Blähungen nachts: Was sind die Ursachen und was hilft?

Benjamin Müller Medizinredakteur

Mit Luft im Bauch hatte wohl fast jeder schon mal zu kämpfen. Gerade nachts suchen Blähungen viele Menschen heim und raubt ihnen mitunter sogar die Nachtruhe. Woher kommen Blähungen nachts, und was kann man dagegen tun?

Inhalt
  1. Was sind die Ursachen von nächtlichen Blähungen?
  2. Blähungen nachts: Können Essgewohnheiten verantwortlich sein?
  3. Kann eine Krankheit hinter Blähungen nachts stecken?
  4. Was hilft gegen nächtliche Blähungen?
  5. Wie beuge ich Blähungen in der Nacht vor?

Blähungen, auch nachts, sind ganz normal. Als Nebenprodukt des Verdauungsvorgangs werden Gase von der natürlichen Darmflora produziert. Somit ist Gasbildung ein ganz normaler Prozess, der auch in einem gesunden Darm auftritt. Im Normalfall werden die Gase vom menschlichen Körper problemlos wiederaufgenommen und über die Lungen ausgeschieden.

Tritt mehr Darmgas auf, als über die Lunge ausgeschieden werden kann, nimmt es einen anderen Weg aus dem Körper: Über den Darmausgang, häufig begleitet von Geräuschen und Gerüchen. Dann spricht man von einer Flatulenz.

Auch das ist vollkommen normal. Der gesunde Durchschnittsmensch produziert täglich etwa 20 Flatulenzen, die sich größtenteils aus Kohlenmonoxid und Schwefelwasserstoff zusammensetzen. Erst wenn deutlich häufiger Gas abgegeben wird, der Blähbauch stark unangenehm ist oder sogar Schmerzen bereitet weil die Luft nicht richtig aus dem Körper geleitet wird, können Blähungen nachts auf eine Krankheit hinweisen.

 

Was sind die Ursachen von nächtlichen Blähungen?

Nächtliche Blähungen sind bis zu einem bestimmten Grad natürlich. Grund für die Flatulenzen im Bett ist meist schlicht und einfach, dass sich der Körper entspannt.

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Tagsüber werden die meisten Gase durch die angespannte Darmmuskulatur und die Schließmuskeln des Anus im Darm gehalten. In der Nacht entspannt sich diese Muskulatur jedoch und die entstehenden Gase strömen ungehindert aus dem Darmausgang.

Es wird also nachts nicht unbedingt mehr Gas produziert, es wird nur weniger gut zurückgehalten. Dazu kommt, dass die meisten Menschen liegend schlafen, wobei sich Darmgase im Dünndarm ansammeln können, bevor sie austreten. So kann es nachts und am frühen Morgen zu ungewöhnlich intensiven Flatulenzen kommen.

 

Blähungen nachts: Können Essgewohnheiten verantwortlich sein?

In der großen Überzahl aller Fälle von übermäßigen, nächtlichen Blähungen und Bauchschmerzen ist die Ernährung die Ursache. So kann beispielsweise zu spätes Essen einer großen Mahlzeit zu dicker Luft im Schlafzimmer führen. Das liegt daran, dass die Darmflora direkt nach der Nahrungsaufnahme die größten Mengen Gas produziert.

Doch auch wenn das Abendessen eher leicht ausfällt, kann es nachts verstärkt zu Blähungen kommen. Der Grund: Der vollständige Prozess von der Nahrungsaufnahme bis zur Gasbildung kann bei gesunder Verdauung bis zu sechs Stunden dauern. Das macht einen Blähbauch am Abend und in der Nacht generell wahrscheinlicher, da das über den Tag aufgenommene Essen dann Zeit hatte zu fermentieren und vollständig verdaut zu werden.

Und nicht zuletzt ist zu beachten, dass bestimmte Lebensmittel bei der Verdauung grundsätzlich mehr Gas freisetzen als andere.

Zu den Nahrungsmitteln, die Blähungen nachts besonders fördern, zählen:

  • kohlensäurehaltige Getränke
  • Früchte wie Blaubeeren und Äpfel
  • Gemüse wie Spargel und Kohl
  • Bohnen
  • Alkohol
  • Vollkornprodukte
  • Milchprodukte
  • Künstliche Süßungsmittel wie Xylit

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Dazu kommen jegliche Lebensmittel, für die der eigene Körper eine Unverträglichkeit oder Allergie entwickelt hat. Werden große Mengen dieser Nahrungsmittel verzehrt, kann es zu nächtlichen Blähungen kommen.

 

Kann eine Krankheit hinter Blähungen nachts stecken?

Wer seine Ernährung bereits angepasst hat, um Blähungen zu reduzieren und trotzdem anhaltend unter starken Blähungen leidet, der sollte einen Arzt aufsuchen, um andere Ursachen zu identifizieren.

Neben den bereits erwähnten Lebensmittelunverträglichkeiten und -allergien können Blähungen unter anderem auf einen Darmverschluss, Störungen im Hormonhaushalt des Körpers oder das Reizdarmsyndrom hindeuten. Auch eine Darmentzündung (Enteritis), die Autoimmunerkrankung Morbus Crohn und verschiedene Krankheiten und Schädigungen der Leber können Blähungen nachts verursachen.

 

Was hilft gegen nächtliche Blähungen?

Entscheidend für die Therapie von Menschen, die nachts unter Blähungen leiden, hängt vor allem von der Ursache der Beschwerden ab. In den meisten Fällen besteht keine medizinische Notwendigkeit zur Therapie, da die nächtliche Muskelentspannung für den Körper sinnvoll ist und nicht mit konstriktiv wirkenden Wirkstoffen gehemmt werden sollte.

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Ist die Ernährung der Grund für zu viel Luft im Bauch, kann eine gezielte Umstellung das Problem abschwächen oder auflösen. So werden zu viel Getreide, Eiweiß und Zucker vom Ernährungsplan gestrichen und eventuelle Unverträglichkeiten behandelt. Auch sollte ab einer bestimmten Uhrzeit nichts mehr gegessen werden, um die nächtlichen Verdauungsprozesse zu minimieren. Darüber hinaus kann Tee als Hilfe gegen übermäßige Blähungen fungieren. Besonders wirksam sind dabei Tees mit Fenchel, Kümmel oder Salbei sowie Ingwertee.

Sind Blähungen nachts dagegen ein Symptom einer unterliegenden Krankheit des Verdauungstrakts oder der Leber, so muss diese gezielt behandelt werden. Bei erfolgreicher Therapie sollten auch die Blähungen wieder zurückgehen.

 

Wie beuge ich Blähungen in der Nacht vor?

Wer vermeiden möchte, nachts mit Blähungen kämpfen zu müssen, der kann eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, um die Gasbildung auf ein Minimum zu bringen.

Zu den besten Maßnahmen zählen:

  • keine späten Mahlzeiten
  • blähungsfördernde Lebensmittel vermeiden
  • bewusst und langsam essen, um keine Luft zu schlucken
  • nicht mit Strohhalmen trinken, um keine Luft zu schlucken
  • sportliche Aktivität
  • viel Wasser trinken

Wer diese Maßnahmen ergreift und sich eines sonst gesunden Verdauungstrakts erfreut, der sollte die Blähungen nachts schnell wieder in den Griff bekommen.

Quellen:

  • Degen. (2004). Blähungen: Ist alles nur Luft?. PRAXIS, 93(21), 915-917.
  • Bühring, U. (2005). Problemfall Blähungen. Zeitschrift für Phytotherapie, 26(01), 27-29.
  • Harder, H., Hernando-Harder, A. C., & Singer, M. V. (2005). Meteorismus–Ursachen und gezielte Therapieansätze. Dtsch Arztebl, 102, 3264-3270.
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