Betreutes Wohnen: Das müssen Sie jetzt wissen

Alexander Scherb

Betreutes Wohnen wird von älteren Menschen immer öfter genutzt. Welche Unterschiede bieten die verschiedenen Möglichkeiten und welche Vor- und Nachteile hat die Betreuungsmöglichkeit für ältere Menschen?

Eine Gruppe von Senioren verbringt gemeinsam ihre Freizeit
Beim betreuten Wohnen bekommen Senioren Hilfe bei ganz alltäglichen Dingen. Ein Pflegeheim kann es jedoch nicht ersetzen Foto:  Katarzyna Bialasiewicz/iStock
Inhalt
  1. Was ist betreutes Wohnen?
  2. Wer sollte betreutes Wohnen nutzen?
  3. Betreutes Wohnen in den eigenen vier Wänden
  4. Wie teuer ist betreutes Wohnen?
  5. Finanzielle Unterstützung
  6. Dies sollten Sie vor einem Umzug beachten
 

Was ist betreutes Wohnen?

Beim betreuten Wohnen handelt es sich um eine Betreuungsmöglichkeit für Personen, die geistig und/oder körperlich eingeschränkt sind und deshalb Probleme bei der eigenständigen Bewältigung des Alltags haben. Der Begriff betreutes Wohnen kann zu Irritationen führen, denn man verbindet mit ihm oftmals eine umfangreiche Versorgung der Bewohner. Dies ist aber in den seltensten Fällen der Fall. Daher passt der Begriff „Service-Wohnen“ eher.  Die Leistungen reichen von der Betreuung in einer Wohnung mit Hausmeisterservice über altersgerechte Wohnungen mit Zimmerservice bis zu hotelähnlichen Anlagen mit Sauna, Wellness und Essensausgabe.

 

Wer sollte betreutes Wohnen nutzen?

Wichtig: Betreutes Wohnen kann ein Pflegeheim nicht ersetzen. Pflegebedürftige Menschen sollten betreutes Wohnen deshalb nicht in Anspruch nehmen. Wertvoll kann betreutes Wohnen dann werden, wenn die Bewohner geistig noch fit sind, aber Schwierigkeiten mit den alltäglichen Dingen haben, wie beispielsweise Treppensteigen, Wäsche waschen oder kleinere Reparaturen in der Wohnung. Der Vorteil: Die meisten Bewohner befinden sich in einer ähnlichen Situation. Man kann die Probleme des Nachbarn nachvollziehen. Durch die ähnlichen Lebensumstände können sich Freundschaften besser entwickeln, man stößt auf mehr Verständnis.

 

Betreutes Wohnen in den eigenen vier Wänden?

Viele ältere Menschen wollen ihre eigenen vier Wände nicht abgeben. Sie fühlen sich natürlich dort am wohlsten, wo sie schon seit Jahren leben. Deshalb denken viele über einen Wohnungs-Service nach. Doch diese Dienste sind oft sehr teuer und bieten trotz bestem Service nur selten einen Service rund um die Uhr. Zudem muss bei Notfällen die Wohnung oft langwierig vom jeweiligen Dienst angefahren werden. Betreutes Wohnen bietet bei Notfällen Soforthilfe und steht jederzeit zur Verfügung. Auch wenn es manch älterer Person schwerfällt, in solchen Fällen ist betreutes Wohnen die bessere Alternative. Für alte Menschen, die gern in Gesellschaft sind und Raum für Individualität brauchen, sind Senioren-Wgs eine gute Lösung. 

Ist eine Betreuung erforderlich, bekommen Pflegebedürftige Unterstützung vom Staat. Wie oft die Betreuerin oder der Betreuer zu Ihnen nach Hause kommt, wird von Fall zu Fall und mit Ihnen zusammen entschieden
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Wie teuer ist betreutes Wohnen?

Der Markt für betreutes Wohnen reguliert sich selbst und unterliegt keiner Reglementierung. Daher können die Preise für eine Wohnung in solch einer Anlage je nach Region stark schwanken. Trotzdem kann man grobe Schätzungen anstellen. Die Miete für eine Wohnung beispielsweise kostet durchschnittlich etwa zehn Prozent mehr, als die ortsübliche Kaltmiete. Natürlich müssen auch im betreuten Wohnen Nebenkosten wie Heizung, Strom, Abwasser und Müllabfuhr gezahlt werden.

Bei den Dienstleistungen ist keine Preisschätzung möglich, da die Einrichtungen die Preise selbst ansetzen. Fast immer muss der Preis für die Dienstleistungen einmal im Monat als Festpreis gezahlt werden und wird auch dann in vollem Umfang abgebucht, wenn in einem Monat mal keine Leistungen in Anspruch genommen wurden. Manchmal können die Wohnungen auch gekauft werden, auch hier liegen die Preise etwas höher als bei herkömmlichen Wohnungen der Region.

 

Betreutes Wohnen: Bekommt man finanzielle Unterstützung?

Mit einem Wort: Ja! Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung vom Staat anzufordern. Manche Einrichtungen werden öffentlich gefördert, weshalb hier ein sogenannter Wohnberechtigungsschein benötigt wird. Damit hat man aber auch den Anspruch auf die (Teil-)Zahlung der Miete. Auch Wohngeld kann beantragt werden. Einkommensschwache Personen können auf diesen Mietzuschuss hoffen. Das Sozialamt kann vielen Personen finanziell ebenfalls unter die Arme greifen. Wie viel der Person zusteht, muss dann individuell entschieden werden. Es gibt noch zahlreiche andere Möglichkeiten, betreutes Wohnen zu bezuschussen. In einigen Fällen übernehmen auch Pflegeversicherungen oder Krankenkassen verschiedene Leistungen, wie etwa eine medizinische Behandlungspflege.

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Vorsicht bei…

Die Begriffe "betreutes Wohnen" und "Service-Wohnen" sind nicht geschützt. Deshalb kann die Qualität der Versorgung stark schwanken. Vor einem Umzug in eine Einrichtung, die betreutes Wohnen anbietet, sollte sich deshalb ausführlich informiert werden. Wichtig ist es, sich die Vertragsunterlagen genau durchzulesen und bei offenen Fragen notfalls noch einmal nachzuhaken. Mittlerweile gibt es zumindest die DIN Norm 77800, durch die gewisse Grundleistungen garantiert werden. Jede weitere Betreuung über diese Grundleistungen hinaus liegen aber trotzdem im Ermessen der Einrichtung und können je nach Region, Lage und Preis stark schwanken.

 

Betreutes Wohnen: Dies sollten Sie vor einem Umzug beachten

Ein Umzug in eine Einrichtung, die betreutes Wohnen anbietet, ist keine leichte Entscheidung. Deshalb sollte er auch gut überlegt werden. Für eine vernünftige Orientierung sind hier die wichtigsten Schritte zusammengefasst.

  • Betreutes Wohnen lohnt sich nur für Personen, die weitgehend selbstständig Leben können und nur ein wenig Unterstützung benötigen. Für Pflegebedürftige Personen ist betreutes Wohnen nicht geeignet.
  • Bevor Sie sich zu diesem Schritt entscheiden, verschaffen Sie sich einen Überblick über die verschiedenen Angebote und entscheiden Sie sich für eine Einrichtung, die Ihren Ansprüchen gerecht wird.
  • Lassen Sie sich die Einrichtung ausgiebig zeigen und nehmen Sie immer auch einen Freund oder Verwandten als Vergleichsperson mit.
  • Unterhalten Sie sich mit dem Vermieter oder dem Bauträger und fragen Sie bei Bedarf nach. Wenn Sie sichergehen möchten, unterhalten Sie sich ebenfalls mit Mietern. Das gibt Ihnen einen guten Überblick.
  • Schauen Sie sich die Umgebung an. Ist es eine eher abgelegene Anlage oder liegt sie zentrumsnahe? Sind Ärzte in der Nähe? Kann man leicht einkaufen gehen?
  • Lesen Sie sich die Miet- oder Kaufverträge sorgfältig durch und informieren Sie sich über die Leistungen der Einrichtung.
  • Informieren Sie sich nach möglichen Zuschüssen. Häufig steht Mietern solcher Einrichtungen staatliche Unterstützung zu.
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