Bei Gliederschmerzen hilft Fango

Die Mineralien des Schlamms (Fango) wirken entzündungshemmend
Die Mineralien des Schlamms (Fango) wirken entzündungshemmend und lindern Gliederschmerzen – indem die Durchblutung angeregt wird © Fotolia

Seinen unangenehmen Namen hat er wirklich nicht verdient: "Fango" kommt aus dem Italienischen und bedeutet Schlamm oder aber Schmutz – also nichts, was wir spontan mit etwas Positivem verbinden. Trotzdem wirkt es ausgezeichnet gegen Gliederschmerzen.

„Früher kam der Fango-Schlamm direkt aus natürlichen, vulkanischen Thermalquellen und bestand auch hauptsächlich aus natürlichen Mineralien. Heute wird Fango, der in den Physiotherapie- oder Massagepraxen verwendet wird, meistens rein industriell erzeugt und Mineralien werden hinzugefügt", erklärt Michael Preibsch vom Deutschen Verband für Physiotherapie. „Sie sehen – mit Schmutz hat das absolut nichts zu tun."

 

Heilen mit langer Tradition

Die Idee, sich die Kraft von mineralhaltigem Schlamm zunutze zu machen, ist keine neumodische Wellness-Idee. Schon die alten Ägypter behandelten mit angeschwemmten Nilschlamm unangenehme Hautkrankheiten mit Juckreiz. So startete die steile Karriere des Heilschlamms. Auch der berühmte Pfarrer Sebastian Kneipp schwor auf die „heilende Erde" – und zwar von innen und außen.

 

Anwendung mit Wärme

Aber wie wird die graubraune Masse denn nun angewendet? „Vor einer Wärmeanwendung wird der Fango auf rund 50 Grad erhitzt. Dann wird der warme Schlamm etwa drei Zentimeter dick auf die erkrankten Körperpartien aufgetragen", erklärt Michael Preibsch die typische Anwendungsform von Fango beim Physiotherapeuten. Der Körper des Patienten wird in Leinentücher oder Wolldecken eingehüllt, um die Wärme zu speichern. Rund eine halbe Stunde ruht der Patient – und genießt. „Die lokale Wärmeeinwirkung hat auch einen entspannenden Effekt." Die Hitze des Fangos zieht nach und nach tief in das Gewebe ein (bis ca. drei Zentimeter unter die Hautoberfläche) und hält dieses wirkungsvoll und nachhaltig warm. So wird die Durchblutung gefördert, Schmerzen werden gelindert, Muskeln entspannt und das Immunsystem angeregt und gestärkt. Die wertvollen Mineralien des Schlamms wirken zusätzlich entzündungshemmend. Und das lindert die unterschiedlichsten Erkrankungen. Dazu zählen Rheuma, Verspannungen und Menstruationsbeschwerden.

Bei Hauterkrankungen wie etwa Neurodermitis, Schuppenflechte oder Ekzemen kann der Schlamm heilsam wirken, allerdings auch schaden. Bitte fragen Sie Ihren Arzt, was er Ihnen persönlich raten würde!

Der Physiotherapeut warnt: „Bei Blutdruck-, Herz- und Venenerkrankungen sollte man von so einer Wärmetherapie absehen!" Dasselbe gilt bei akuten Entzündungen, die so eher noch „angefeuert" werden könnten. Nach ihrer Verwendung wird die Fango-Masse sterilisiert und dann wiederverwertet.

 

Kalte Anwendungsform

Fangoschlamm kann auch kalt angewendet werden. Er ist als fertige Creme, Salbe oder in Form einer Kompresse (in der Apotheke) erhältlich. Diese haben eine gefäßverengende und schmerzstillende Wirkung und werden gerne als natürliche Alternative bei leichteren Sportverletzungen wie Prellungen oder Muskelzerrungen genutzt. Sie wirken wohltuend bei Magenentzündungen und können helfen, Fieber zu senken. Der Vorteil daran ist, dass Sie den „kühlen Schlamm" auch selber, im eigenen Zuhause, anwenden können. Lagern Sie ihn einfach in Ihrer Hausapotheke!

 

Fango von innen

Das kennt man von der Heilerde: Sie können auch täglich einen Esslöffel Fangopulver (aus der Apotheke) in Joghurt o. ä. einrühren. Die innere Behandlung soll hohe Blutfettwerte senken, das Ausscheiden von Giftstoffen und somit eine gesunde Darmflora fördern. Dies ist allerdings bisher nicht wissenschaftlich erwiesen – und wahrlich kein kulinarischer Genuss ...

 

Balneotherapie

Um übermäßiger Abnutzung der Gelenke und vorzeitigen Alterserscheinungen vorzubeugen, hat sich die Balneotherapie etabliert. Diese Kombination aus Fango, Massagen, Bewegungsund Hydro-Therapie (also Wasser) gilt als sehr wirkungsvoll. „Fragen Sie einen Physiotherapeuten, was er Ihnen empfiehlt!", rät Michael Preibsch.

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