Blaue Augen schützen vor Winterdepressionen

Redaktion PraxisVITA

Die kalten, nassen und trüben Tage im Winter schlagen vielen Menschen auf die Stimmung – aktuelle Studien zeigen jetzt, dass Menschen mit dunklen Augen sowie Frauen deutlich häufiger betroffen sind. Woran liegt das?

Frau mit blauen Augen im Winter
Menschen mit blauen Augen sind besser vor Winterdepressionen geschützt, zeigt eine neue Studie Foto:  CasarsaGuru/iStock

Traurigkeit, Energielosigkeit, Heißhunger auf Kohlenhydrate – treten solche Symptome in den Wintermonaten auf, kann es sich um eine sogenannte Winterdepression handeln. Ob uns die kalte Jahreszeit seelisch mitnimmt oder ob wir immun gegen den Winterblues sind, hängt auch von körperlichen Merkmalen wie der Augenfarbe und dem Geschlecht ab, wie zwei aktuelle Studien zeigen. Beide Arbeiten werden auf dem jährlichen Kongress der British Psychological Society in Nottingham vorgestellt.

 

Menschen mit dunklen Augen leiden häufiger an Stimmungstiefs

Für die erste Studie befragten Wissenschaftler 175 Studenten der University of South Wales im walisischen Pontypridd und der Girne American University in Nordzypern. Die Auswertung der Antworten ergab, dass Befragte mit braunen Augen deutlich häufiger an Winterdepressionen litten als Teilnehmer mit blauen Augen.

Dafür haben die Forscher auch eine Erklärung: „Wir wissen, dass Licht, das in das Gehirn gelangt, einen Abfall des Melatoninspiegels verursacht“, sagt Prof. Lance Workman von der University of South Wales. Das „Schlafhormon“ Melatonin reguliert unseren Tag-Nacht-Rhythmus: Licht hemmt seine Ausschüttung, wodurch wir am Tag in der Regel wach und in den Nachtstunden schläfrig sind. In den Wintermonaten wird auch tagsüber vermehrt Melatonin ausgeschüttet, was die Entstehung von Winterdepressionen fördert. „Blaue Augen lassen mehr Licht ins Gehirn – möglicherweise führt das zu einem stärkeren Melatoninabfall am Tag und das ist der Grund, warum Menschen mit helleren Augen weniger anfällig für saisonale Depressionen sind.“

Sonne und Stimmung
News Der Sonnenatlas meiner Stimmung

 

Frauen häufiger von Winterdepressionen betroffen

In der zweiten Studie, ebenfalls von Workmans Team, befragten die Forscher insgesamt 2.031 Personen. Dabei zeigte sich: Frauen sind besonders anfällig für saisonale Depressionen – laut Workmans Auswertung sind sie um 40 Prozent häufiger betroffen als Männer. Die Daten ergaben außerdem, dass die Depressionen bei Frauen im gebärfähigen Alter im Schnitt schwerwiegender ausfallen als bei älteren Frauen.

Das brachte Workman dazu, die Studienergebnisse aus evolutionärer Sicht zu interpretieren: Demnach schalteten Mütter in der Steinzeit während der Wintermonate in einen „Energiesparmodus“ um, mit dem Ziel, alle vorhandene Energie für die Sicherung ihres eigenen Überlebens und das ihres Nachwuchses aufzuwenden. Dazu passt der Heißhunger auf energiespendende Kohlenhydrate, der als typisches Symptom einer Winterdepression gilt.

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass alle Frauen mit dunklen Augen im Winter in ein tiefes Stimmungsloch gezogen werden. Und selbst Frauen und Männer, die sich in den trüben Wintertagen traurig und müde fühlen, sind dem Winterblues nicht machtlos ausgeliefert – neben einer Lichttherapie helfen beispielsweise bestimmte Yogaübungen, das Stimmungstief zu überwinden.

Das könnte Sie auch interessieren
Themen
Copyright 2019 praxisvita.de. All rights reserved.