Blasenschwäche: Darüber spricht man doch!

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Diagnose
  4. 4. Behandlung
  5. 5. Vorbeugung
  6. 6. Das sagt der Experte

Schamgefühle, ein soziales Umfeld, das den Ernst der Krankheit nicht erkennt und oft massive Einschränkungen im Alltag – für viele Betroffene ist ihre Blasenschwäche mit großem Leidensdruck verbunden. Gesprochen wird über dieses Tabuthema aber kaum. Umso größer ist der Klärungsbedarf. Frauenärztin Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle kennt sich aus und beantwortet die wichtigsten Fragen zu Blasenschwäche im Experteninterview.

Prof. Dr. Elisabeth Merkle im Experteninterview zu Harndrang und Blasenschwäche
Expertin für Gynäkologie Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle: „Grundsätzlich ist es nie zu spät, aktiv zu werden und eigenständig unterstützend etwas gegen Blasenschwäche und häufigen Harndrang zu unternehmen.“© privat
 

In letzter Zeit muss ich immer häufiger zur Toilette. Wie kann ich meine Blase besser kontrollieren?

Zunächst sollten Sie wissen: Sie können sehr viel in Eigenregie gegen eine Blasenschwäche tun. Ich empfehle Ihnen, über die Anzahl Ihrer Toilettengänge Buch zu führen. Versuchen Sie, die Gänge nach und nach zu reduzieren, indem Sie nicht bei jeder Meldung der Blase sofort reagieren. Zudem sollten Sie mit Beckenboden-Gymnastik beginnen, um die Blase langfristig zu stärken.

 

Ich leide seit einigen Jahren unter Blasenschwäche und merke, dass mein Zustand sich verschlechtert. Hilft jetzt nur noch eine Operation?

Eine solche Symptomatik sollten Sie auf jeden Fall immer mit Ihrem Arzt besprechen. Eine Untersuchung kann abklären, welche Behandlung am sinnvollsten ist. In manchen Fällen hilft tatsächlich nur eine Operation, das ist aber nicht zwangsläufig so. Grundsätzlich ist es nie zu spät, aktiv zu werden und eigenständig unterstützend etwas gegen Blasenschwäche und häufigen Harndrang zu unternehmen. Je früher Sie damit anfangen, desto besser. Auch nach einer jahrelangen Leidensgeschichte besteht Hoffnung, die Beschwerden mit pflanzlichen Medikamenten und Beckenboden-Training zu lindern.

 

Welche pflanzlichen Mittel können bei Blasenschwäche helfen?

Pflanzliche Medikamente sind bei Harndrang eine sanfte, aber effektive Alternative und haben im Gegensatz zu synthetischen Arzneimitteln häufig weniger Nebenwirkungen. Besonders wirksam bei Blasenschwäche und häufigem Harndrang ist eine Kombination aus Arzneikürbis, Gewürzsumach und Hopfen.

 

Stimmt es, dass Cranberrys bei Blasenschwäche helfen?

Cranberrys können zur Vorbeugung von Blasenentzündungen angewendet werden, wirken aber nicht bei Blasenschwäche.

 

Kann ich das Problem eindämmen, indem ich weniger trinke?

Ausreichend trinken ist sehr wichtig für eine gesunde Blase. Selbst wenn der Drang dadurch größer wird, ist ausreichend Flüssigkeit für Sie extrem wichtig, zum Beispiel auch, um Entzündungen vorzubeugen – am besten in Form von Wasser oder Tee.

 

Was kann ich tun, wenn meine Familie oder mein Partner meine Blasenschwäche nicht ernst nehmen?

Das Verständnis Ihres sozialen Umfelds ist sehr wichtig. Suchen Sie deshalb das offene Gespräch mit Ihrem Partner oder Ihrer Familie. Versuchen Sie, ihnen Ihre Gedanken und Ängste zu verdeutlichen. Erklären Sie ihnen, dass Blasenschwäche keine Bagatelle ist, sondern eine Erkrankung, die das alltägliche Leben stark beeinflusst. Sprechen Sie deshalb offen mit Ihrer Familie und machen Sie auch klar, dass Sie sich über Unterstützung freuen.

Im Interview: Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle
Frau Prof. Merkle ist Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. In Stuttgart führt sie eine Privatpraxis und engagiert sich sehr für Patientenaufklärung. Außerdem leitet sie die Sektion Frauengesundheit des Deutschen Grünen Kreuzes.

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