Bestimmt der Blutdruck der Mutter das Geschlecht des Babys?

Phyllis Kuhn Medizinredakteurin
Geburt
Kann der Blutdruck einer Frau vorhersagen, ob sie Töchter oder Söhne gebären wird? © iStock

Manchen Eltern ist es egal, andere wollen es erst bei der Geburt erfahren, viele haben insgeheim eine Präferenz: Es geht um das Geschlecht ihres Babys. Forscher wollen jetzt einen eindeutigen Faktor gefunden haben, der vorhersagt, ob ein Baby männlich oder weiblich wird.

Die Entstehung eines Babys ist bis heute ein Wunder der Natur. Bei der Befruchtung formen die Chromosomen aus der Eizelle der Frau und dem Spermium des Mannes neue Zellen. Diese bestehen bei jedem Menschen aus 46 Chromosomen bzw. 23 Chromosomenpaaren. Von Nummer 1 bis Nummer 22 ist bei Männern und Frauen alles gleich, die entscheidende Information sitzt auf dem 23. Chromosomenpaar. Wird bei der Befruchtung ein XX-Chromosomenpaar gebildet, entwickelt sich ein Mädchen. Entsteht die Kombination XY, wird es ein Junge. Alles hängt davon ab, ob es ein X- oder ein Y-Spermium ans Ziel schafft. Bei einer natürlichen Befruchtung scheint dabei der Zufall zu entscheiden, welches Geschlecht ein Kind haben wird. Oder doch nicht? Seit Jahrtausenden versuchen die Menschen, Einfluss darauf zu nehmen, dass ihr Nachwuchs männlich oder weiblich wird – in der Regel mit Techniken, die eher in Märchenbücher gehören.

 

Lässt sich das Geschlecht wissenschaftlich vorhersagen?

Es hat jedoch auch schon immer wissenschaftliche Versuche gegeben, vorherzusagen, welches Geschlecht ein Baby haben wird. Eine bekannte Studie dazu stammt vom deutschen Biologie-Professor Dr. Alexander Lerchl. Er verglich die deutschen Geburts- und Wetterdaten zwischen 1946 und 1995 und fand heraus, dass im Sommer und in milden Wintern mehr Jungen in Deutschland zur Welt kommen. Offenbar entwickeln sich Y-Samenzellen bei milden Temperaturen besser als X-Samenzellen. Ein weiterer Nachweis stammt von dem amerikanischen Arzt Dr. Landrum Shettles. Ihm zufolge bestimmt die Anzahl der Tage vor oder nach dem Eisprung das Geschlecht des Kindes. Findet die Empfängnis etwa drei Tage vor dem Eisprung statt, sind X-Spermien (also weibliche Spermien) erfolgreicher, weil sie langlebiger und robuster als männliche sind. Sex am Tag des Eisprungs oder kurz danach führt eher zu männlichen Nachkommen, da Y-Spermien (männliche Spermien) schneller sind.

 

Welchen Einfluss hat der Blutdruck der Mutter?

Kanadische Forscher wollen jetzt einen neuen, zeitpunktunabhängigen Faktor für die Bestimmung des Geschlechts gefunden haben. Der Blutdruck der Mutter bei der Empfängnis. Dr. Ravi Retnakaran, Endokrinologe am Mount Sinai Hospital in Toronto untersuchte dabei 1411 Frauen, die vorhatten, bald schwanger zu werden. Bei diesen wurden zu Beginn der Untersuchung die Cholesterinwerte, Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gemessen. Im Schnitt 26,3 Wochen später wurden die meisten Teilnehmerinnen schwanger. Insgesamt wurden im Laufe der Untersuchung 739 Jungs und 672 Mädchen geboren. War der höhere Anteil der männlichen Babys Zufall? Nach Ansicht der Forscher nicht. Ihren Beobachtungen nach, bekamen Frauen, die vor der Empfängnis einen höheren systolischen Blutdruck (Druck, der vom Blut auf die Blutgefäßwand ausgeübt wird) hatten, eher männliche Babys. So lag der Blutdruck bei Müttern von Jungen im Schnitt bei 106 mmHg und damit um 2,6 Prozent höher als der von Frauen mit weiblichen Babys (103 mmHg).

 

Können Frauen das Geschlecht ihres Babys nun selbst planen?

Ob Frauen den Befruchtungszeitpunkt einfach ihrem aktuellen Blutdruck anpassen oder ihren Blutdruck gar manipulieren können, um das Geschlecht ihres Kindes festzulegen, können die Wissenschaftler allerdings nicht klar beantworten. „Wir glauben nicht, dass wir es mit einem Ursache und Wirkungs-Prinzip zu tun haben“, erklärt Retnakaran. „Wir glauben, dass es sich eher um einen Marker der zugrundeliegenden Physiologie der Frauen handelt.“

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