Bifidobakterien: Abwehrkünstler für einen gesunden Darm

Michelle Kröger

Sogenannte Bifidobakterien halten schädliche Bakterien und Krankheitserreger fern. Die Aufnahme von Probiotika kann dabei helfen, genauso wie die richtige Ernährung.

Frau mit Joghurtbecher der Hand
Bifidobakterien befinden sich vor allem in Sauermilchprodukten wie Joghurt Foto:  istock/lightfieldstudios
Inhalt
  1. Was sind Bifidobakterien?
  2. Was können Bifidobakterien bewirken?
  3. Reizdarmsyndrom: Hilfe durch Bifidobakterien
  4. Wie kann ich Bifidobakterien zuführen?
  5. In welchen Nahrungsmitteln stecken Bifidobakterien?
  6. Gewusst, was und wie: Keine blinde Einnahme

Um die Bifidobakterien ausreichend mit Nahrung zu versorgen, empfiehlt es sich, viele unverdauliche Kohlenhydrate (auch: Ballaststoffe) zu sich zu nehmen. So können sich die Bifidobakterien dauerhaft ansiedeln, was nicht nur der Darmgesundheit dient. Dr. Matthias Riedl erklärt, warum Bifidobakterien so wichtig sind.

 

Was sind Bifidobakterien?

Unter den sogenannten Bifidobakterien versteht man im Körper natürlich vorkommende, nicht krankmachende Bakterien. Es handelt sich um Probiotika, die eine Behandlung von Reizdarm, Magen-Darm-Beschwerden (z.B. Durchfall, Verstopfung) oder bei der Sanierung der Vaginal- oder Darmflora unterstützend wirken können. Bifidobakterien zählen zu den wichtigsten Bestandteilen einer funktionierenden, gesunden Darmflora. Sie halten nicht nur Krankheiten fern, sondern stärken auch das Immunsystem bzw. die Abwehrkräfte eines Menschen. Wer sich richtig ernährt, bei dem siedeln sich die Bakterien dauerhaft im Darm an. 

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Was können Bifidobakterien bewirken?

Doch wie funktioniert dieser für uns so vorteilhafte Prozess im Körper überhaupt? „Bifidobakterien senken den pH-Wert im Dickdarm, indem sie Glucose zu Milchsäure fermentieren”, sagt Dr. Matthias Riedl. Das saure Milieu verhindert die Ansiedlung von Krankheitserregern wie etwa Salmonellen, Clostridien oder E-Coli. Unsere Darmflora bleibt somit im Gleichgewicht – und eine Dysbiose wird verhindert.  „Wir wissen heute, dass die Zusammensetzung der Darmflora über viele Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Diabetes, Krebs, MS, Darmentzündungen oder gar Depressionen mitentscheiden.”

Über eine gesunde Darmflora lässt sich laut dem Experten vieles beeinflussen. Zum Beispiel das Risiko für:

  • Krebs
  • Bluthochdruck
  • Nervenerkrankungen
  • Diabetes
  • Übergewicht
  • psychische Erkrankungen

„Eine gesunde Darmflora optimiert unser Immunsystem, verbessert unsere Ausdauer- und Leistungsfähigkeit, regt Verdauung und Darmbewegungen an und versorgt die Darmschleimhaut und unsere Nervenreparaturzellen (Neurogliazellen) über die kurzkettigen Fettsäuren Buttersäure, Essigsäure und Propionsäure”, erklärt Dr. Riedl. Dabei sind diese Säuren eigentlich nur Stoffwechselprodukte der guten Darmbakterien, zu denen auch die Bifidobakterien gehören.

 

Reizdarmsyndrom: Hilfe durch Bifidobakterien

Wissenschaftlichen Studien zufolge können sich Bifidobakterien positiv auf Durchfallerkrankungen sowie das Reizdarmsyndrom auswirken. Ergebnisse haben gezeigt, dass die Mikroorganismen für eine Normalisierung der Stuhlkonsistenz sorgen sowie der Entstehung von Blähungen entgegenwirken. Mediziner gehen mittlerweile sogar davon aus, dass fehlende Bifidobakterien in der Darmflora das Reizdarmsyndrom auslösen können. 

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Wie kann ich Bifidobakterien zuführen?

Wussten Sie es? Babys nehmen die nützlichen Bakterien durch die Muttermilch auf. Aus diesem Grund können Säuglinge, die gestillt werden auch einen höheren Anteil der Mikroorganismen im Darm auf, als Säuglinge, die nicht gestillt werden. Schon Babys profitieren also von diesem natürlichen Schutz vor Erregern. 

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Doch später als Erwachsener nehmen wir sie vor allem über unverdauliche Ballaststoffe auf (z.B. Flohsamenschalen). Und: „Da Bifidobakterien zu den Milchsäurebakterien zählen, können wir sie auf natürliche Art und Weise durch den Verzehr von naturbelassenen Sauermilchprodukten und milchsauereingelegtem Gemüse aufnehmen”, erläutert Dr. Riedl. Außerdem gibt es diverse Probiotika, die zum Aufbau der Darmflora geeignet sind. Diese Präparate enthalten die gleichen Bifido- und Laktobazillen, die auch natürlicherweise im Darm vorkommen.

Bei erwachsenen Menschen entsprechen etwa 25 Prozent der Darmbakterien Bifidobakterien. Bei Säuglingen sind es bis zu 95 Prozent der Darmbakterien.

 

In welchen Nahrungsmitteln stecken Bifidobakterien?

Experte Dr. Riedl erklärt: „Milchsäurebakterien kommen in einigen Sauermilchprodukte vor.” Dazu zählen etwa:

  • Naturjoghurt
  • Kefir
  • Ayran
  • Dickmilch
  • Buttermilch

Außerdem gibt es beispielsweise probiotische Joghurts, Drinks, Brot- und Backwaren sowie probiotischen Käse oder Brotaufstrich. Doch wir können Bifidobakterien auch mithilfe anderer Lebensmittel aufnehmen. So entstehen sie zum Beispiel auch bei der Vergärung von eingelegtem Gemüse wie Sauerkraut oder Chinakohl (Kimchi).

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„Darüber hinaus sollte auf eine ballaststoffreiche Ernährung geachtet werden”, so Dr. Riedl. Bei Ballaststoffen handelt es sich um komplexe Kohlenhydratverbindungen aus pflanzlichen Lebensmitteln, die nur teilweise im Darm abgebaut werden können. „So fördert beispielsweise der Ballaststoff Inulin das Wachstum von Bifidobakterien.” Die Bifidobakterien “ernähren” sich also quasi davon – und das sorgt dafür, dass sie sich so dauerhaft in unserem Darm ansiedeln können. Zu den inulinreichen Gemüsesorten zählen:

  • Pastinaken
  • Chicorée
  • Schwarzwurzel
  • Topinambur
 

Gewusst, was und wie: Keine blinde Einnahme

Abseits der simplen Unterstützung der Gesundheit, kann es auch ratsam sein, Medikamente mit Probiotika einzunehmen. Diese werden vom Arzt verordnet und sind in der Apotheke erhältlich. Sie können gezielt spezielle Erkrankungen lindern und enthalten probiotische Keime, die speziell und nur für diesen Zweck gedacht sind. Aus diesem Grund sollte man keineswegs selbst Arzt spielen – es ist sehr wichtig, die richtigen Bakterien zu sich zu nehmen. Nicht umsonst wurden in den letzten Jahrzehnten die unterschiedlichsten Bakterienstämme auf ihren Nutzen für unsere Gesundheit untersucht. Je nach Symptom oder Erkrankung sollte ein anderes Probiotikum verwendet bzw. eingenommen werden.

Unser Experte: Dr. Matthias Riedl, Diabetologe, Ernährungsmediziner, Internist, Geschäftsführer, ärztlicher Direktor und Bestsellerautor (www.medicum-hamburg.de). Das MEDICUM HAMBURG ist Europas größtes und ältestes Zentrum für Diabetes und Ernährungsmedizin. 2019 feierte die Diabetesabteilung 75-jähriges Jubiläum.

Quellen:

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