Bissverletzungen richtig einschätzen und behandeln

Kinderärztin Dr. Nadine Hess
Expertin Dr. Hess: „Eine Verletzung im Bereich der Hand sollte ernst genommen werden, da es zu Infektionen kommen kann.“ © Privat

Eine Bissverletzung ist besonders an der Hand nicht nur unangenehm, sondern kann auch gefährlich werden. Aber was können die Folgen solcher Wunden sein und wann sollte deswegen ein Arzt aufgesucht werden?

 

Das sagt die Kinderärztin Dr. Nadine Hess

Immer wieder hört man, dass Bissverletzungen mit zu den schlimmsten Verletzungen gehören. Aber welche Bisse sind schlimmer: Die von Menschen oder die von Tieren? Und wie sollte eine solche Wunde behandelt werden? Fakt ist: Bissverletzungen, egal ob von Tier oder Mensch, bergen ein relativ hohes Infektionsrisiko. Besonders gefährlich sind hierbei Menschen- und Katzenbissverletzungen. Bei Menschenbissen ist einer der Hauptgründe das Keimspektrum, durch das die Wunde infiziert werden kann. Katzenbisse sind  vor allem wegen der spitzen, scharfen Zähnchen gefährlich: Es kommt nicht selten vor, dass diese auch den Knochen verletzen.

Eine Verletzung im Bereich der Hand sollte immer sehr ernst genommen werden. Das liegt in erster Linie an den Durchblutungsverhältnissen. Denn Hände sind im Vergleich zu anderen Körperstellen schlechter durchblutet, was eine Entzündung wahrscheinlicher macht. Zum anderen sind die knöchernen Strukturen der Hand und auch die Gelenke von nur wenig Gewebe bedeckt. Dadurch können sie leichter bei einem Biss verletzt werden, was immer ein hohes Infektions- und Komplikationsrisiko birgt.

 

Vorsicht bei bakteriellen Entzündungen

Die spitzen Katzenzähnchen können bei Bissen gefährlich sein
Bei Katzen- oder Tierbissen im Allgemeinen sollte man vorsichtig sein, da die Zähne der Vierbeiner stark genug sein können, um bis zum Knochen vorzudringen© Fotolia

Kommt es durch einen Biss zu einer Infektion, tritt diese in der Regel schnell auf – meistens innerhalb von 24  Stunden nach dem Ereignis. Die Wunde sollte genau beobachtet werden: Verändert sie sich optisch innerhalb dieser Zeitspanne nicht und verstärken sich die Schmerzen nicht noch mehr, ist es eher unwahrscheinlich, dass es noch zu einer bakteriellen Entzündung kommt. Bei einer Bissverletzung, die beispielsweise stark blutet oder bei der man den Verdacht hegt, dass sie besonders tief geht, muss immer ein Arzt aufgesucht werden. Aber grundsätzlich würde ich bei Bissverletzungen mit einem Arztbesuch großzügig sein, auch wenn die Wunde nicht so schlimm erscheint - erstens kann die Wunde intensiv gesäubert, desinfiziert und begutachtet werden. Und zweitens muss immer auch der Tetanusschutz, also die Impfung gegen Wundstarrkrampf,  überprüft werden. Das kann der Arzt am besten kontrollieren, wenn zur Untersuchung direkt der Impfausweis mitgebracht wird.

Ob es sinnvoll ist, die Verletzung mit Antibiotika zu behandeln, hängt vom Einzelfall ab. Ich persönlich würde sie Zweifel lieber einmal mehr einsetzen, als einmal zu wenig. Insbesondere, wenn es um richtige Bissverletzungen an der Hand geht.

 

Wann müssen Bisswunden genäht werden?

Früher hieß es immer: Bissverletzungen soll man nicht nähen. Das ist heute nur noch eingeschränkt richtig, in Einzelfällen kann beispielsweise an der Hand durchaus genäht werden. Im Gesicht hingegen wird bei schweren Bissverletzungen beinahe immer genäht, damit die Wunde mit dem kosmetisch bestmöglichen Ergebnis verheilen kann. Außerdem scheint die Infektionsrate im Gesicht nach einer chirurgischen Versorgung mit Naht geringer zu sein, als an anderen Körperstellen. Zum Glück kommen schwere Gesichtswunden durch Bisse aber ohnehin selten vor.

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