Risiko schwaches Bindegewebe Bindegewebsschwäche: Ursachen, Symptome und Folgen

Carolin Banser Medizinredakteurin
Bindegewebsschwäche
Bindegewebsschwäche bezeichnet im Allgemeinen eine nachlassende Stabilität und Festigkeit des Bindegewebes © istock/Staras
Inhalt
  1. Was ist Bindegewebsschwäche?
  2. Welche Funktionen hat das Bindegewebe?
  3. Welche Ursachen kann eine Bindegewebsschwäche haben?
  4. Durch welche Symptome äußert sich eine Bindegewebsschwäche?
  5. Wie verläuft die Diagnose bei einer Bindegewebsschwäche?
  6. Welchen Arzt sollte ich bei Bindegewebsschwäche konsultieren?
  7. Welche Folgen hat eine Bindegewebsschwäche?
  8. Wie lässt sich einer Bindegewebsschwäche vorbeugen?

Eine Bindegewebsschwäche kann sich auf viele Arten bemerkbar machen. Häufig wird sie mit Cellulite, Besenreisern und Dehnungsstreifen in Verbindung gebracht. Entgegen der weitverbreiteten Ansicht handelt es sich bei Bindegewebsschwäche aber nicht nur um ein kosmetisches Problem, sondern häufig auch um ein medizinisches. Welche Ursachen eine Bindegewebsschwäche haben kann, woran sie zu erkennen ist und wie wir uns vor einer Schwächung des Gewebes schützen können, lesen Sie hier.

 

Was ist Bindegewebsschwäche?

Grafik Bindegewebsschwäche im Querschnitt
Beschädigungen in der Hautstruktur bezeichnen Mediziner als Bindegewebsschwäche. Die stützenden Kollagenfasern werden schwächer und lassen die Haut wellig wirken

Das Bindegewebe sitzt an vielen Stellen unseres Körpers. Nicht nur die äußere Haut, sondern auch viele innere Organe sind von einer Bindegewebsschicht umhüllt. Gewebsschichten, die einzelne Gewebe voneinander abtrennen, können erschlaffen. So auch das Bindegewebe. Im Laufe des Lebens vermindert sich die Zelldichte im Bindegewebe. Bindegewebszellen können beschädigt werden und absterben. Dadurch verhärten sie sich und werden starr, die Elastizität und ihre Funktionsfähigkeit lassen stark nach. Diese Beschädigungen an der Struktur bezeichnen Mediziner als Bindegewebsschwäche.

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Welche Funktionen hat das Bindegewebe?

Das Bindegewebe hat viele Funktionen. Wenn es seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen kann oder an Elastizität verliert, liegt eine Bindegewebsschwäche vor. Lesen Sie hier, was das Bindegewebe für unseren Körper leistet:

  • Stütz- und Gerüstfunktion

Das Bindegewebe ist das Stützgewebe des menschlichen Körpers und nimmt rund 60 Prozent der gesamten Körpermasse ein. Es setzt sich aus Bindegewebszellen und zellfreier Substanz (Wasser, Eiweiß und Fasern) zusammen und dient der Stabilisierung und dem Schutz von Muskeln, Gelenken, Knochen, Gefäßen und Organen.

  • Wasserspeicher

Neben seiner Stütz- und Gerüstfunktion ist das Bindegewebe auch für die Versorgung der Organe wichtig: Aufgrund des hohen Wassergehalts dient es als Wasserspeicher und ermöglicht dadurch den Transport von Nährstoffen und Sauerstoff zu den Organen und Muskeln, sowie von Kohlendioxid und Abfallprodukten aus den Organen in die abführenden Blutgefäße.

  • Abwehrreaktion

Eine besonders wichtige Funktion des Bindegewebes ist die Abwehrreaktion. Die im Bindegewebe enthaltenen Abwehr- und Entzündungszellen dienen als Barriere gegen eindringende Fremdkörper und sorgen gegebenenfalls für die Beseitigung verschiedenster Erreger.

  • Energiespeicher

Das Bindegewebe dient ebenso als Energiespeicher, wofür vor allem das Fettgewebe (gehört zum lockeren Bindegwebe) verantwortlich ist.

Östrogenmangel in den Wechseljahren
Vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren kann eine Bindegewebsschwäche aufgrund von Hormonveränderungen zu einer Gebärmuttersenkung führen © istock/Nerthuz
 

Welche Ursachen kann eine Bindegewebsschwäche haben?

Mediziner haben verschiedene Ursachen für eine Bindegewebsschwäche identifiziert:

1. Hormonschwankungen und körperliche Veränderungen

Östrogen sorgt für ein festes Bindegewebe. Mit der verminderten Produktion des weiblichen Geschlechtshormons verlieren Frauen in den ersten zwei Jahren nach Eintritt ihrer Wechseljahre etwa 40 Prozent des funktionellen Kollagens im Unterhautgewebe. Dabei handelt es sich um die stützenden Gewebebestandteile. Die Kollagenfasern werden schwächer und lassen das Unterhautfettgewebe hervortreten, was zu einer welligen Oberfläche der Haut führt.

Auch bei jungen Mädchen können vor allem in der Pubertät aufgrund der hormonellen Veränderungen Dehnungsstreifen entstehen, besonders bei schnellem Wachstum. Die Pubertät wird durch die Ausschüttung von Östrogenen eingeleitet. Diese Hormone beeinflussen die gesamte Körperentwicklung der Mädchen und bestimmen maßgeblich die Entstehung der weiblichen Körperform. Bedingt durch die Hormonschübe entwickeln die jungen Frauen in dieser Zeit starken Appetit, sodass die Mädchen zu viel essen und die Haut außerdem infolge der Gewichtszunahme reißen kann.

Auch eine Hormonveränderung in der Schwangerschaft führt mitunter zu einem schwachen Bindegewebe.

Bindegewebsschwäche in der Schwangerschaft
Schwangerschaftsstreifen entstehen durch eine starke Dehnung des Bindegewebes. Ärzte empfehlen, spätestens ab der zwölften Schwangerschaftswoche mit dem Eincremen der Haut zu beginnen und dies täglich bis zum Ende der Schwangerschaft durchzuhalten © istock/skynesher

2. Krankheiten

Das Marfan-Syndrom ist eine äußerst seltene, genetisch bedingte Erkrankung des Bindegewebes. Der Gendefekt führt zu einer veränderten Struktur der Bindegewebsfasern, das Bindegewebe ist im gesamten Körper instabil. Patienten mit einem Marfan-Syndrom leiden u.a. unter überlangen Gliedmaßen, überdehnbaren Gelenken, einem schmalen Körperbau, schief stehenden Zähnen sowie Herz- und Gefäßerkrankungen.

3. Ernährung

Einer Bindegewebsschwäche kann auch durch eine Übersäuerung des Körpers begünstigt werden. Über das Bindegewebe werden Nährstoffe an die Zellen und Abfallstoffe, zu denen auch Säuren gehören, gegeben. Sämtliche Säuren (z.B. durch säurebildende Nahrungsmittel wie Fleisch, Wurst, Fisch und Milchprodukte) sollen mittels Basen neutralisiert werden. Ist das Bindegewebe hingegen übersäuert, ist der Körper nicht mehr fähig, alle Säuren zu binden, zu neutralisieren und dann auszuscheiden. Die Folge: Der Organismus muss die Säuren einlagern, was nachhaltig das Bindegewebe schwächt.

4. Medikamente

Die Einnahme bestimmter Medikamente (z.B. Cortison) kann auf Dauer eine Übersäuerung des Körpers bewirken und zur Entwicklung einer Bindegewebsschwäche führen.

 

Durch welche Symptome äußert sich eine Bindegewebsschwäche?

Aufgrund der vielseitigen Funktionen des Bindegewebes fallen die Symptome bei einer Fehlfunktion des Bindegewebes sehr unterschiedlich aus.

Äußere Symptome einer Bindegewebsschwäche

Wird die Hautoberfläche von dem Bindegewebe nicht mehr richtig gestützt, bilden sich deutlich sichtbare Dellen in der Haut, die besonders deutlich am Gesäß und an den Oberschenkeln hervortreten können (Cellulite/Orangenhaut). Bei manchen Menschen zeigt sich die erschlaffte Haut auch am Bauch und an den Oberarmen. Auch Dehnungsstreifen, die sich überwiegend auf den Brüsten, dem Bauch, den Hüften und den Oberschenkeln bemerkbar machen, können ein schwaches Bindegewebe anzeigen.

Dort, wo Dehnungsstreifen auftreten, sieht die Haut aus, als ob sie gerissen ist. Es handelt sich hierbei um Gewebeverletzungen der Haut, die infolge einer Überdehnung der Haut auftreten. Sie haben kurz nach der Entstehung meist eine bläuliche Färbung und verblassen nach und nach, bis nur noch ein heller Streifen zurückbleibt. Die Dehnungsstreifen sind weder schmerzhaft noch gefährlich. Dennoch können sie eine psychische Belastung für die Betroffenen darstellen. Einige Patienten entwickeln eine behandlungsbedürftige psychische Störung wie beispielsweise eine Depression.

Eine Bindegewebsschwäche im Gesicht kann außerdem eine Rosazea oder Couperose hervorrufen.

Innere Symptome einer Bindegewebsschwäche

Zu inneren Symptomen kommt es erst bei einer fortgeschrittenen Bindegewebsschwäche. In diesem Stadium hat das Bindegewebe bereits so viel an Stabilität verloren, dass es die inneren Organe nicht mehr richtig stützen kann. Infolge dessen sinken sie ab. Eine besonders schwere Form dieser körperlichen Störung ist die Hernie. Eine Hernie entsteht, wenn ein Teil des Körpers durch einen Spalt in einen anderen Teil des Körpers ragt. Hernien kommen oft im Bauchraum vor – so kann sich der obere Magenteil dort in den Brustraum hineinstülpen, wo die Speiseröhre durch das Zwerchfell läuft. Klassisches Symptom einer Hernie ist eine Wölbung im Bereich der Bauchdecke. Häufig tritt zudem ein brennender Schmerz auf, wenn die Hernie entsteht.

Dehnungsstreifen durch Bindegewebsschwäche

Als Dehnungsstreifen werden Gewebsverletzungen bezeichnet, die in Folge einer starken Überdehnung im Bindegewebe entstehen © istock/Petardj

 

Wie verläuft die Diagnose bei einer Bindegewebsschwäche?

Eine Bindegewebsschwäche lässt sich erst im fortgeschrittenen Stadium an Hautveränderungen erkennen. Cellulite, Dehnungsstreifen und Krampfadern gelten als sichere Anzeichen für die Diagnose einer Bindegewebsschwäche.

Zeigen sich Funktionsstörungen der inneren Organe z.B. an der Lunge (Atemnot), dem Herz (Herzrhythmusstörungen) oder dem Auge, werden pneumologische, kardiologische und augenärztliche Untersuchungen vorgenommen. Manchmal empfiehlt der Arzt zusätzlich eine Genuntersuchung, um den Verdacht auf das Marfan-Syndrom zu entkräften oder zu bestätigen.

 

Welchen Arzt sollte ich bei Bindegewebsschwäche konsultieren?

Sichere optische Anzeichen für ein schwaches Bindegewebe kann Ihr Hautarzt feststellen.

Bei Verdacht auf Marfan-Syndrom sind Kardiologe, Orthopäde und Augenarzt die richtigen Ansprechpartner.

Haben Sie Sorge, unter einer Hernie zu leiden, suchen Sie am besten Ihren Hausarzt oder einen Gastroenterologen auf.

 

Welche Folgen hat eine Bindegewebsschwäche?

Cellulite/Orangenhaut

Cellulite zählt zu den häufigsten Symptomen einer Bindegewebsschwäche. Die Fasern des Gewebes in der Unterhaut verlaufen bei Frauen senkrecht, ähnlich wie Säulen, zur Hautoberfläche. Erschlaffen die Bindegewebsfasern, können sich wachsende Fettzellen – anders als beim netzförmigen Bindegewebe eines Mannes – leicht durch die Lücken zwischen diesen Säulen nach oben drücken. Durch die darüberliegende Lederhaut dringt das Fettgewebe bis an die Oberhaut vor. Dort führt es zu den bekannten sichtbaren Dellen und Auswölbungen.

Männliches und weibliches Bindegewebe
Fettzellen können sich im Bindegewebe der Frau (rechts im Bild) viel leichter durchdrängen als beim netzförmigen Bindegewebe eines Mannes © istock/ttsz

Besenreiser

Die Ursache für Besenreiser ist eine Bindegewebsschwäche an den Beinen. Sie sorgt dafür, dass die Venenwände mit der Zeit ausleiern. Dadurch können die Venenklappen nicht mehr richtig schließen, und das Blut kann nicht ausreichend zum Herzen gepumpt werden. Folge: Das Blut staut sich in den kleinen Gefäßen und wird in Form von feinen rötlich-blauen Adern unter der Haut sichtbar. Gesundheitlich bedenklich sind Besenreiser nicht – von Gefäß-Spezialisten werden sie allerdings als Warnvenen bezeichnet, denn sie können ein Anzeichen für tiefer gelegene Krampfadern sein.

Krampfadern

Ein erhöhter Blutstau in den Beinvenen führt dazu, dass der Druck in den Gefäßen steigt und sie dauerhaft anschwellen lässt. Neben den hervortretenden Krampfadern kann es zu Hautrötungen und -verhärtungen sowie schwerwiegenden Durchblutungsstörungen kommen.

Krampfadern durch Bindegewebsschwäche
Krampfadern sind erweiterte, oberflächliche, geschlängelte Venen, vor allem an den Beinen, die Folge einer angeborenen Bindegewebsschwäche sein können © istock/Scio21

Hämorrhoidalleiden

Eine der häufigsten Ursachen für entzündete und/oder vergrößerte Hämorrhoiden ist eine Bindegewebsschwäche im Bereich des Beckenbodens. Die erschlaffte Muskulatur bedingt die schmerzhaften Ausstülpungen des Enddarms.

Gebärmuttersenkung

Normalerweise ist das Beckenbodengewebe in der Vagina straff gespannt. Es stützt Blase und Gebärmutter. Mit den Jahren wird das Gewebe schwächer. Die Gebärmutter senkt sich ab und drückt auf die Blase. Das verstärkt den Harndrang. Beim Wasserlassen kann sich die Blase in manchen Fällen durch die Fehlstellung nicht mehr richtig entleeren. Der Restharn begünstigt schmerzhafte Blasenentzündungen.

 

Wie lässt sich einer Bindegewebsschwäche vorbeugen?

Mediziner gehen davon aus, dass sich mit folgenden Maßnahmen Bindegewebsschwäche lindern lässt und ihr effektive vorgebeugt werden kann:

Sport

Jede Art von Bewegung stärkt das Bindegewebe, steigert die Durchblutung, fördert den Stoffwechsel und glättet so die Haut. Es muss nicht gleich die Hochleistungsvariante sein: Ideal sind täglich 30 Minuten Nordic Walking, Joggen oder Schwimmen.

Nordic Walking beugt Bindegewebsschwäche vor
Jede Art von Bewegung stärkt das Bingewebe. Ideal sind 30 Minuten täglich © istock/f9photos

Wechselduschen

Ergänzend zum Sport regen wir mit dieser Maßnahme die Durchblutung der Haut an und sorgen dafür, dass Abbauprodukte aus dem Gewebe geleitet werden. So wird’s gemacht: den Wasserstrahl von den Zehen über den Fußrücken übers Knie bis zur Leiste führen – zuerst mit warmem, dann deutlich kürzer mit kaltem Wasser (dreimal wiederholen).

Ausgewogene Ernährung

Experten empfehlen, weniger Fleisch zu essen. Fisch sollte hingegen öfter auf den Tisch kommen, ebenso fettarme Milchprodukte sowie Hülsenfrüchte. Der Grund: Sie enthalten viele Aminosäuren, die das Bindegewebe festigen. Gemüse und Obst sind ebenfalls eine Wohltat für die Haut. Vor allem Vitamin C stärkt das Gewebe – besonders viel davon findet sich etwa in Zitrusfrüchten, Sanddornbeeren und Acerolakirschen.

Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Wird das Bindegewebe ausreichend mit Flüssigkeit versorgt – Experten empfehlen mindestens anderthalb bis zwei Liter Wasser oder ungesüßten Tee zu trinken –, wirkt die Haut straffer und die Abfallprodukte des Stoffwechsels können besser abtransportiert werden.

Massagen und Cremes

Bürstenmassagen und eine wirksame Hautpflege mit Cremes, Lotionen, Ölen und Salben insbesondere während der Schwangerschaft können außerdem eine hautstraffende Wirkung haben.

Nikotinverzicht

Nikotin verengt die Blutgefäße, vermindert dadurch die Durchblutung und kann die Fasern des Bindegewebes schädigen.

Hat alle Vorbeugung nichts genützt, können Sie hier nachlesen, wie Sie eine Bindegewebsschwäche richtig behandeln.

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