Neue Methode: So heilen offene Beine bei Venenschwäche

Offene Stellen an Füßen und Beinen sind nicht nur schmerzhaft, sondern auch gefährlich. Betroffen sind vor allem Menschen in höherem Alter. Doch moderne Methoden helfen auch hier, sagt unser Experte Professor Ernst Magnus Noah.

Wunden heilen nach sechs bis 18 Tagen – bei gesunden Menschen. Für knapp vier Millionen Deutsche sieht das aber anders aus. Bei ihnen bleiben die offenen Stellen an Füßen oder Beinen und werden chronisch. Denn Ursache für die hartnäckige Verletzung ist in diesen Fällen eine andere Krankheit, zum Beispiel Diabetes oder ein arterielles Gefäßleiden. Besonders oft ist jedoch eine jahrelange Venenschwäche der Grund. Nach Jahrzehnten kann sich daraus ein offenes Bein (Ulcus cruris) entwickeln.

 

Ursache von offenen Beinen

Eine angeborene Venenwandschwäche, dazu nicht behandelte Krampfadern, vielleicht eine zurückliegende Thrombose, Rauchen und Übergewicht bewirken, dass die Venenklappen nicht mehr richtig schließen. Blut wird dann nicht vollständig zum Herzen zurückgepumpt, Wasser sammelt sich an. Später verhärten Haut und Bindegewebe, Hautzellen sterben ab. An einigen Stellen bilden sich nässende Ekzeme und schließlich Geschwüre, offene Wunden, die nicht heilen wollen. Meist sitzen sie an den Innenseiten der Fußknöchel. Siedeln sich Bakterien an, können die Wunden faulig riechen.

Frau bekommt Computertomographie
Aus einer jahrelangen Venenschwäche kann sich ein offenes Bein entwickeln. Dies kann mithilfe eines CTs der Venen und Arterien früh erkannt werden© Fotolia
 

Diagnose: Krankengeschichte und Ultraschall

Das Geschwür selbst ist leicht zu erkennen. Um die genaue Ursache abzuklären, sind weitere Untersuchungen nötig: ein Ultraschall der Venen und Arterien, die Venendruckmessung und eventuell eine Computertomografie (CT).

 

Therapie bei chronischen Wunden

Zunächst werden die Wunden gesäubert – nicht mehr mit dem Messer wie früher, sondern schonender mit einem Wasserstrahlreiniger. Zusätzlich werden Enzyme verabreicht. Nur bei starker bakterieller Infektion sind Antibiotika nötig. Professor Noah: "Früher wurden schlecht heilende Wunden mit allen Mitteln trocken gehalten. Doch Feuchtigkeit fördert die Heilung." Die Wunde wird also mit einem speziellen Verband abgedeckt, der sie feucht hält, ohne zu verkleben. 90 Prozent aller Wunden heilen mit dieser Therapie binnen weniger Monate ab. Falls nicht und wenn ein Geschwür sehr groß ist, kann eine OP notwendig sein. Prof. Noah: "Wir schneiden abgestorbenes Gewebe heraus, entnehmen dem Patienten an anderer Stelle gesundes Muskelgewebe, das er dort nicht braucht. Dieses setzen wir am Unterschenkel an. Es wächst ein, die Wunde ist geheilt." Damit kein neues Geschwür entsteht, muss auch die Ursprungskrankheit, also die Venenschwäche, behandelt werden. Kompressionsbandagen, Gehtraining, Krankengymnastik und eventuell Lymphdrainage bringen meist Besserung.

Radfahren beugt offenen Beinen vor
Um die Heilung offener Beine zu unterstützen, sollten Sie sich viel bewegen – Laufen, Radfahren und Schwimmen beschleunigen die Genesung© Fotolia
 

Warnhinweise für offene Beine

Achten Sie auf Veränderungen Ihrer Beine. Je früher Folgen der Venenschwäche und Wundbildung erkannt werden, umso besser können Ärzte sie behandeln.

Ein typisches Anzeichen sind Besenreiser an den Fußrändern und oberhalb der Fußknöchel. Oft ist die Haut um die Knöchel abends geschwollen.

  • Es treten dumpfe Schmerzen und ein Spannungsgefühl in den Beinen auf.
  • Sie entdecken am unteren Unterschenkel rotbraune Flecken und weißliche Hautverfärbungen.
  • Die Haut an Ihren Unterschenkeln ist oft gerötet, nässt oder schuppt sich und juckt.
  • Selbst kleine Wunden heilen nicht.
  • Der Unterschenkel wird immer härter und fester. Die Haut ist nicht mehr in Falten abhebbar.
  • Damit sollten Sie unbedingt zum Arzt: unklare Hautwunden, die nicht innerhalb von wenigen Tagen bis Wochen abheilen, stattdessen sogar immer größer werden oder sich entzünden.
 

Das können Sie selbst tun

  • Damit offene Wunden nicht wieder auftauchen, sollten Sie Ihre Venen stärken. Laufen und Liegen ist besser als Sitzen und Stehen. Gehen Sie täglich mindestens eine halbe Stunde in flachen, bequemen Schuhen spazieren – auch wenn offene Beine noch nicht verheilt sind. Steigen Sie so oft es geht Treppen, fahren Sie Rad, gehen Sie schwimmen oder tanzen.
  • Legen Sie, wann immer möglich, die Beine hoch.
  • Meiden Sie lange heiße Wannenbäder und zu viel Sonne.
  • Duschen Sie die Beine täglich kurz mit kaltem Wasser ab.
  • Wenn Sie nachts mit heißen Waden aufwachen, legen Sie Ihre Beine auf ein feuchtes Handtuch. Stellen Sie das Fußende Ihres Bettes etwas hoch oder betten Sie die Beine auf ein Kissen. Das entlastet.
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