Blind durch Sex? – Viagra kann bleibende Augen-Schäden verursachen

Alternativen zu Viagra
Es gibt Alternativen zu Viagra – ohne Nebenwirkungen sind Potenzmittel aber nie © Fotolia

Die Entdeckung von Viagra im Jahr 1990 war ein Zufallsfund. Eigentlich wollte der Hersteller ein Medikament gegen Herzbeschwerden entwickeln. Seitdem ist die kleine blaue Pille zum meistgenutzten Potenzmittel aufgestiegen. Doch ein Forscherteam fand nun heraus, dass viele Männer mit der Einnahme von Viagra ihr Augenlicht riskieren.

Die kürzlich veröffentlichte Studie der University of New South Wales in Australien zeigt, dass der Viagra-Wirkstoff Sildenafil ein Enzym blockieren kann, dass für die Übertragung von Lichtsignalen durch unsere Netzhaut (Retina) verantwortlich ist.

 

Das Blindheits-Gen

Die Wissenschaftler untersuchten im Tierversuch die grundsätzliche Auswirkung von Sildenafil auf die Sehfähigkeit. Getestet wurden zwei verschiedene Mäusegruppen: Gesunde Tiere und eine Gruppe mit einer genetischen Mutation, die beim Menschen zu der Erblindungskrankheit Retinitis Pigmentosa – eine durch Vererbung oder spontane Gen-Mutation ausgelöste Zurückbildung der Netzhaut – führen kann.

Retinitis Pigmentosa ist beim Menschen die häufigste genetisch bedingte Erblindungskrankheit. In den meisten Fällen tritt sie auf, wenn ein Gen mutiert, das wiederum für die Produktion des in der Retina vorkommenden Enzyms PDE6 verantwortlich ist.

 

Viagra-Wirkung geht zu weit

Und genau bei diesem Enzym besteht die Verbindung zu Viagra. Denn der Wirkstoff Sildenafil blockt nicht nur wie gewünscht das Enzym PDE5 – dieses ist dafür verantwortlich, dass eine Erektion abschwillt –, sondern gleichzeitig auch das PDE6-Enzym in der Netzhaut.

Durch die Hemmung des Retina-Enzyms (PDE6) müsste als theoretisch die Sehfähigkeit nachlassen. Und genau das bestätigt nun die australische Studie: Tatsächlich verschlechterte sich nach der Verabreichung von Sildenafil bei den gesunden Mäusen die Sehfähigkeit. Teilweise kam es zu einem vorübergehenden Verlust des Sehvermögens.

Die Mäuse mit der genetischen Mutation waren noch anfälliger, als die gesunden Mäuse. Sowohl die Mutation als auch der Viagra-Wirkstoff blockierten das Retina-Enzym, weswegen bei dieser Versuchsgruppe die Effekte – wie Seheinschränkungen und Erblindungen – häufiger auftraten und deutlich länger anhielten.

 

Zerstörung der Netzhaut

Bei den Mäusen mit dem mutierten Gen löste die Verabreichung von Sildenafil allerdings auch das Absterben von Photorezeptoren (Degeneration der Retina) aus. Diese Schäden sind bleibend und führen zum anhaltenden Verlust des Sehvermögens.

Nach Aussagen von Studienautorin Lisa Nivison-Smith sei die „Feststellung von großer Bedeutung, da etwa einer von 50 Männern das mutierte Gen“ – das zur Hemmung des Retina-Enzyms führt – „rezessiv in sich trägt“. Viele der Betroffenen tun dies, ohne es zu wissen, da sich die Mutation erst bemerkbar macht, wenn das Gen dominant – also doppelt ­– auftritt, was wiederum sehr selten vorkommt (bei etwa einem von 7.000 Menschen).

 

Sind Viagra-Alternativen genauso gefährlich?

Neben Sildenafil (Viagra) werden zwei weitere Wirkstoffklassen von Ärzten häufig verschrieben. Zum einen Präparate, die auf dem Wirkstoff Vardenafil basieren – z.B. das sehr bekannte Levitra. Allerdings haben Studien gezeigt, dass – trotz des abweichenden Wirkstoffs – diese Präparate ebenso das PDE6-Enzym hemmen.

Eine Alternative sind Produkte wie Cialis, die den Wirkstoff Tadalafil enthalten und keinen Einfluss auf das Retina-Enzym nehmen.

 

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