Bindegewebsschwäche behandeln

Carolin Banser Medizinredakteurin
Besenreiser durch Bindegewebsschwäche
Die sichtbaren dünnen Venenverästelungen unter der Haut können von einer Bindegewebsschwäche herrühren. Die Venenverödung ist die gängigste Methode, um Besenreiser effektiv zu behandeln © istock/dimid_86

Liegt eine Bindegewebsschwäche vor, muss vor deren Behandlung zunächst die Ursache geklärt werden. Da erbliche Veranlagung zu den wesentlichen Ursachen einer Bindegewebsschwäche gehört, zielt eine Therapie in erster Linie darauf ab, Faktoren, die eine schädigende Wirkung auf das Gewebe haben und Cellulite und Dehnungsstreifen begünstigen, einzudämmen. Die Dermatologie bietet vielfältige Behandlungsmöglichkeiten, um Besenreiser und Krampfadern erfolgreich zu bekämpfen. Sind bei einer Bindegewebsschwäche die inneren Organe betroffen, müssen weitere Schritte eingeleitet werden.

 

Im Kampf gegen die Orangenhaut

Ein großer Teil der Bindegewebsveränderungen beruht auf einer genetischen Veranlagung. Eine erbliche Bindegewebsschwäche kann nicht vollständig geheilt werden, dennoch gibt es einige Methoden, die das Bindegewebe zumindest positiv beeinflussen. Zu den offensichtlichen Symptomen der angeborenen Bindegewebsschwäche zählt vor allem Cellulite. Mit diesen Maßnahmen können Sie das Hautbild wieder verbessern:

Sport

Um das Bindegewebe zu stabilisieren, ist eine Gewichtsnormalisierung sinnvoll. Bei Übergewicht verliert das Bindegewebe seine Elastizität. Die Folge sind Cellulite, Dehnungsstreifen und sichtbar erschlaffte Haut an Bauch, Brust und Oberarmen (Winkearme). Regelmäßiger Sport – Mediziner empfehlen mindestens zweimal wöchentlich eine Dreiviertelstunde – hilft dabei, schlank zu bleiben und Übergewicht vorzubeugen. Am besten eignet sich eine Kombination aus Ausdauersportarten wie Walking, Radfahren sowie Schwimmen und Krafttraining wie Bauch-Beine-Po-Übungen, Aquajogging und Gymnastik. Je mehr Muskeln aufgebaut werden, desto weniger können sich Fettzellen ausbreiten. Außerdem sorgt Sport für eine verstärkte Durchblutung und Entgiftung des Bindegewebes und hält es dadurch straff und elastisch.

Gesunde Ernährung

Die Ernährung beeinflusst den Zustand des Bindegewebes maßgeblich. Eine ungesunde Ernährungsweise, die viel Alkohol, Zucker, Fett, Kaffee oder Nikotin einschließt, kann schwaches Bindegewebe hervorrufen. Der Körper braucht die richtigen Nährstoffe für die Zellerneuerung. Grundpfeiler bei der Behandlung einer Bindegewebsschwäche sollte deshalb ein Ernährungsplan sein.

Besonders hilfreich sind Obst und Gemüse, da sie Ballaststoffe enthalten, die die Bindegewebsstruktur stärken. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt 650 Gramm täglich. Die Reduktion der Zufuhr von Zucker und tierischen Fetten unterstützt einen gesunden Aufbau des Bindegewebes. Die WHO gibt an, dass nur maximal fünf Prozent des täglichen Kalorienbedarfs über Zucker gedeckt werden sollte (etwa 25 Gramm pro Tag).

Eine tägliche Flüssigkeitszufuhr von mindestens zwei Litern stillem Wasser und ungesüßten Tees schwemmt schädliche Abbauprodukte aus dem Körper und sorgt dafür, dass sich die Zellstruktur allmählich regeneriert.

Weitere Tipps zur Ernährung bei Bindegewebsschwäche finden Sie hier.

Wechselduschen

Kalt-warme Wechselduschen können für eine glattere Haut sorgen. So geht’s: Bei jedem Duschen drei Mal im Wechsel einen warmen und kühlen Wasserstrahl von den Füßen aufwärts über den Körper führen.

Massagen

Diese drei Massagen können das Bindegewebe zusätzlich stimulieren:

1. Zupfmassage

Für die Zupftechnik die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen, anheben und wieder loslassen. Zwei Minuten lang je Oberschenkel, Bauch und Hüften so massieren.

2. Rollmassage

Die Hand zu einer lockeren Faust ballen, auf den Oberschenkel legen und mit leichtem Druck so lange hin- und herwiegen, bis ein Wärmegefühl auf dem Oberschenkel spürbar wird. Beide Oberschenkel auf diese Art von allen Seiten sanft kneten.

3. Streichmassage

      Den Handballen auf den Oberschenkel legen und mit fließender Bewegung vom Körper wegstreichen – vorn, seitlich und hinten. In flottem Rhythmus die Massage mit beiden Händen etwa eine Minute wiederholen.

Zupfmassage gegen Bindegewebsschwäche
Betroffene können die Durchblutung ihrer Haut und damit auch deren Elastizität unterstützen – zum Beispiel mit einer sanften Zupfmassage © istock/John Sommer

Chirurgische Maßnahmen

Wenn Sport, eine gesunde Ernährung, Wechselduschen und Massagen keine Besserung bringen, kann schlaffe oder gerissene Haut im Rahmen einer Operation entfernt werden. Lesen Sie hier, welche Therapien geeignet sind.

 

Behandlung von Erkrankungen

Eine Bindegewebsschwäche hat nicht nur kosmetische Auswirkungen, sondern auch medizinische. So kann ein schwaches Bindegewebe die Entstehung von Leistenbrüchen (Hernien) oder Bandscheibenvorfällen begünstigen. Auch Besenreiser, Krampfadern, eine Gebärmuttersenkung und Probleme mit den Hämorrhoiden können infolge einer Bindegewebsschwäche auftreten.

Welche Behandlungsmethoden versprechen bei welchem Krankheitsbild Linderung?

Leistenbrüche

Leistenbrüche verheilen nicht von selbst, im Gegenteil: Unbehandelt vergrößern sie sich oft. Zudem besteht die Gefahr, dass sich Darm- oder Fettgewebe in der Ausstülpung verfängt und abgeschnürt wird. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich. Zur Behandlung gibt es verschiedene Techniken: Bei der sogenannten Lichtenstein-Technik wird bei örtlicher Betäubung ein etwa sechs bis sieben Zentimeter langer Schnitt in der Leiste gemacht. Bei der sogenannten „Schlüsselloch-OP“ setzt der Chirurg während der Vollnarkose drei kleine Schnitte rund um den Nabel.

Bandscheibenvorfall

In der Regel lassen sich Bandscheibenvorfälle gut ohne Operation behandeln. Medikamente und physikalische Therapien, wie zum Beispiel Krankengymnastik, können helfen. Falls eine konservative Therapie sechs Wochen lang keinen Fortschritt bringt und die Beschwerden den Alltag stark einschränken, ist ein chirurgischer Eingriff möglicherweise sinnvoll. Sofort operiert werden sollte, falls ein Patient über Lähmungserscheinungen oder Inkontinenz klagt.

Besenreiser und Krampfadern

Wenn Krampfadern schmerzen und deutlich hervortreten, ist das sogenannte Venen-Stripping Mittel der Wahl. Bei dem 30–90-minütigen Verfahren wird – je nach Größe und Anzahl – das betroffene Gefäß über einen kleinen Schnitt in der Leiste oder Kniekehle durchtrennt und mit einer Sonde entfernt. Der Eingriff erfolgt unter örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose.

Die Verödung hingegen ist bei Besenreisern effektiv und eine völlig schmerzfreie Methode. Die erkrankten Gefäße werden mit feinen Nadeln etwa 30–90 Minuten lang punktiert. Dann wird ein Schaum gespritzt, der die Venenwand reizt. Die Gefäße verkleben und verschließen sich nach einigen Wochen.

Hämorrhoidalleiden

In den meisten Fällen ist die Behandlung von Hämorrhoiden mit einfachen Mitteln möglich. Weitere Informationen finden Sie hier. Zur schnellen Linderung empfehlen Experten Salben mit dem Wirkstoff Quinisocain. Er lindert Juckreiz und stillt kleinere Blutungen. Länger anhaltende Beschwerden sollten Sie jedoch auf jeden Fall ärztlich abklären lassen.

Beckenbodengymnastik gegen Bindegewebsschwäche
Bei leichten Formen der Gebärmuttersenkung hilft Beckenbodengymnastik © istock/f9photos

Gebärmuttersenkung

Bei einer Gebärmuttersenkung kommen zuerst konservative Therapiemaßnahmen infrage wie z.B. Beckenbodengymnastik. Stellt sich keine Besserung ein, sollte eine operative Behandlung der Gebärmuttersenkung erfolgen.

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