Bindungsangst: Ursachen, Symptome und was hilft

Benjamin Müller Medizinredakteur

Einige Menschen suchen lange nach der großen Liebe, schrecken dann aber aus Angst zurück und nehmen lieber eine Trennung in Kauf – der Grund: Bindungsangst. Was sind die Ursachen und Symptome von Bindungsangst und wie kann man sie überwinden?

Mann umarmt Frau, die den Kopf in die Hände stützt
Wer unter Bindungsangst leidet, zieht sich häufig vom Partner zurück Foto:  iStock-1145066948 Viacheslav Peretiatko
Inhalt
  1. Die Ursachen von Bindungsangst
  2. An diesen Symptomen erkennt man Bindungsangst
  3. Bindungsangst kann zu Beziehungsunfähigkeit führen
  4. Wie kann man die Bindungsangst überwinden?
  5. Was tun, wenn mein Partner Angst vor einer Beziehung hat?

Ist die Furcht vor einer echten Partnerschaft zu groß, spricht man von Bindungsangst. Eine ernste, eng verbundene Beziehung ist für viele mit Ängsten verbunden, denn niemand macht sich gerne verletzlich. Diesen furchterregenden Schritt muss man aber machen, will man eine langfristige Beziehung aufbauen. Was hindert manche Menschen daran, diese Hürde zu meistern?

 

Die Ursachen von Bindungsangst

Betroffene wollen lieben und sehnen sich meist sogar nach einer Beziehung, doch gleichzeitig empfinden sie die feste Bindung an einen Partner als Bedrohung. Die Furcht vor der emotionalen oder körperlichen Vertrautheit ist größer als die Sehnsucht nach einer Partnerschaft. Aus Angst vor Nähe, Angst vor einer Beziehung oder Angst vor der Liebe selbst – die Bindungsangst ist so vielfältig wie diejenigen, die an ihr leiden.

Während manche zum Beispiel fürchten, durch die verschiedenen Verpflichtungen einer Partnerschaft selbst zu kurz zu kommen, wollen andere vermeiden, von einem klammernden Partner in der eigenen Freiheit eingeschränkt zu werden. Viele verlieben sich in Menschen, die unerreichbar, vielleicht vergeben sind. Oder sie suchen sich immer den falschen Partner, der ihnen nicht guttut.

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An diesen Symptomen erkennt man Bindungsangst

So unterschiedlich die individuellen Ängste auch sein mögen, so ähnlich sind die Folgen für eine bestehende Partnerschaft.

Beziehungsangst äußerst sich durch folgende Anzeichen:

  • emotionaler Rückzug vom Partner
  • räumliche Distanz durch Arbeit oder Hobbys
  • Vermeiden körperlicher Zuwendung
  • Betroffene sprechen nicht über ihre Gefühle
  • Betroffene machen keine Pläne für die Zukunft
  • Betroffene haben oft keine engeren Freunde

Menschen mit Bindungsangst können zudem die Beziehung aus heiterem Himmel beenden, obwohl eigentlich noch Zuneigung zum Partner besteht. Als Singles haben die meisten Betroffenen trotzdem ein starkes Bedürfnis nach menschlicher Zuneigung, das sie jedoch lieber durch One-Night-Stands oder lockere Affären erfüllen – oder eben durch einen neuen Versuch mit dem verstoßenen Partner, der häufig bereits nach kurzer Zeit in einer Trennung endet. So können jahrelange On-Off-Beziehungen entstehen. Sind die Betroffenen verheiratet, ist die Partnerschaft durch viele Ehekrisen gekennzeichnet.

Aber die Bindungsangst ist nicht allein psychisch: In schweren Fällen kann sie sich auch körperlich äußern. Fühlen sich Bindungsängstliche von einer Beziehung eingeengt, können Anspannung, Schweißausbrüche und Herzrasen auftreten. Manche reagieren sogar mit Panikattacken.

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Bindungsangst kann zu Beziehungsunfähigkeit führen

Die Bindungsangst kann letztlich in eine Beziehungsunfähigkeit resultieren: Eine langjährige, stabile Partnerschaft zu erhalten, erscheint unmöglich. Die Gründe dafür sind vielfältig: Viele Betroffene haben beispielsweise schmerzhafte Trennungen hinter sich und versuchen sich unbewusst vor einer erneuten Verletzung zu schützen. Hinter der Beziehungsunfägikeit steckt dann meist eine Verlustangst. Geht man keine Beziehung ein oder beendet diese, bevor es ernst wird, schützt man sich vor dem Schmerz, der durch den Verlust des Partners entsteht. 

Aber auch schlechte Kindheitserfahrungen durch eine traumatische Trennung der Eltern oder ein zu distanziertes oder einengendes Verhältnis zur eigenen Mutter oder zum Vater können Ursachen für eine Beziehungsunfähigkeit sein.

Und schließlich hält auch ein stark negatives Selbstbild davon ab, sich romantisch zu binden. Wer sich selbst keine Liebe entgegenbringen kann, der kann sich häufig auch nicht auf die Liebe anderer einlassen.

 

Wie kann man die Bindungsangst überwinden?

Wer befürchtet, selbst an einer Bindungsangst zu leiden, sollte sich selbst reflektieren. Wie so oft besteht der erste Schritt zur Besserung in der Selbstreflexion. Dabei müssen einige große Fragen geklärt werden:

  1. Fürchte ich mich wirklich vor Beziehungen, oder möchte ich gerade einfach lieber das Single-Leben genießen? Was erwarte ich von meinem Leben und meinen Beziehungen?
  2. Wovor genau fürchte ich mich: Vor Enttäuschung? Vor emotionaler Abhängigkeit? Vor eingeschränkten Freiheiten?
  3. Was könnte meine Angst ausgelöst haben? Was möchte ich tun, um sie zu überwinden?

Wenn diese Fragen geklärt sind, kann nach einer Lösung für das Problem gesucht werden. In vielen Fällen kann kontinuierliche, nüchterne Hinterfragung der eigenen Sorgen reichen, damit die Angst an Intensität verliert. Helfen kann auch, sich positive Beispiele für Beziehungen vor Augen zu führen, an denen man sich in seinem eigenen Liebesleben orientieren kann.

Ist die Bindungsangst intensiver, kann professionelle Hilfe notwendig sein. Mithilfe einer Therapie kann den Ursachen der Furcht auf den Grund gegangen und ein individueller Weg zur Besserung gefunden werden.

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Was tun, wenn mein Partner Angst vor einer Beziehung hat?

Eine Beziehung mit einem bindungsängstlichen Menschen kann den Partner schwer belasten. Er muss mit den Auswirkungen der Angst leben und wird durch die für ihn unverständliche Abweisung verletzt. Häufig versuchen Partner dann, die verlorene Nähe durch intensivere Liebesbekundungen wiederherzustellen. So kann ein Teufelskreis aus Zuneigung und Rückzug entstehen, der in der Trennung mündet.

Vermutet man beim Partner eine Beziehungsangst, sollte man nicht warten, bis die eigene seelischen Gesundheit darunter leidet. Neben Selbstreflexion und intensiven Gesprächen kann auch eine Paartherapie dabei helfen, die Bindungsangst zu überwinden.

Quelle:

Cuppen, Hannah (2016): Liebe und Bindungsangst: Freiburg im Breisgau, Verlag Herder

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