Blut im Sperma: Das kann es bedeuten

Blut im Sperma kann Männern und ihren Partnerinnen einen gehörigen Schrecken versetzen. Aber zunächst heißt es: Ruhe bewahren. Denn die Blutbeimengung im Ejakulat ist nur in wenigen Fällen ein Anzeichen für Krebs oder eine Geschlechtskrankheit. Oft liegen ganz andere Ursachen dahinter. Was Blut im Sperma bedeuten kann.

Ein Mann hält seine Hände vor seinem Unterleib
Von Verletzungen bis Entzündungen: Blut im Sperma kann unterschiedliche Ursachen haben Foto: iStock/bymuratdeniz

Sperma hat normalerweise eine weiße bis gelbliche Farbe. Verschiedene Faktoren wie die Ernährung können die Farbe und Konsistenz beeinflussen. Doch rot sollte das Ejakulat nie sein – denn das bedeutet, dass sich Blut im Sperma befindet. Neben Entzündungen und Verletzungen können auch Erkrankungen dahinterstecken.

Blut im Ejakulat: Ursachen der Hämospermie

Blut im Sperma (Hämospermie) kann in jedem Alter auftreten; häufig sind jedoch Männer zwischen 25 und 40 Jahren betroffen. Es kommen viele Ursachen infrage – angefangen von Verletzungen über Entzündungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Die möglichen Ursachen im Überblick:

Die Farbe des Spermas kann jedoch mitunter die möglichen Ursachen eingrenzen: Eine hellrote Farbe deutet auf frisches Blut hin, das von geplatzten Äderchen in der Samenblase, der Harnröhre oder der Eichel stammen und durch starke Reibung oder kleinen Verletzungen entstehen kann. Hingegen ist eine dunkelrote oder bräunliche Farbe ein Zeichen dafür, dass sich das Blut bereits länger im Sperma befindet – das weist auf eine Beteiligung der Prostata oder der Nebenhoden hin.

Denn in der Prostata und in den Nebenhoden wird jeweils ein Teil der Samenflüssigkeit produziert. Entzündungen oder Erkrankungen in diesen Organen wirken sich daher direkt auf die Beschaffenheit des Ejakulats aus.

Blut im Sperma nach Fahrradfahren, Geschlechtsverkehr und Co. durch Verletzungen

Befindet sich Blut im Sperma, sollte zunächst an eine Verletzung als Ursachen gedacht werden – das ist vor allem dann eine nahe liegende Erklärung, wenn das Blut hellrot und damit frisch ist. Verletzungen an der Eichel oder an der Harnröhre können durch starke Reibung, Stoßverletzungen und selbst durch zu enge Hosen verursacht werden. Mehrmaliger Geschlechtsverkehr innerhalb kurzer Zeit, bestimmte autoerotische Praktiken, aber auch ausdauerndes Fahrradfahren sind die häufigsten Auslöser.

Daneben können Verletzungen mit blutigem Sperma als Folge von medizinischen Untersuchungen entstehen. So kommt es nach einer Prostatastanzbiopsie, bei der eine Gewebeprobe aus der Prostata entnommen wird, in vier von fünf Fällen zu Blut im Sperma und im Urin – und das bis zu sechs Wochen lang.

Blutiges Sperma: Entzündungen sind häufige Ursachen

Eine häufige Ursache für Blut im Ejakulat sind Entzündungen in der Prostata, den Nebenhoden, der Harnblase oder der Samenblasen, ausgelöst durch bakterielle (oder virale) Infektionen. Diese können wiederum ihren Ursprung in sexuell übertragbaren Krankheiten haben, wie Chlamydien oder Gonorrhoe („Tripper“).

Gut zu wissen: Die Samenblasen befinden sich rechts und links oberhalb der Prostata und münden in die Harnröhre. Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, wird in den Drüsen nicht der Samen gespeichert. In den Samenblasen wird stattdessen ein Sekret produziert, was das Sperma bewegungsfähig macht.

Die Bakterien gelangen häufig über die Harnröhre oder die Harnblase weiter in die Prostata, wenn die Infektion nicht frühzeitig behandelt wird. Blutiges Sperma ist dann meist nur eines von vielen Krankheitssymptomen, wie Brennen und Schwierigkeiten beim Wasserlassen, eitriger Ausfluss, Unterbauch-Schmerzen sowie Abgeschlagenheit und Fieber.

Sperma braun: Symptom für Erkrankungen

Neben durch Infektionen bedingte Entzündungen kann Blut im Sperma in seltenen Fällen auf Krebs in den Geschlechtsorganen hindeuten. Konkret kann es sich um ein Prostatakarzinom, Hodenkrebs oder um einen Tumor in der Harnröhre (Urethrakarzinom) handeln, wenn über längere Zeit die Samenflüssigkeit blutig ist und weitere Symptome hinzukommen.

Bei einem Prostatakarzinom stellen sich erst in einem fortgeschrittenen Stadium spürbare Beschwerden ein. Neben blutigem Sperma kommt es zu Schmerzen bei der Ejakulation, vermindertem Samenerguss, Schwierigkeiten beim Urinieren und Schmerzen im Lendenwirbelbereich. Im Falle von Harnröhrenkrebs zählt Blut im Urin und im Sperma zu den Frühsymptomen, während sich Hodenkrebs zusätzlich mit einer einseitigen schmerzlosen Schwellung bemerkbar macht.

Zu den möglichen Erkrankungen, die im Zusammenhang mit blutigem Sperma stehen, zählen darüber hinaus eine gutartige Prostatavergrößerung, Blutgerinnungsstörungen, Leberschäden und starker Bluthochdruck (Hypertonie). Starker Druck in den Gefäßen kann nämlich die kleinen Äderchen in der Prostata oder in den Samenblasen zum Platzen bringen.

Blut im Sperma und Schmerzen in der Leiste

Wenn eine Erkrankung das Blut im Sperma verursacht, tritt in der Regel zusammen mit anderen Beschwerden auf – so z.B. mit anhaltenden Schmerzen in der Leiste. Diese Symptomkombination sollte Betroffenen ein Warnzeichen sein, wenn in der Leiste zusätzlich Verdickungen spürbar sind. Denn das deutet auf geschwollene Lymphknoten hin und damit auf eine Infektion oder eine Entzündung. In sehr seltenen Fällen kann sich ein Tumor auf diese Weise äußern.

Blut im Sperma nach langer Abstinenz – ist das möglich?

Im Zusammenhang mit blutigem Sperma wird immer wieder lange Abstinenz als mögliche Erklärung angeführt. Zwar verändern sich die Menge, Farbe und Konsistenz des Ejakulats nach längerer Enthaltsamkeit, da das Volumen und die Anzahl der Spermien zunehmen. Seltene Ejakulationen rufen jedoch kein Blut im Sperma hervor. Wenn keine weiteren Symptome vorliegen, sind Verletzungen, die beim Geschlechtsverkehr oder bei der Selbstbefriedigung entstanden sind, eine nahe liegendere Erklärung für die Blutbeimengung.

Blut im Sperma durch Alkohol

Starker Alkoholkonsum über längeren Zeitraum kann Blut im Ejakulat zwar nicht verursachen, aber so doch indirekt begünstigen. Nicht nur kann Alkohol zu Leberschäden und damit zu einer direkten Ursache für blutiges Sperma führen, sondern auch zu einem erhöhten Druck in den Gefäßwänden, wodurch Arterien leichter platzen können. Wenn sich immer wieder kleine Blutmengen im Sperma befinden, könnte dies somit auf einen gesundheitsschädlichen Alkoholkonsum hinweisen.

Wann sollte man bei Blut im Sperma zum Arzt?

Wer etwas Blut im Ejakulat entdeckt, muss nicht direkt einen Arzt aufsuchen, da meist geplatzte Äderchen oder kleine Verletzungen verantwortlich für die Blutbeimengung sind – zumal nach intensivem Geschlechtsverkehr oder problematischen Sexualpraktiken wie dem Einbringen von Fremdkörpern. Betroffene sollten in diesem Fall eine Zeitlang auf Geschlechtsverkehr verzichten, damit die Verletzung vollständig abheilen kann.

Tritt über fünf Tage Blut im Sperma auf und kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte in jedem Fall ein Urologe aufgesucht werden. Vor allem bei starken Schmerzen und Knoten in der Leistengegend ist schnelles Handeln angeraten.

Blut im Ejakulat: Behandlung richtet sich nach Ursache

Neben Fragen zu Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wird der Arzt eine Blutdruckmessung sowie Untersuchungen des Ejakulats und des Urins durchführen. Bei Männern ab 40 Jahren werden zusätzliche Laboruntersuchungen und bildgebende Verfahren empfohlen, um Tumore auszuschließen. Allerdings kann in etwa ein Drittel der Fälle trotz umfangreicher Untersuchungen keine Ursache für die Blutbeimengung im Sperma gefunden werden.

Welche Behandlungsmethode bei Blut im Sperma eingesetzt wird, hängt von der Ursache ab. Bakteriell bedingte Entzündungen werden mittels Antibiotika behandelt. Gegen eine gutartige Prostatavergrößerung helfen je nach Schwere der Beschwerden Blasentraining, pflanzliche Präparate, Medikamente oder eine operative Abtragung von Prostatagewebe. Bei Bluthochdruck und Blutgerinnungsstörungen werden ebenfalls Medikamente eingesetzt. Sobald die zugrunde liegende Erkrankung behandelt wird, verschwindet das Blut im Sperma

Blut im Sperma: Hausmittel als Ergänzung zur Behandlung

Ist die Ursache für das blutige Sperma bekannt, kann die medikamentöse Behandlung mit natürlichen Mitteln ergänzt werden. Vor allem Beschwerden, die durch Verletzungen, Entzündungen oder eine gutartige Prostatavergrößerung bedingt sind, lassen sich mit verschiedenen Hausmitteln lindern:

  • Brennnessel- und Birkenblättertee haben sich bei Harnwegsinfekten bewährt, da sie harntreibend und entzündungshemmend wirken. Der Tee sollte aus frischen Blättern hergestellt und bis zu dreimal täglich getrunken werden.

  • Bei einer gutartigen Prostatavergrößerung können Kürbissamen-Extrakte Linderung verschaffen. Sie haben harnanregende Eigenschaften und können so Symptomen wie einem abgeschwächten Harndrang oder Restharnbildung entgegenwirken.

  • Wärme in Form von Wärmflaschen und Umschlägen wirkt entspannend und krampflösend und hilft so bei Entzündungen.

  • Liegt eine bakterielle Infektion vor, sollte man mindestens zwei bis drei Liter stilles Wasser trinken – je mehr, desto besser. Denn viel Trinken hilft dabei, die Erreger aus dem Körper zu spülen.

Außerdem wirken sich eine gesunde Ernährung und der Verzicht auf Alkohol überaus positiv aus, wenn man aufgrund von starkem Bluthochdruck und arteriellen Verletzungen wiederholt Blut im Sperma hat.  

Quellen:

Blut in der Samenflüssigkeit, in: msdmanuals.com

Hämospermie beim jungen Mann, in: online-zfa.de (Zeitschrift für Allgemeinmedizin)

Hämospermie – ein Symptom mit vielen möglichen Ursachen, in: aerzteblatt.de

Hämospermie: Männer ab 40 benötigen zusätzliche Untersuchungen, in: ärzteblatt.de

Prostatakrebs – Symptome, in: krebsgesellschaft.de

Symptome von Hodenkrebs, in: krebsgesellschaft.d