führen.

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