Bleiben die meisten Herzinfarkte unentdeckt?

Herzschlag
Viele Herzinfarkte bleiben unerkannt, zeigt eine aktuelle US-Studie © Fotolia

Fast 80 Prozent der Herzinfarkte verlaufen symptomlos – zu diesem Ergebnis kommt eine große Studie US-amerikanischer Wissenschaftler. Doch auch wenn er zunächst keine Beschwerden verursacht, kann ein „stummer Herzinfarkt“ gefährlich werden.

Ein Herzinfarkt kann ohne Symptome verlaufen – Experten sprechen dann von einem stummen Infarkt. Dabei kommt es zu dem Verschluss eines Herzkranzgefäßes, ohne typische Anzeichen wie Brustschmerzen und Atemnot. Das Fatale daran: Wird der Infarkt nicht entdeckt, wird er auch nicht behandelt. Bleibt das Gefäß verschlossen, wird der betreffende Bereich des Herzens nicht mehr mit Blut versorgt. Er stirbt ab und vernarbt. Die Folge: Das Herz kann nicht mehr so effektiv arbeiten wie zuvor, es kommt zu einer Herzschwäche. Die wiederum erhöht die Gefahr weiterer Herzinfarkte und anderer Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

 

80 Prozent der Vernarbungen bisher unentdeckt

In einer aktuellen Studie untersuchten Wissenschaftler um David A. Blumke am National Institute of Biomedical Imaging and Bioengineering, wie häufig solche stummen Herzinfarkte vorkommen und unentdeckt bleiben.

Dazu untersuchten sie die Herzen von 1.840 Probanden mittels Kardialer Magnetresonanztomographie (CMR) auf Vernarbungen des Herzmuskels. Die Studienteilnehmer waren zum Zeitpunkt der Untersuchung im Schnitt 68 Jahre alt, 52 Prozent von ihnen waren Männer, 48 Prozent Frauen.

Bei rund acht Prozent der Probanden fanden die Mediziner Narben, die auf einen vorangegangenen Herzinfarkt hindeuteten. Von diesen Vernarbungen waren fast 80 Prozent bisher nicht diagnostiziert worden. Ein Großteil der Probanden mit Vernarbungen am Herzen wies Risikofaktoren wie einen hohen Body-Mass-Index (BMI) oder eine Nikotinabhängigkeit auf.

Die Studie zeigt, dass stumme Herzinfarkte weiter verbreitet sind als bisher angenommen. Die Autoren weisen darauf hin, dass weitere Forschungsarbeiten notwendig seien. Fest stehe aber bereits, dass bei mehr als 70 Prozent der Fälle eines plötzlichen Herztodes ohne vorherige bekannte Herzerkrankungen Vernarbungen am Herzen festzustellen seien.

 

Wie bemerkt man einen stummen Herzinfarkt?

Das Tückische an einem stummen Herzinfarkt ist, dass er keine oder nur wenige Beschwerden verursacht. In vielen Fällen wird der Infarkt erkannt, weil ein Patient an allgemeinem Unwohlsein leidet und deswegen einen Arzt aufsucht. Entsteht in Folge der Vernarbung des Herzens eine Herzschwäche, macht die sich durch Müdigkeit, Schwächegefühle und Kurzatmigkeit bemerkbar. Ein typisches Anzeichen ist die Atemnot in Bewegung, zum Beispiel beim Treppensteigen. Treten solche Symptome plötzlich und ohne bekannte Ursache auf, könnte ein stummer Herzinfarkt dahinterstecken.

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