Bei einer Sucht liegen die Ursachen im „Belohnungssystem“

Kapitel
  1. 1. Überblick
  2. 2. Ursachen
  3. 3. Symptome
  4. 4. Diagnose
  5. 5. Behandlung
  6. 6. Vorbeugung

Wenn sich eine Sucht entwickelt, spielen meist viele Ursachen eine Rolle. So tragen meist das soziale Umfeld, die erbliche Veranlagung, die Lebensgeschichte und die aktuelle Situation einer Person jeweils einen Teil zur Suchtentwicklung bei. Bei einer substanzgebundenen Sucht haben die einzelnen Suchtstoffe sehr verschiedene Wirkungen, und auch bei den verschiedenen Verhaltenssüchten sind die Inhalte sehr unterschiedlich. Dennoch gibt es bei der Suchtentwicklung einige Parallelen.

Bestimmte Eindrücke wie sexuelle Stimulation, leckeres Essen und Erfolge im Alltag fühlen sich spontan einfach gut an. Der Grund dafür liegt im menschlichen Gehirn – genauer gesagt im Belohnungssystem, einem Teil des limbischen Systems im Mittelhirn. Gefühle wie Freude, Euphorie und Zuversicht werden genau hier mithilfe des Botenstoffs Dopamin angestoßen. Die Evolution hat es so eingerichtet, dass das Gehirn lebenswichtige Handlungen wie Nahrungsaufnahme und Geschlechtsverkehr mit einer Dopaminausschüttung „belohnt“, sodass Menschen (und Tiere) diese Handlungen gerne und oft wiederholen.

Bei einer Sucht liegen die Ursachen genau hier: Alle Drogen beeinflussen auf eine bestimmte Art und Weise das Nervensystem und seine Botenstoffe, darunter direkt oder indirekt auch Dopamin. Die meisten Suchtmittel „belohnen“ ganz zeitnah ihren Konsum mit guten Gefühlen: Alkohol enthemmt, Cannabis entspannt, Amphetamine putschen auf und fast immer stellt sich für einige Minuten oder Stunden ein euphorisches oder beruhigendes Gefühl ein. Die vielen negativen Effekte treten erst später ein, wenn das Gehirn längst die Verknüpfung zwischen Droge und Glücksgefühl hergestellt hat.

Eines der Probleme dabei ist, dass diese Suchtstoffe unnatürlich hohe Mengen an Dopamin und anderen Botenstoffen freisetzen, sodass die Nervenzellen mit diesen Stoffen regelrecht überflutet werden. Je häufiger das passiert, desto stärker versucht der Körper entgegenzusteuern, indem er die Rezeptoren – die „Andockstellen“ für diese Botenstoffe – reduziert. So werden die Nervenzellen bei der Suchtentstehung Mal für Mal unempfindlicher gegen die euphorisierenden Botenstoffe. Für einen spürbaren Effekt sind immer höhere Dosen des Suchtmittels notwendig. Gleichzeitig stumpfen die Nervenzellen mit der Zeit ab und reagieren nicht mehr auf natürliche Konzentrationen von Dopamin und anderen Botenstoffen. Im Normalzustand ohne Droge fühlt der Süchtige sich dann antriebslos, ängstlich, depressiv und kann sich kaum konzentrieren, da seine Nervenzellen viel zu wenig Dopamin-Signale erhalten. Sein Gehirn verlangt nach dem einzigen „Heilmittel“, das es kennt – dem Suchtmittel.

Auch bei einer nicht stoffgebundenen Sucht liegen die Ursachen im Belohnungssystem. Der „natürliche Rausch“ durch sexuelle Zuwendung, ein gewonnenes Pokerspiel oder ein frisch gekauftes Paar Schuhe kann Menschen psychisch abhängig machen. Die Übergänge sind bei dieser Form der Suchtentwicklung manchmal schwer zu erkennen. Nach und nach versuchen die Betroffenen schlechte Gefühle wie Frust, Überforderung und Einsamkeit „wegzuwischen“, indem sie immer mehr überflüssige Dinge einkaufen oder sich immer tiefer in einem Computerspiel vergraben. Schließlich wird das Verhalten regelrecht zwanghaft und nichts anderes scheint mehr Freude zu bereiten.

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