Blasenentzündung durch Kälte

Unsere Expertin für Gynäkologie, Frau Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle, erklärt nicht nur den Zusammenhang zwischen Blasenentzündung und Kälte verständlich – sondern auch, wie man die unangenehme Infektion der Blase durch richtige Hygiene gar nicht erst bekommt.

 

Blasenentzündung durch Kälte - endlich verstehen, wieso uns die Zystitis "kalt erwischt"

Warum begünstigt das Sitzen auf kaltem Boden eine Blasenentzündung durch Kälte, wenn sich doch Bakterien gerade in sehr warmer Umgebung wohlfühlen?

Bakterien mögen Wärme, weil sie sich in einem warmen Nährboden gut vermehren können. Doch wenn der Körper warm gehalten wird, sorgt das auch für eine gute Durchblutung. Ist er der Kälte ausgesetzt, ziehen sich die Gefäße zusammen und die Durchblutung wird schlechter. Liegt bereits eine erhöhte Keimzahl vor und der Körper wird schlecht durchblutet, kann die Entzündung viel eher in die Blase aufsteigen. Wird eine gut durchblutete Schleimhaut mit den Keimen in der Regel noch fertig, ist eine schlecht durchblutete Haut häufig nicht mehr dazu in der Lage, eine Blasenentzündung durch Kälte zu verhindern.

Frauengesundheitsexpertin Prof. Elisabeth Merkle
Frauengesundheitsexpertin Prof. Elisabeth Merkle: „Bei einer Zystitis hilft warm halten, beispielsweise mit einer Wärmflasche auf dem unteren Bauchbereich. Auch warme Bäder helfen, denn sie entspannen und kurbeln die Durchblutung und damit die Selbstheilung an.“© Privat

Um mich vor einer Blasenentzündung durch Kälte zu schützen, sollte ich also auf eine gute Durchblutung in meinem Körper achten?

Genau. Eine Frau nach den Wechseljahren hat beispielsweise aufgrund des Östrogenmangels eine schlechtere Durchblutung in der Harnröhre und Scheide. Damit einher geht eine erhöhte Anfälligkeit für Infektionen, weil die Bakterien nicht mehr so gut abgewehrt werden können.

Was kann die Frau dann tun, um das Risiko einer Erkrankung zu senken?

Wenn eine Frau nach den Wechseljahren immer wieder mit der Symptomatik einer Blasen- oder einer Scheideninfektion zu kämpfen hat, empfehle ich eine örtliche Behandlung mit Östrogen – mit einer Hormonsalbe oder Hormonzäpfchen. So wird der Intimbereich wieder besser durchblutet und somit ihre natürliche Abwehrkraft gestärkt.

Was kann ich tun, wenn ich dann doch an einer Blasenentzündung erkrankt bin?

Das kommt ein bisschen darauf an: Wenn nur leichte Beschwerden vorliegen, kann man selbst tätig werden. Besonders wichtig ist: Viel trinken und regelmäßig die Blase entleeren! So werden die Bakterien aus der Blase gespült. Und natürlich: sich warm halten, beispielsweise mit einer Wärmflasche auf dem unteren Bauchbereich. Auch warme Bäder helfen, denn sie entspannen und kurbeln die Durchblutung und damit die Selbstheilung an. Zusätzlich kann man auf Naturheilmittel zurückgreifen: Goldrutenkraut, Bärentraubenblätter oder Cranberries unterstützen die Genesung. Bis zu 30 Prozent der Blasenentzündungen heilen so von selbst aus.

Ab wann sollte ich zum Arzt gehen?

Wenn starke Beschwerden vorliegen, wie Fieber oder Blut im Urin, sofort. Auch wenn die Beschwerden nach drei Tagen nicht erheblich besser werden, muss unbedingt ein Arzt konsultiert werden.

Wie behandelt der Arzt eine Blasenentzündung?

Er führt zunächst eine Urinuntersuchung durch. Ein Schnelltest bestätigt den Verdacht auf Zystitis. Meist wird dann schon ein Antibiotikum verabreicht. Trotzdem ist auch eine genaue bakteriologische Untersuchung des Urins notwendig. Sie gibt Aufschluss darüber, welche Keime für die Entzündung verantwortlich sind. Entsprechend dem Ergebnis dieser Untersuchung kann die Therapie gegebenenfalls angepasst werden: Es gibt Keime, die resistent gegen bestimmte Wirkstoffe sind. Der Arzt stellt die Therapie dann gegebenenfalls um beziehungsweise verabreicht ein anderes Antibiotikum. Häufig genügt aber schon die Einmalgabe eines Antibiotikums, nur in schweren Fällen muss drei bis manchmal sogar sechs Tage behandelt werden.

Welche Folgen könnte eine unbehandelte Blasenentzündung nach sich ziehen?

Zum einen kann die Zystitis chronisch werden, zum anderen besteht die Gefahr, dass die Entzündung ins Nierenbecken aufsteigt. Die Blase ist über die Harnleiter mit den Nieren verbunden und somit ist die Gefahr einer Nierenbeckenentzündung hoch. Wenn neben den Symptomen einer Blasenentzündung noch Schmerzen im Flanken-/Rückenbereich auftreten, sollte schnellstens ein Arzt aufgesucht werden.

Eine Frau trinkt Tee
Um einer Zystitis vorzubeugen, sollten Sie täglich zwei bis drei Liter trinken und regelmäßig Ihre Blase entleeren© Fotolia

Um gar nicht erst zu erkranken, was kann ich noch tun?

Sehr wichtig ist: Täglich viel trinken! Zwei bis drei Liter sollten es sein. Und nicht vergessen dann auch regelmäßig die Blase zu entleeren. So werden die Keime ausgespült. Zur entsprechenden Hygiene ist bei Frauen vor allem wichtig, das Toilettenpapier richtig zu benutzen: von vorne nach hinten, um die Darmkeime nicht nach vorne zu tragen!

Sind Toiletten mit eingebauter Intimdusche empfehlenswert?

Die Intimdusche ist empfehlenswert, allerdings sind solche Toiletten sehr preisintensiv und kommen deshalb für viele Menschen nicht in Frage. Die Reinigung mit Papier und anschließend mit Wasser und Reinigungslotion ist ebenso effektiv. Prinzipiell gilt zu beachten: Nicht zu viel und nicht zu wenig waschen! Eine übertriebene Hygiene zerstört die normale Abwehrkraft. Das gesunderhaltende Mittelmaß: Zweimal täglich den Intimbereich reinigen und nach jedem Stuhlgang!

Im Interview: Frau Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle
Frau Prof. Dr. Dr. Elisabeth Merkle ist Mitglied der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen. In Stuttgart führt sie eine Privatpraxis und engagiert sich sehr für Patientenaufklärung. Außerdem leitet sie die Sektion Frauengesundheit des Deutschen Grünen Kreuzes.

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