Biontech – neue Studie: Sind Corona-Genesene besser geschützt als Geimpfte?

Daphne Sekertzi

Sind Menschen, die eine Corona-Erkrankung überstanden haben, besser vor dem Virus geschützt als mit Biontech geimpfte Personen? Das jedenfalls geht aus einer aktuellen Studie aus Israel hervor. Die Ergebnisse erscheinen eindeutig, aber die Studie unterschlägt einen ganz entscheidenden Aspekt.

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Inhalt
  1. Genesene infizieren sich seltener als Biontech-Geimpfte
  2. Kritik an Studie: Natürliche Immunität ist mit Gefahren verbunden
  3. Corona-Impfung schützt vor schwerem Verlauf

Ein israelisches Forscher-Team um Tal Patalon und Sivan Gazit haben in einer groß angelegten Studie herausgefunden, dass Genesene besser vor dem Coronavirus geschützt sind. Zu dem Ergebnis kamen die Forscher:innen, nachdem sie die Daten von rund 32.000 Mitgliedern der zweitgrößten israelischen Krankenkasse ausgewertet haben.

Die Forscher:innen verglichen dabei die Daten von Menschen, die sich bis zum 28. Februar haben impfen lassen, mit den Daten von Genesenen, die sich im selben Zeitraum mit Corona infizierten. Dabei stand die Zahl der Infektionen in den beiden Gruppen von Anfang Juni bis Mitte August im Fokus.

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Genesene infizieren sich seltener als Biontech-Geimpfte

Die Auswertung der Daten habe ergeben, dass die vollständig Geimpften ein 13 Mal höheres Infektionsrisiko haben als ungeimpfte Corona-Genesene: Im Beobachtungszeitraum der Studie hätten sich 257 Menschen mit Corona angesteckt. Darunter seien 238 Geimpfte und nur 19 Genesene gewesen. Letztere hätten sogar dann noch ein sechsfach geringeres Infektionsrisiko gehabt, wenn sie bereits im Dezember an Corona erkrankt seien. Die natürliche Immunität ist somit den Studienergebnissen zufolge stärker als der Schutz durch die Biontech-Impfung.

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Kritik an Studie: Natürliche Immunität ist mit Gefahren verbunden

Was die Studie jedoch unterschlägt, sind die Risiken und Folgen einer Corona-Infektion. Die natürliche Immunität mag zwar einen größeren Schutz vor SARS-CoV-2 bieten, aber sie muss mitunter hart erkämpft werden, wie die Biologin Meredith Wadman in einem Artikel im Fachmagazin Science schreibt. Eine Infektion birgt immer die Gefahr, einen schweren Krankheitsverlauf oder Long-COVID zu entwickeln oder im schlimmsten Fall daran zu sterben. Sich absichtlich mit Corona zu infizieren, nur um sich nicht impfen lassen zu müssen, geht daher mit einem großen Gesundheitsrisiko einher.

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Corona-Impfung schützt vor schwerem Verlauf

Genau darin liegt der entscheidende Vorteil der Corona-Impfung gegenüber der natürlichen Immunität: Sie schützt in den allermeisten Fällen vor einem schweren, tödlichen Verlauf, wie auch die Studienergebnisse zeigen. Denn keine der infizierten Personen starb an COVID. Vollständig Geimpfte haben jedoch nicht nur ein drastisch reduziertes Sterberisiko, wenn sie an Corona erkranken. Die Wahrscheinlichkeit einer Infektion ist zudem extrem gering. So haben sich in der Studie nur 238 von den rund 16.000 Geimpften mit Corona infiziert – und somit nur weniger als 1,5 Prozent.

Quellen:

Gazit, Sivan [u.a] (2021): Comparing SARS-CoV-2 natural immunity to vaccine-induced immunity: reinfections versus breakthrough infections, in: medrxivorg.com

Wadman, Meredith: Having SARS-CoV-2 once confers much greater immunity than a vaccine—but vaccination remains vital, in: science.org

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