Bipolare Störungen – was als Therapie infrage kommt

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Die bipolare Störung ist eine chronische, unbehandelt immer wiederkehrende Erkrankung, die in der Regel eine lebenslängliche Behandlung erfordert. Eine Heilung ist zurzeit noch nicht möglich. Das liegt vor allem daran, dass bei einer bipolaren Störung eine genetische Veranlagung vorliegt, die mit einer Therapie nicht behoben werden kann.

Es ist deshalb sehr wichtig, dass Betroffene versuchen, ihre Krankheit und die Notwendigkeit einer dauerhaften medikamentösen Behandlung zu akzeptieren. Je besser der Patient und mit dem Arzt zusammenarbeitet und je konsequenter er sich der notwendigen Therapie unterzieht, desto besser ist die Prognose.

Grundsätzlich setzt diese sich die Therapie aus zwei Hauptbestandteilen zusammen: Der medikamentösen Therapie und einer begleitenden Psychotherapie. Während die medikamentöse Therapie vor allem zum Ziel hat, Stimmung, Antrieb, Aktivität und Schlafverhalten der Betroffenen zu normalisieren, sollen Patienten durch die Psychotherapie wieder sozial integriert und ihre Ausbildungs- und Berufsfähigkeit wieder hergestellt werden. Bei der Therapie unterscheiden Ärzte drei Therapieformen, die zeitlich aufeinander folgen:

  • Die Akuttherapie soll in einer akuten Episode die depressiven oder manischen Symptome eindämmen, nicht zuletzt, um die Einsicht des Patienten wiederherzustellen, dass er krank und behandlungsbedürftig ist.  
  • Wenn die akuten Symptome abgeklungen sind, ist eine Erhaltungstherapie erforderlich, um die noch immer etwas wackelige Gefühlslage des Betroffenen weiter zu stabilisieren und Rückfälle zu verhindern.
  • Die Phasenprophylaxe soll langfristig verhindern, dass weitere manische oder depressive Episoden auftreten. Außerdem soll der Patient sozial und beruflich so weit wie möglich wieder in das normale Alltagsleben eingegliedert werden.

Bei der medikamentösen Therapie muss der Arzt für jeden Patienten individuell entscheiden, welche Medikamente am besten geeignet sind. Nicht jedes Medikament ist für jeden Patienten verträglich oder wirkt bei jedem Patienten gleich gut. Es kann deshalb einige Zeit dauern, die Therapie zu optimieren. Ein gutes Vertrauensverhältnis und eine gute Zusammenarbeit des Patienten mit dem Arzt sind deshalb von entscheidender Bedeutung für den Erfolg der Behandlung. Für die medikamentöse Therapie stehen verschiedene Arten von Medikamenten zur Verfügung:

  • Stimmungsstabilisierer stellen häufig die Grundlage der medikamentösen Behandlung bei allen drei Therapieformen dar. Lithium ist ein chemisches Element, das bereits seit Jahrzehnten zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt wird und bis heute als Medikament der Wahl gilt, da es mehrere nützliche Eigenschaften vereint: Es ist bei genauer Dosierung und Einnahme relativ gut verträglich, es hat eine ausgeprägte stimmungsstabilisierende Wirkung in manischen Phasen, wirkt außerdem anti-depressiv und hat als einziges aller verwendbaren Medikamente gleichzeitig eine anti-suizidale Wirkung. Das ist aufgrund der hohen Selbstmordrate bei manisch-depressiven Erkrankungen von besonderer Bedeutung. Alternativ können Antiepileptika wie Carbamazepin, Valproat und Lamotrigin  verabreicht werden. Antiepileptika werden hauptsächlich zur Behandlung von Krampfanfällen eingesetzt, haben aber auch anti-manische oder anti-depressive Wirkung.
  • Ist die Behandlung mit Stimmungsstabilisierern alleine nicht ausreichend, kann der Arzt vor allem bei schweren Depressionen zusätzlich Antidepressiva verschreiben. Eine Komplikation bei der Anwendung von Antidepressiva besteht darin, dass ihre Einnahme den Wechsel von der Depression in eine manische Phase auslösen kann. Das wird als Switch-Risiko bezeichnet. Es stehen jedoch mittlerweile einige neue Antidepressiva mit einem relativ geringen Switch-Risiko zur Verfügung.
  • Zur Behandlung akuter Manien kann der Arzt außerdem Antipsychotika wie Aripiprazol, Asenapin, Olanzapin, Risperidon oder Ziprasidon einsetzen. Sie erhöhen auch die Wirksamkeit von Medikamenten, die zur Phasenprophylaxe eingesetzt werden.

Ergänzend zur medikamentösen Therapie sollten Patienten mit einer bipolaren Störung auf jeden Fall eine Psychotherapie in Anspruch nehmen.

  • Durch die Psychotherapie sollen die Betroffenen ein besseres Verständnis von ihrer Krankheit erlangen und die Notwendigkeit einer lebenslangen Therapie akzeptieren.
  • Der Patient soll wieder an einen geregelten Tagesablauf herangeführt werden und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus entwickeln.
  • Depressive Patienten werden bei der Planung von Aktivitäten unterstützt, die sie aus ihrer Passivität und Antriebslosigkeit herausreißen. Für manische Patienten ist es hingegen wichtig, Strategien zu erlernen, mit denen sie sich vor Reizüberflutung schützen können.
  • Besonders bedeutsam ist es, dass Betroffene ihre eigenen Stressfaktoren erkennen und lernen, diesen entgegenzuwirken.
  • Die Betroffenen erlernen außerdem, auslösende Situationen und Frühwarnzeichen für eine herannahende neue Episode zu erkennen und darauf richtig zu reagieren.

Ergänzend zur medikamentösen Therapie und zur Psychotherapie kann der Arzt abhängig vom individuellen Krankheitsverlauf weitere ergänzende Maßnahmen vorschlagen. Besonders häufig werden folgende Therapien eingesetzt:

  • Lichttherapie: Hierbei schaut der Patient täglich und bevorzugt am Morgen nach dem Aufstehen für einige Zeit in eine helle Lichtquelle. Die Lichttherapie hilft vor allem bei saisonal bedingten Depressionen, also wenn Sie besonders in der dunklen Jahreszeit an depressiven Phasen leiden.
  • Wachtherapie: Depressionen können beim Menschen durch bestimmte Hormone begünstigt werden, die bevorzugt in der zweiten Nachthälfte ausgeschüttet werden. Bei einer Wachtherapie wird der Betroffene in dieser kritischen Phase am Schlafen gehindert und die Freisetzung der Hormone wird unterbunden. Die Wachtherapie ist sehr wirkungsvoll bei der Behandlung akuter Depressionen.

Elektrokrampftherapie: Auch wenn die Bezeichnung Elektrokrampftherapie bei vielen Menschen negativ belegt ist, ist sie vor allem bei der Behandlung schwerer depressiver und manischer Zustände eine der wirksamsten Therapien und wird vor allem dann angewendet, wenn ein hohes Selbstmordrisiko besteht und die medikamentöse Therapie nicht schnell genug wirken würde. Die Behandlung erfolgt in Vollnarkose und besteht darin, dass im Gehirn mithilfe von zwei Elektroden ein kurzer Krampfanfall ausgelöst wird. Hierdurch werden Neurotransmitter freigesetzt, die für die Stimmungsstabilisierung wichtig sind.

Vorbeugung
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