Beruhigungsmittel T-Shirt

Verena Elson
Eine Frau schnüffelt am T-Shirt ihres Partners
Einmal tief einatmen und entspannen: Der Duft des Partners beruhigt, zeigt eine aktuelle Studie © iStock/PeopleImages

Im getragenen T-Shirt des Partners die Wohnung putzen oder auf der Couch liegen – eine kitschige Angewohnheit hoffnungsloser Romantiker? Nein, das macht Sinn, zeigt jetzt eine Studie kanadischer Forscher.

Bei Frauen ist diese Gewohnheit weit verbreitet: Ist der Partner verreist, schläft Frau gerne auf seiner Seite des Bettes und trägt seine T-Shirts, Hemden und Pullover. Am schönsten ist das, wenn diese ungewaschen sind und den Duft des Partners verströmen. Wissenschaftler um Marlise Hofer an der University of British Columbia im kanadischen Vancouver haben jetzt in einer aktuellen Studie die stresslindernde Wirkung dieses Verhaltens bewiesen.

 

T-Shirts schnüffeln für die Forschung

An dem Experiment nahmen 96 heterosexuelle Paare teil. Die Männer trugen einen Tag lang ein T-Shirt und verwendeten in dieser Zeit kein Deo oder andere duftende Pflegeprodukte, rauchten nicht und nahmen keine stark riechenden Lebensmittel zu sich.

Später wurden die Frauen gebeten, an einem ungetragenen, einem von ihrem Partner getragenen oder einem von einem anderen Mann getragenen T-Shirt zu riechen. Die Probandinnen wussten dabei nicht, an welchem T-Shirt sie schnüffelten.

Um das Stresslevel der Frauen zu steigern, führten die Forscher Schein-Vorstellungsgespräche mit ihnen durch und ließen sie mathematische Aufgaben lösen. Zusätzlich untersuchten sie Speichelproben der Probandinnen auf das Stresshormon Cortisol und befragten sie zu ihrem persönlichen Stressempfinden.

 

T-Shirt des Partners beruhigt

Das Ergebnis: Frauen, die am T-Shirt ihres Partners riechen durften, empfanden vor und nach den gespielten Einstellungstests weniger Stress als Frauen, die an gewaschenen Shirts oder an denen anderer Männer gerochen hatten.

Bei Probandinnen, die an T-Shirts fremder Männer geschnüffelt hatten, stellten Hofer und ihr Team sogar erhöhte Cortisolwerte fest. Besonders niedrig waren diese Werte dagegen bei Frauen, die am T-Shirt ihres Partners gerochen und es als dieses erkannt hatten. Der stresslindernde Effekt wird demnach verstärkt, wenn wir uns bewusst sind, dass wir den Geruch des Partners einatmen.

„Von klein auf fürchten Menschen Fremde, besonders fremde Männer“, so Hofer. „Es ist also möglich, dass ein fremder männlicher Geruch die Kampf-oder-Flucht-Reaktion auslöst, die zu einem erhöhten Cortisollevel führt.“

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